www.westzeit.de

Urbane Künste Ruhr – Ruhr Ding: Territorien

22 Kunstprojekte in Bochum, Dortmund, Essen, Oberhausen

Im Frühsommer 2019 realisiert Urbane Künste Ruhr ein neues Ausstellungsformat, das in seiner ersten Auflage Standorte in vier Ruhrgebietsstädten bespielt. Mit 22 Kunstprojekten in Bochum, Dortmund, Essen und Oberhausen durchdringt das Ruhr Ding den vielgestaltigen öffentlichen Raum des Reviers, auch abseits institutioneller Kultureinrichtungen. Zu den Ausstellungsorten gehören das Vereinsheim eines Oberhausener Fußballvereins genauso wie ein ehemaliges Kino, Industriebauten und -Betriebe, Fassaden und Wohnhäuser. Das jährlich wiederkehrende Ruhr Ding fragt 2019 nach der Bedeutung von Territorien für die Identitätsbildung – angesichts des drohenden Brexits und des Erstarkens nationalistischer Bewegungen ein spannendes Thema von globaler Relevanz.

Sam Hopkins Die Dauercamperin, 2019, Installation, Produktion: Jens Mühlhoff, Parkplatz neben dem ehemaligen Hoesch-Verwaltungsgebäude Parking 44147 Dortmund. Foto: Henning Rogge

Abb. unten: Solid Skills, 2019, Projektraum Project Space, ist Teil des Projekts Memory Stations der Akademie der Künste der Welt / Köln und des Ausstellungsprojekts Ruhr Ding: Territorien von Urbane Künste Ruhr. Viktoriastraße 5, 45327 Essen.



„Manchmal ist das Ruhrgebiet wie Europa im Kleinen“, sagt Britta Peters, die im Januar 2018 die Leitung der Urbane Künste Ruhr übernommen hat, in einem Interview. Zwischen den 53 Städten gebe es immer wieder Abgrenzungsrangeleien, teilweise auch zwischen den einzelnen Kulturinstitutionen, die das Vorankommen der Menschen und der Region erschweren, genauso wie ein ÖPNV, der in manchem eher trennt als verbindet. Dem setzt das Ruhr Ding ein Programm entgegen, das Regionen-übergreifend funktioniert. Zusammenhänge, ortspezifische Unterschiede und Kollaborationen zwischen den Standorten gehören hier wesentlich dazu. Gleichzeitig wird der gemeinsame Themenfokus im lokalen Kontext reflektiert. Dieser nomadisch-umherziehende Ansatz des Ausstellungsprojektes findet sich auch in der Namensgebung der begleitenden Veranstaltungen und Programmpunkte wieder: die Irrlichter-Touren, der Wandersalon oder die temporäre Materialverwaltung identifizieren kein festes Zentrum, sondern kursieren entlang von Stationen oder deuten auf transiente Zustände.

Als thematische Klammer stellt der Begriff Territorien die Beziehungen zwischen den Projekten und Orten her. Es geht um den Zusammenhang von (territorialer) Abgrenzung und Identitätsbildung, die von den Künstler*innen an den von ihnen ausgewählten urbanen Räumen in ihren Arbeiten ortsspezifisch verhandelt werden. Das erfordert von der Besucher*innen nicht nur eine gedankliche Mobilität, sondern tatsächlich Fortbewegung und Grenzüberschreitungen von A nach B. Daran knüpft das Vermittlungsprogramm mit den sogenannten Irrlichter-Touren an: Dank einer eigens zu diesem Zweck konzipierten Infrastruktur aus Spaziergängen, Fahrradverleih und ÖPNV haben die Besucher*innen die Möglichkeit, neue Seiten des Ruhrgebiets zu entdecken. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur die Kunstprojekte selbst, sondern auch ungewöhnliche, spielerische Erfahrungen mit vertrauten oder bislang unbekannten Umgebungen als Wahrnehmungsverstärker.

Bei den 22 Kunstprojekten handelt es sich um künstlerische Arbeiten in unterschiedlichen Medien und Genres an ebenso unterschiedlichen, aber stets öffentlichen und kostenlos zugänglichen Orten. Das können Fotografien sein, wie die neue Fotoserie des Straßenfotografen Hans Eijkelboom, Langzeit-Performances unter Einbeziehung eines Hologramms, wie in der Arbeit von Alexandra Pirici in der Kokerei Hansa, der bulgarische Nationalpavillon auf dem Bochumer Hauptfriedhof von Ivan Moudov, aber auch Malerei, wie die erste europäische Einzelausstellung der Chicagoer Künstlerin Margot Bergman, die in Kooperation mit dem Museum Folkwang in Essen gezeigt wird. Es gibt Installationen, wie Sam Hopkins´ „Die Dauercamper“ in Dortmund, Wandmalereien von Stefan Marx oder konzeptionelle Versuchsanordnungen, wie das 3-seitige Fußballfeld von Roderick Buchanan, das der schottische Künstler nach Vorbild des Situationisten Asger Jorn geschaffen hat.
Das zweite Ruhr Ding im kommenden Jahr hat das Thema Klima und wird dann im Norden in der Emscherregion stattfinden. 2021 folgen der Süden und 2022 der Westen des Ruhrgebietes.

Ruhr Ding: Territorien 04.05. – 30.06.2019
Bochum, Dortmund, Essen, Oberhausen
www.urbanekuensteruhr.de

© 01. Juni 2019  WESTZEIT ||| Autor: Till Barz