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CECILY BROWN

Hamburg, Deichtorhallen

In einer gewaltigen Explosion entleibt sich das Paar, das soeben noch in einem rauschhaften Liebesakt verschmolzen war. Cecily Brown packt die intime Realität beim Schopf, energetisch und radikal. Wolkenkuckucksheimlichkeiten findet bei ihr keine Beachtung. Sie konfrontiert das Leben mit der Schlagkraft genau hinschauenden Künstlerin, die das Körperliche der menschlichen Existenz und den Fortpflanzungsgedanken zum Exzess treibt.

Zum ersten Mal auf europäischem Boden zeigt die 1969 in London geborene, heute in New York lebende Malerin Cecily Brown eine komplexe Werkschau mit achtundvierzig Bildern aus den letzten zehn Jahren. In den Deichtorhallen in Hamburg manifestiert sich ein Werk, das eine Kunst zwischen figurativen und abstrakten Elementen benutzt. Brown filtert die Essenzen aus Körper und Emotion, in dem sie aus existierenden Vorlagen (etwa pornografisches Bildmaterial) sowohl wiedererkennbare Situationen malt als auch die Werke dominierende, scheinbar ´wilde´ Abstraktionen zeigt. Die Ergebnisse ihrer Farbwut und -wucht erscheinen in der Tradition eines Jackson Pollock oder eines Willem de Kooning oder in zerfließenden Physiognomien eines Francis Bacon - impulsiv hingekleckste Farborgien, oft in Rot, Orange, Ocker und Rosa. Im zentralen Blickfeld präsentiert sich bei Brown die Erotik - provokant und unverhüllt, offenherzig und voyeuristisch. „Ich will eine menschliche Präsenz in den Bildern, ohne diese ganz ausformulieren zu müssen,“ sagte Cecily Brown. Primär beherrschten erotische Motive ihre Bilder; neuerdings wendet sie sich auch der Landschaft zu. In Hamburg sind beide Aspekte des impulsiven und dynamischen Werkes zu sehen.



Cecily Brown kam als Tochter der schottischen Schriftstellerin Shena Mackay und des britischen Kunstkritikers David Sylvester zur Welt. Von letzterem erfuhr sie allerdings erst im Alter von einundzwanzig Jahren. Das Studium an der Slade School of Fine Arts in London beendete sie 1993 ab. Sie wurde zwar zu den Young British Artists gezählt, fand sich als Malerin dort zwischen den Installateuren jedoch fehl am Platze. In New York stapfte sie als Enfant terrible durch die Kunstszene und spaltete insbesondere mit ihren erotischen Werken die Kaste der Kritiker. Bei der ersten Einzelausstellung in New York bei Jeffrey Deitch grüßten kopulierende Hasen die Besucher. Cecily Brown wird von vielen namhaften Museen wie Guggenheim oder Tate Gallery weltweit gesammelt.



Das komplexe Werk der Cecily Brown verbindet sich zu einem farbrauschenden Dialog mit den ebenso wuchtigen Bildern des österreichischen Malers Herbert Brandl, die erstmals in Deutschland zu sehen sind. Auch Brandl malt großflächig, expressiv und abstrakt. Häufig ist der Mount Everest in diversen Lichtstimmungen zu sehen. Die meisten der dreißig Arbeiten, meistens im Format 4 x 3 m, sind speziell für die Hamburger Ausstellung entstanden. Für den Direktor der Deichtorhallen, Robert Fleck, ist es die letzte Ausstellung seiner Amtszeit. Er leitet nun die Bundeskunsthalle in Bonn.

Cecily Brown (-30.08.2009) Deichtorhallen, Hamburg, Deichtorstr. 1-2, Hamburg.
Di-So 11-18 Uhr (während der Ausstellungslaufzeiten), mo geschlossen.
Eintritt: Nordhalle "Herbert Brandl" und "Cecily Brown": 9/5 Euro
Familienkarte (max. 2 Erw. mit Kindern/Jugendlichen unter 18 Jahren): 14 Euro, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren frei, Dienstagskarte (16 Uhr): 4,50 Euro
Weitere Infos: www.deichtorhallen.de

© 01. Juni 2009  WESTZEIT ||| Autor: Klaus Hübner