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Urbane Künste Ruhr - ab März 2018 bis 2022 an verschiedenen Orten im Ruhrgebiet

Seit Januar 2018 ist Britta Peters neue Künstlerische Leiterin der Urbane Künste Ruhr. Gemeinsam mit der Künstlerin Henrike Naumann eröffnete sie am 13. März im Dortmunder Kultur- und Veranstaltungszentrum Depot den ersten Wandersalon, der als Veranstaltungsreihe im unregelmäßigen Turnus an verschiedenen Orten des Ruhrgebietes stattfindet. Als diskursives Format begleitet der Wandersalon die Entwicklung eines großen dreiteiligen Ausstellungsprojektes namens „Ruhr Ding“ über die nächsten 5 Jahre. Mit dem Ruhr Ding verbunden ist ein Masterplan zur Förderung von Akteuren und Kunstprojekten im öffentlichen Raum im Ruhrgebiet. Dazu gehören u.a. ein gemeinnütziger Fundus sowie verschiedene Künstlerresidenzen. Das erste Ruhr Ding beschäftigt sich mit der Frage, wie heute Heimat und Zugehörigkeit im urbanen Kontext definiert werden kann.

Henrike Naumann Das Reich, 2017, Courtesy Henrike Naumann und Kow Berlin, © Ladislav Zajac



Das Ruhrgebiet ist ein heterogenes Konglomerat von 53 Städten und etwas mehr als 5 Millionen Einwohnern. In der Begrifflichkeit des offiziellen Standortmarketings fasst man die Anstrengungen, die einzelnen Stärken der Ruhrgebietsstädte auf unterschiedlichen Ebenen synergetisch zu bündeln, gerne visionär unter dem Titel „Metropole Ruhr“ oder „Stadt der Städte“ zusammen. Historisch gesehen waren es der Bergbau und die Industrie, Migrationsströme von Menschen in das Ruhrgebiet sowie die geographische Dichte der Siedlungsräume, durch die sich die Region definierte. Der Ballungsraum ist geblieben, aber die Region befindet sich bis heute in einer anhaltenden Phase des Strukturwandels. Das große, teilweise konkurrierende kulturelle Angebot der Ruhrgebietsstädte bietet einen naheliegenden Ansatz für eine identitätsstiftende Kooperation im Sinne einer Metropole. Hier setzen Initiativen wie die Ruhrtriennale, Tanzlandschaft Ruhr oder Urbane Künste Ruhr mit ihrem Programm an.

Peggy Buth Leute wie Wir, 2017 (Film Still)

Unter der künstlerischen Leitung von Katja Aßmann ist Urbane Künste Ruhr 2012 als Weiterführung der im Kulturhauptstadtjahr 2010 begonnenen Programmsäule „Stadt der Möglichkeiten“ entstanden. Urbane Künste Ruhr versteht sich seitdem als dezentrale Institution für Gegenwartskunst im Ruhrgebiet und hat durch innovative Konzepte wie den „Truck Tracks Ruhr“ erfolgreich demonstriert, wie man Projekte im öffentlichen Raum realisiert, die lokale und internationale Akteure zusammenbringt, aber darüber hinaus auch die Ruhrgebietsstädte und ihre Menschen durch programmatische Vernetzung kontextuell miteinander verbindet und in einem neuen Verständnis zeigt. Mit der Berufung von Britta Peters als neue Künstlerische Leiterin soll Urbane Künste Ruhr als Institution mit neuen Impulsen weiterentwickelt werden. Die Kulturwissenschaftlerin Peters realisierte zuletzt im Team mit Kasper König und Marianne Wagner die Skulptur Projekte Münster 2017.
Zentrale Arbeitsfelder im 5-Jahres-Masterplan von Britta Peters sind das großes Ausstellungsprojekt „Ruhr Ding“, ein gemeinnütziger Fundus für das Ruhrgebiet nach dem Vorbild der Hanseatischen Materialverwaltung und unterschiedliche Künstlerresidenzen. Das Ruhr Ding wird jeweils im Frühjahr 2019, Herbst 2020 und Frühjahr 2022 mit je eigener thematischer Klammer stattfinden. Dann werden 15 bis 20 einzelne Kunstprojekte an verschiedenen Orten im Ruhrgebiet gezeigt. Der Prozess der Ausstellungsentwicklung wird aber bereits jetzt im Format des Wandersalons nachvollziehbar. Dort stellen Künstler/innen und –gruppen ihre Projekte und Arbeitsweisen vor und machen sie frühzeitig öffentlich. Eingeladen werden aber auch andere Spezialist/innen, Wissenschaftler/innen und Theoretiker/innen, die Interessantes zu berichten haben und deren Poesie, Ideen und kritische Überlegungen sich für eine öffentliche Diskussion eignen.
Zum ersten Ruhr Ding, das sich mit dem Verhältnis von „Identität und Territorien“ beschäftigt, wurde die Künstlerin Henrike Naumann eingeladen. Sie wird in der ersten großen Ausstellung im Frühjahr 2019 in Dortmund mit einer Installation im Außenraum vertreten sei. Im Wandersalon am 13. März berichtete sie über ihre künstlerische Arbeit, in der sie Video und Sound mit szenografischen Räumen kombiniert. Thematisch fokussiert sie in ihren Installationen die Alltagsrealität in Ostdeutschland nach 1989 sowie die Geschichte rechtsextremer Gewalt. Sie interessiert sich für die Mechanismen von Radikalisierung und ihre Zusammenhänge mit persönlicher Erfahrung und Jugendkultur. Unter dem Titel „2000“ ist derzeit die erste institutionelle Einzelausstellung Henrike Naumanns im Museum Abteiberg in Mönchengladbach zu sehen.
Zu den nächsten Terminen des Wandersalons zum Tehmenkomplex „Identität und Territorien“ sind u.a. der schottische Künstler Roderick Buchanan, die ungarische Dichterin Orsolya Kalász und der Musiker Andy Vazu, sowie die Künstlerin Peggy Buth eingeladen. Buchanan wird in der Fankneipe des Traditionsvereins Rot-Weiß Oberhausen seine Arbeit vorstellen, in der er das Format des Spiels immer wieder aufnimmt und variiert. Kalász und Vazul präsentieren in einem Essener Weinlokal eine experimentelle Mischung aus poetischer Lesung und Konzert. Im Juni wird die Künstlerin Peggy Buth im Wandersalon einige ihrer Videoarbeiten vorstellen. Peggy Buth steht in der Tradition einer kritischen dokumentarischen Kunst und erforscht den urbanen Raum als Ort, an dem sich Soziales und Ökonomisches überlagert und Einbeziehung oder Ausgrenzung von Menschen stattfindet.

Nächste Termine des Wandersalons:
18. April 2018, 19 Uhr: Roderick Buchanan (Schottland), Fankneipe von Rot-Weiß Oberhausen, Stadion Niederrhein, Lindnerstraße 2-6, 46149 Oberhausen
27. Mai 2018, 19 Uhr: Orsolya Kalász, Dichterin & Andy Vazul, Musiker (Deutschland/Ungarn), Weinlokal Le Chat Noir, Brigittastraße 22, 45130 Essen
6. Juni 2018, 18 Uhr: Peggy Buth, Künstlerin (Deutschland), Kino im U, Dortmunder U, Leonie-Reygers-Terrasse, 44137 Dortmund

Ausstellung (ergänzend): 11. März – 10. Juni 2018 Henrike Naumann, Museum Abteiberg, Mönchengladbach
© 01. April 2018  WESTZEIT ||| Text: Till Barz
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