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Cécile B. Evans - "Amos’ World"

Museum Abteiberg Mönchengladbach

Die in London lebende belgisch-amerikanische Künstlerin Cécile B. Evans ist in der internationalen Kunstszene längst keine Unbekannte mehr. Als Vertreterin der Post-Internet-Art setzt sie sich in ihren multidisziplinären Projekten mit der emotionalen Befindlichkeit und Entfremdung des Individuums in der digital-technologischen Gegenwart auseinander. Das städtische Museum Abteiberg in Mönchengladbach zeigt nun alle drei Episoden ihres Projektes „Amos‘ World“, in dem sich Film, Architektur und skulpturale Ansätze zu einer eindrücklichen immersiven Installation verbinden.

Amos´ World, 2019, Installation view, Tramway, Glasgow, 6 December 2018 - 17 March, 2019



Amos’ World ist eine fiktive Fernsehserie im Duktus einer Telenovela, die von einem brutalistischen Wohnkomplex, seinem Architekten und seinen Bewohnern handelt, denen die Verheißungen dieses scheinbar perfekten Gebäudes zunehmend befremdlich werden. „I want to change the world“, verkündet der wenig sympathische Protagonist in der ersten Episode dieser Mini-Serie. Amos, der in Gestalt einer animierten Puppe mit errechnetem Gesicht in Szene gesetzt wird, ist ein überheblicher Visionär, der sein progressives Wohnprojekt ohne Rücksicht auf soziale oder emotionale Bedürfnisse funktional durchgeplant hat. Vielmehr scheint seine Wohnmaschine die Einsamkeit und Anpassung seiner Bewohner*innen zum Funktionieren vorauszusetzen.

‚The Weather‘ – eine Stimme aus dem Off, die sich mit Amos in seinem Architekturbüro unterhält – konfrontiert den Architekten mit den Folgen seiner wahnwitzigen Konstruktion. Die Stimme stellt Amos kritische Fragen zu seinem Gebäude und offenbart die absurden, teilweise komischen Folgen, in denen sich das Scheitern seines Plans manifestiert: die Bewohner*innen verlassen gar nicht mehr ihre Wohneinheiten, weil sie automatisch mit Lebensmitteln versorgt werden, die Mülleimer quellen über, im Solarium liegen tote Schwalben herum und ein Gerät im Fitnesscenter hat den Gebäudemanager zerquetscht. Zugleich beginnen auch die Bewohner selbst zu begreifen, wie sehr ihre Handlungen von den wirklichen Räumen dieser Architektur beeinflusst werden und rebellieren gegen die Zustände.

Cécile B. Evans dreiteilige Serie Amos‘ World ist eine Allegorie für unseren gegenwärtigen Umgang mit technologischen, ideologischen und physischen Strukturen im Allgemeinen. Sie fragt nach dem Wert und der Bedingung von Gefühlen, die durch solche künstlich geschaffenen Konstrukte beeinflusst werden oder sich an ihnen antagonistisch reiben. Im Besonderen spiegelt Amos‘ World unseren Umgang mit Social Media und den virtuellen Realitäten der digitalen Welt wider, in der sich alle zusammen und doch jeder für sich selbst bewegt.



Cécile B. Evans: Amos’ World (26.05. – 15.09.2019)

Städtisches Museum Abteiberg, Abteistr. 27

museum-abteiberg.de

© 01. Juni 2019  WESTZEIT ||| Autor: Till Barz