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GOAT GIRL - Die Politik des täglichen Lebens

Goat Girl – das ist der neueste heiße Hype aus der aktuellen Londoner Szene – auch wenn das zunächst mal nur heißt, dass die vier Mädels (Lottie ‘Clottie Cream’, Ellie ‘L.E.D’, Naima Jelly und Rosy Bones) aus dem Bereich zwischen Peckham und Brixton stammen, wo zur Zeit mal wieder viel los ist. Mit anderen Acts aus der Gegend möchten sich die Damen dabei keineswegs vergleichen. Schon gar nicht wollen sie als die Speerspitze einer Bewegung gesehen werden, denn das ist ein ungeliebtes Thema, das ihnen von der britischen Musik-Presse gerne angedient wird.

„Richtig - das ist bloß ein Label, das uns faule Journalisten verpasst haben“, bestätigt das Lottie ausdrücklich, „wir sind einfach eine Band, die wegen ihrer Musik auffallen möchte. Die Szene in London ist sowieso so vielfältig und reichhaltig, dass es da keine Anführer oder so etwas geben kann. Jeder der Acts hat etwas für sich und wir möchten uns nicht mit anderen vergleichen.“

Fangen wir aber doch mal von vorne an. Auch wenn die Damen das vielleicht ga nicht mehr erklären wollen: Warum heißt die Band denn bloß „Goat Girl“?

„Das wollen wir nicht erklären“, meint Ellie kichernd – während sich Lottie dann doch zu einer Erklärung hinreißen lässt. „Das ist unsere Antwort auf dem Comedian Bill Hicks und seinen 'Goatboy'-Charakter“, erklärt sie mit Bezug auf den US-Komiker, der für seine anzüglichen und provozierenden Auftritte als Goatboy bekannt war, mit denen er regelmäßig aneckte.

„Hicks war ja mmer ein Provokateur“, führt Lottie aus, „und wir wollen die Tradition, auf eine humorvolle, anzügliche Weise mit unserer Musik und Texten zu provozieren und zum Nachdenken anzuregen. entsprechend fortsetzen.“

Das ist zumindest insofern erstaunlich, als dass Goat Girl von sich behaupten, überhaupt keine besonders politische Band zu sein und auch aus dem Umstand, dass hier halt vier Frauen zusammen eine Band bilden, keine besondere Bedeutung ableiten. Lottie erklärt das so:

„Wir sind zwar keine besonders politische Band; aber wir haben natürlich politische Kommentare – zum Beispiel über die Art von zwischenmenschlichen Beziehungen – die wir loswerden möchten. In diesem Sinn ist aber ja eigentlich alles, was man macht, politisch. Nicht bezogen auf die Regierung, sondern in Bezug auf die Entscheidungen, die Du und ich im täglichen Leben zu treffen haben, unsere Beziehungen und wie die Leute darauf reagieren. Das ist die Art Agenda von Agenda, die wir meinen.“

Auch die Musik des Quartetts ist nicht irgendwie Gender-spezifisch. Wichtig ist hingegen, dass hier wieder mal mit dem Format Gitarrenband experimentiert wird – und zwar auf eine recht originelle Weise, so dass am Ende etwas absolut Einzigartiges dabei steht. Ist das beabsichtigt oder geplant?

„Einzigartig? Wie meinst Du das?“ fragt Lottie, „ich weiß nicht, ob man absichtlich überhaupt etwas Einzigartiges erschaffen kann. Wenn überhaupt, dann passiert so etwas natürlich – abhängig davon, wo gerade Deine Gedanken sind, wenn Du einen Song schreibst. Wir sind allerdings stets sehr inspiriert von Zeug, das sich interessant und anders anhört. Das ist die Quelle, aus der heraus unsere Melodien und Gesangslinien gespeist werden. Wir überlegen uns, wie wir auf emotionale Weise Situationen erschaffen, in denen bestimmte Harmonien und Akkorde gut zueinanderpassen könnten.“

Und zu den Sachen, die Goat Girl inspirieren gehören so ungewöhnliche Sachen wie äthiopischer Jazz, Billie Holiday oder Folk-Fideln. Das wird dann alles sorgsam in einen wilden Schrammelpop-Indie-Rock-Mix gepackt. Wie kommt man denn auf die Idee so etwas miteinander zu kombinieren?

„Nun wir kombinieren es ja gar nicht“, meint Ellie, „aber die Musik, die man selber hört, findet ja doch irgendwie den Weg in die Art, in der Du selbst dann spielst – also abhängig vom jeweiligen Instrument.“

Wie dem auch sei: Goat Girl zeigen eindrucksvoll, was man auch heute noch musikalisch erreichen kann, wenn man mit offenen Ohren und einer Vision durchs Leben geht. Und das ist mehr, als man von manchen Kolleg(innen) sagen kann.

Aktuelles Album: Goat Girl (Beggars / Indigo)
© 01. April 2018  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer ||| Datenschutz
April 2018


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