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Unheimlich real. Italienische Malerei der 1920er Jahre

Museum Folkwang Essen

Die große Herbstausstellung des Museum Folkwang präsentiert mehr als 80 Gemälde des Magischen Realismus im Italien der 1920er Jahre. Herausragende Werke wichtiger Protagonisten wie Felice Casorati, Antonio Donghi und Ubaldo Oppi sind ebenso in der Schau vertreten wie die einflussreichen Gemälde von Giorgio de Chirico und Carlo Carrà. Überwiegend stammen die Werke aus Privatsammlungen, viele sind erstmals überhaupt in Deutschland ausgestellt.

Giorgio De Chrico, Piazza d’Italia (Souvenir d’Italie), 1924-25, Öl auf Leinwand, 60 x 73 cm



Nach den einschneidenden Erfahrungen des Ersten Weltkrieges kehren viele Künstler in Europa und den USA zu einer realistischen Darstellung zurück. Der Ruf nach Ordnung („Retour à l'ordre“), der bereits während der Kriegsjahre in Frankreich laut geworden war, führt zu einer allgemeinen Rückbesinnung auf Ordnungsprinzipien und künstlerische Traditionen. Der Begeisterung für die Utopien der Avantgarde folgt eine Ernüchterung, die den Blick der Künstler auf ihre Welt schärft.

Parallel zur Neuen Sachlichkeit in Deutschland, entsteht in Italien die Kunstbewegung des Magischen Realismus. Dabei handelt es sich nicht um eine geschlossene Gruppe von Künstlern. Vielmehr verbindet sie bei aller Vielfältigkeit der einzelnen künstlerischen Ansätze eine gemeinsame Stimmung. Anknüpfend an die metaphysische Malerei von Giorgio de Chirico und Carlo Carrà lassen diese Maler auf ihren Gemälden die Zeit still stehen. Der Terminus „Magischer Realismus“, wie er 1925 vom Kunsthistoriker Franz Roh geprägt worden ist, beschreibt diese rätselhafte Atmosphäre, in welcher die Dinge in der Schwebe bleiben und trotz ihrer klaren Darstellung ein Geheimnis verbergen.

Die Ausstellung im Museum Folkwang ist in neun Themengruppen geordnet. So stellt der erste Raum die einflussreichen menschenleeren Architekturdarstellungen von Carrà und de Chirico denjenigen von Ubaldo Oppi und dem Gemälde "La città deserta" (1929) von Carlo Sbisà gegenüber. Das alltägliche Leben in all seiner Einfachheit wird in der Themengruppe „Karge Realitäten“ behandelt. „Verstörende Akte“ zeigt Aktdarstellungen, die kaum mehr lieblich sind, sondern vielmehr eine gewisse Brutalität und Vereinzelung erfahrbar machen – wie beispielsweise der verdrehte Körper auf Cagnaccio di San Pietros spektakulärem Gemälde „Primo denaro“ – neben Stillleben ein für den Magischen Realismus prägendes Genre. Till Barz



Unheimlich real – Italienische Malerei der 1920er Jahre (– 13.1.2019)

Museum Folkwang, Museumsplatz 1, 45128 Essen

© 01. Dezember 2018  WESTZEIT