interviews
kunst
artexpo
cartoon
konserven
liesmich.txt
filmriss
dvd
vorlesungs-
verzeichnis

cruiser
agenda
live reviews
stripshow
kontakt
Karl Schmidt-Rottluff Stipendium 2019 - Kunsthalle Düsseldorf

Seit 1989 richtet die Kunsthalle Düsseldorf in Kooperation mit der Studienstiftung des deutschen Volkes die Gruppenausstellung der jeweils letzten beiden Jahrgänge der Stipendiatinnen und Stipendiaten des renommierten Karl Schmidt-Rottluff Stipendiums aus. Die Düsseldorfer Ausstellung 2019 zeigt Arbeiten von Yalda Afsah, Charlotte Dualé, Serena Ferrario, Susann Maria Hempel, Felix Leffrank, Sarah Lehnerer, Henrike Naumann, Raphael Sbrzesny sowie Arne Schmitt und Fabian Treiber. Die Bandbreite der Medien reicht dabei von skulpturalen Arbeiten über Installationen, Fotografien und Filme bis hin zur Malerei.

Henrike Naumann, DDR noir, 2018

Das nach ihm benannte Künstlerstipendium wurde 1975 von Karl Schmidt-Rottluff mit seinem privaten Vermögen begründet und soll den künstlerischen Spitzennachwuchs fördern. Die zweijährigen Stipendien werden an bis zu fünf bildende Künstlerinnen und Künstler vergeben, die sich in den ersten Jahren nach dem Hochschulabschluss befinden. Diese können sich nicht selbst bewerben, sondern müssen vorgeschlagen werden. Vorschläge kommen von Persönlichkeiten aus der freien Kunst und Kunstvermittlung, Kunsthochschulen und ehemaligen Stipendiaten. Die wechselnde Jury setzt sich ihrerseits aus Künstlerinnen und Künstlern zusammen. Zu den ehemaligen Stipendiaten gehören u.a. Lili Fischer, Katharina Sieverding, Thomas Demand und Axel Hütte – um nur einige bekannte Namen zu nennen.

Nicht von ungefähr genießt das Karl Schmidt-Rottluff Stipendium ein besonderes Renommee. Im Auswahlprozess findet eine langfristig fortwirkende Auseinandersetzung etablierter Künstler mit der Nachfolgegeneration statt. Es geht darum, die mutmaßliche Zukunft künstlerischen Schaffens im Fluss zu halten. Dass dieser Prozess funktioniert, bezeugen nicht nur die ehemaligen Stipendiaten, die sich als prägende Positionen in die Kontinuität der Kunstgeschichte erfolgreich einfügt haben, sondern auch die Gruppenausstellungen, die eine spannende Leistungsschau aktueller Kunst vorstellen. Stellvertretend für 2019 seien hier die Stipendiatinnen Henrike Naumann und Yalda Asfah erwähnt.

Die 1985 in Zwickau geborene Henrike Naumann interessieren die Mechanismen von politischer Radikalisierung und die Frage, wie diese mit persönlicher Erfahrung und Jugend verknüpft sind. Aufgewachsen im Ostdeutschland nach 1989, erlebte sie unmittelbar den starken Einfluss, den rechtsextreme und rassistische Ideen auf die Jugendkultur der 90er Jahre hatten. In ihren Installationen, die Video und Sound mit szenografischen Räumen kombinieren, fokussiert sie die spezifische Alltagsästhetik privater Umgebungen, in denen sich politische Meinungsbildung vollzieht. 2018 war die erste institutionelle Einzelausstellung von Henrike Naumann im Museum Abteiberg in Mönchengladbach zu sehen. Für das Projekt Ruhr Ding: Territorien entwickelt die Künstlerin in diesem Jahr eine begehbare Rauminstallation, welche Umsturzfantasien als inhaltlichen Ausgangspunkt nimmt.

Video- Film- und Installationskünstlerin Yalda Afsah, Jahrgang 1983, aus Berlin-Kreuzberg studierte Kunst an der Burg Giebichenstein in Halle und später im Fachbereich ´Kunst und Medien´ an der Universität der Künste Berlin. 2011 ging sie für ein Jahr an das California Institute of the Arts, wo sie u.a. die Klasse von Filmemacher James Benning besuchte. Vom Dokumentarischen ausgehend wirft sie die Frage nach Konstruktion und Realität auf. In ihrem Kurzfilm Tourneur (2018) dokumentiert Yalda Afsah einen Stierkampf im Süden Frankreichs. Auf subtile Weise inszeniert sie das Machtgefüge zwischen den jungen, adrenalingeladenen Teilnehmern und dem körperlich überlegenen, in die Enge getriebenen Stier. Dabei setzt sie Schaum als szenisches Mittel ein, der das Aufeinandertreffen von Mensch und Tier inmitten einer abstrakten Schaumlandschaft surreal verfremdet und Erwartungen der Zuschauer untergräbt.



Karl Schmidt-Rottluff Stipendium 2019

(5.9.–10.11.2019)

Kunsthalle Düsseldorf

Grabbeplatz 4, 40213 Düsseldorf

www.kunsthalle-duesseldorf.de/
© 01. September 2019  WESTZEIT ||| Text: Till Barz ||| Datenschutz
Kunst


suche