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Akademie [Arbeitstitel] - Kunsthalle Düsseldorf

Der Themenkomplex „Archiv“ steht im Zentrum der dritten Schau des Jubiläumsjahrs der Kunsthalle Düsseldorf. Es geht darum, wie heutige Kunstproduzenten vom historischen Erbe und durch die Nähe von Institutionen und Akademien beeinflusst werden. Die Kunsthalle hat dazu Lehrende und Studierende der Kunstakademien Düsseldorf und Münster sowie der KHM Köln eingeladen, die Idee des Archivs aus einem gegenwärtigen Blickwinkel kritisch zu verhandeln. Über einen Zeitraum von 16 Wochen werden nun 100 Projekte der Teilnehmer im kontinuierlichen Wechsel gezeigt, womit der Prozess der Erarbeitung selbst zum Ausstellungsgegenstand wird.

Links: Katharina Horlacher, - Arbeitsplatz, 2016, Regal gefüllt mit Brett, 2017

Rechts: Rebekka Benzenberg, Sven Dirkamann - Latexabgüsse von Arbeiten von Lee Thomas Taylor, James Lee Byars, Karl Hartung, Michael Heizer, 2017

Als Ausstellungshalle ohne eigene Sammlung ist die Düsseldorfer Kunsthalle gewissermaßen „ein Anti-Museum“, wie es der Direktor der Kunsthalle, Dr. Gregor Jansen, anlässlich der Ausstellungseröffnung von „Akademie [Arbeitstitel]“ formuliert hat. Sie definiert sich nicht durch ein mehr oder weniger fertig definiertes materielles Archiv von ausgewählten Kunstwerken, sondern sollte stattdessen als ein Raum für Potenziale – für das, was Kunst sein und werden kann – aufgefasst werden. Und darin liegt zugleich der Anknüpfungspunkt zur Institution der Akademie: auch hier wird Neues aus Möglichen entwickelt, mit Experimenten erschaffen die Lehrenden und ihre Klassen die potenzielle Zukunft.

Konsequent im Sinne der Idee der Kunsthalle als Freiraum für Potenziale, wurde „Akademie [Arbeitstitel]“ am 21. Oktober mit dem auf seine architektonischen Grundlagen reduzierten Raum eröffnet. „Loch“ von Joseph Beuys sowie „Spiegel“ von Gerhard Richter, beide aus dem Jahr 1981 und im Bestand der Kunsthalle, waren die einzigen Kunstwerke im initialen Ausstellungs-Setting. Das bedeutete einerseits ausreichend Platz für die 500 Ausstellungs-Kataloge aus den letzten 50 Jahren sowie die zahlreich erschienenen Gäste der Kunsthalle. Die mit Hand an die Wände der Räume geschriebenen Namen der über 100 Teilnehmer der Ausstellung gaben andererseits einen abstrakt-spekulativen Ausblick auf das, was in den kommenden 16 Wochen zu erwarten wäre.

Das experimentelle Format der Ausstellung ist selbst eine Auseinandersetzung mit der Geschichte und angelehnt an der legendären Ausstellungsreihe „between“ (1969-1973), die aus Protesten und Unmut von Studierenden insbesondere der Kunstakademie gegenüber der Institution hervorging. Es ist der Versuch, die Diskussion, wie Identitätsbildung, Bewertung und Bedeutung von Kunst und Kunstproduzenten durch Institutionen beeinflusst wird, aus der heutigen Sicht neu zu beleben. Wie der Begriff „Arbeitstitel“ im Ausstellungstitel bereits indiziert, handelt es sich um ein Format mit konzeptionell offenem Ausgang. Für die Besucher wird der wiederholte Besuch der sich wandelnden Ausstellung nicht nur zur immer wieder erneuerten Setzung, sondern auch zum Ausgangspunkt für einen diskursiven Austausch, in dem sich ihnen sukzessiv künstlerische Arbeitsprozesse und -strukturen eröffnen

Archive im Sinne einer normativen Setzung von geschichtlicher Relevanz sind Kristallisationspunkte bei der Befragung, wie und unter welchen Umständen Kunst entsteht. Die Kategorie Archiv und die Kategorien, anhand derer ein Archiv angelegt wird und so Kunstgeschichte, kulturelle Identitäten und individuelle Mythologien hervorbringt, müssen daher kritisch befragt werden. Folgerichtig fragt „Akademie [Arbeitstitel]“, welche Rolle Archive für das künstlerische Schaffen oder die Wahrnehmung einer Institution spielen. Wie wird aus der Jetzt-Zeit heraus mit der spezifischen Vergangenheit umgegangen und diese bewertet? Inwiefern stellen nicht nur kollektive, sondern auch private Archive selbst Formen künstlerischer Praxis dar? Die Teilnehmer der Ausstellung erarbeiten in unterschiedlichen medialen Formaten und Herangehensweisen eine vielfältige Reflektion dieser Fragestellung. Neben einer unmittelbaren Beschäftigung mit Archivmaterialien der Kunsthalle können dabei Auseinandersetzungen mit der Idee des Archivs auch viel weitläufiger und abstrakter erfolgen.

Weitere Programmpunkte zwischen Theater, Performance, Konzerten, Workshops und Vorträgen von zahlreichen Gästen werden während der Ausstellung unter dem Label „Performing Archive“ immer wieder neue Akzente aus dem Archiv suchen und vermitteln.

Akademie [Arbeitstitel]

Kunsthalle Düsseldorf (21.10.2017 – 07.02.2018)

Grabbeplatz 4

Di-So, Feiertage: 11-18 Uhr

Jeden 2. Sonntag im Monat: Familientag bei

freiem Eintritt.

Tel. +49 (0)211 - 89 962 40

Info: kunsthalle-duesseldorf.de
© 01. Dezember 2017  WESTZEIT ||| Text: Till Barz
Kunst

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