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GREAT COLLAPSE vs RADIO HAVANNA - Punkrock mit Haltung

Radio Havanna aus Berlin begegnen der politischen Weltlage auf ihrem neuen Album ´Utopia´ mit Optimismus, sagt Gitarrist Oliver Arnold. Die Supergroup Great Collapse um Thomas Barnett hingegen schlägt auf ihrer neuen Platte ´Neither Washington Nor Moscow… Again´ frustriertere, kantige Töne an. In einem kurzen Gespräch tauschen sich die beiden Musiker über Punkrock mit Haltung und Donald Trump aus.

1. Thomas Barnett (Great Collapse): “Wie habt ihr entschieden, welche Art von Band Radio Havanna musikalisch und inhaltlich sein soll? Welche Einflüsse gab es in eurer Anfangszeit?”

Oliver Arnold (Radio Havanna): “Wir waren schon Schulfreunde, bevor wir ans Musikmachen dachten. Nachdem Bands wie Green Day, NOFX, The Offspring und Die Toten Hosen uns geflasht hatten, wollten wir selbst Musik machen. Mich persönlich haben vor allem textlich viele US-Bands wie die oben genannten beeinflusst, aber auch deutsche Bands wie Terrorgruppe und Wizo.”



2. Thomas: “Erzähl uns, welche Botschaft ihr mit eurem neuen Album Utopia verbreiten möchtet. Inwiefern haben sich die regionalen Geschehnisse der letzten Zeit auf eure Musik ausgewirkt?

Oliver: “Wir wollten auf keinen Fall klingen wie Nachrichtensprecher, die nur Missstände erzählen. Wir wollten positiv bleiben, weil Optimismus den Fortschritt antreibt. Aktuell haben uns die Trump-Regierung in den USA, aber auch die AfD hierzulande beeinflusst. Wir hoffen, dass wir die Leute auf Probleme aufmerksam machen können, ohne den Zeigefinger zu heben.”



3. Thomas: “Wie kam es, dass ihr Geld für die eure NGO ´Faust hoch´ und die Anwälte von Pussy Riot gesammelt habt, als sie im Gefängnis saßen?”

Oliver: “Es ist unglaublich toll, wie Pussy Riot sich in Russland gegen Sexismus und Homophobie einsetzen. Sie werden für ihre Taten verfolgt, gedemütigt und gefoltert, deshalb wollten wir helfen. Anti-Flag waren damals in Deutschland, also organisierten wir eine gemeinsame Show mit ihnen, Radio Havanna und Smile And Burn im Berliner Cassiopia. Alle Bands verzichteten auf ihre Gagen, so kam ein amtlicher Betrag zusammen.”



4. Thomas: “Was ist das Bedeutendste, das ihr bislang erreicht habt? Was plant ihr zukünftig in Sachen Fundraising und Hilfe für Non-Profit-Organisationen?”

Oliver: “Unsere eigene Kampagne ´Faust Hoch - Gegen die AfD´ zu gründen, war eine große Sache. Sie fungiert als Netzwerk und Forum für Musikschaffende und Kreative, das gegen die AfD einsteht. Das Projekt läuft gut, nach den leider desaströsen Wahlergebnissen soll unsere Arbeit noch intensiver weiterlaufen. Wir werden auf Festivals und Konzerten vertreten sein, um Besucher zu informieren und mit ihnen zu sprechen.





1. Oliver: “Donald Trump wurde im November 2016 zum Präsidenten gewählt. Wie nimmst du die Protestbewegung von damals bis heute war?”

Thomas: “Der Unterschied zwischen Wahrnehmung und Realität ist groß. Die Protestbewegung gegen Trump scheint für ein großes Gemeinschaftsgefühl zwischen verschiedenen Fraktionsgruppen und Identitäten zu sorgen. Ich nehme aber auch viele Taktiken und Bilder wahr, die radikale Kultur und DIY-Politik reflektieren und die Punk-Szene negativ beeinflussen.”



2. Oliver: “Wie denkst du über Trump-Wähler? Wissen sie, für welchen egozentrischen Clown sie gestimmt haben, oder geben sie sich mit einem „starken Mann“ an der Spitze ihres Landes zufrieden?”

Thomas: “Es ist schwer einzuschätzen. Die große Menge an Hass und Angst, die populäre Sender wie Fox und Breitbart in die Köpfe der Leute gespült haben, ergibt zusammen mit der Selbstselektion über Facebook und Co. ein Rezept für soziale Konditionierung, das keine historische Parallele kennt. Als weißer Arbeitnehmer halte ich es für eine generationsübergreifende Manipulation, die sich nun in vaterloser Wut manifestiert.”



3. Oliver: “Was bedeutet der Titel eures neuen Albums ´Neither Washington Nor Moscow… Again´?”

Thomas: “Der Titel ist ein Rück-ruf auf die internationale Bewegung des Kalten Krieges, und die damit verbundene Hoffnung, die Macht der Menschen über die Tyrannei und Manipulationen nationaler Oberhäupter zu stellen. We are fighting back, as all of life is fighting back. ´Neither Washington Nor Moscow´ ist außerdem der Titel eines großartigen Albums der UK Soulband The Redskins.”

4. Oliver: ”In eurem Song ´Pretty Wreckage´ singst du über persönliche Erfahrungen, die du während deiner Arbeit mit obdachlosen Menschen in Berkeley gesammelt hast. Was hat dich dazu motiviert, darüber zu schreiben?”

Thomas: “Ich habe versucht, die komplizierten Leben dieser Menschen und ihrer Tiergefährten zu reflektieren. Obwohl sie lebenslange Armut, Familientraumata, Einsamkeit, Verlassenheit und unbehandelte psychische Leiden erlitten, lebt in ihren Herzen noch immer viel Freundlichkeit und Liebe zur Freiheit. Ich denke, dass diese Geschichten erzählt werden müssen, und dass es diese Menschen verdienen, gehört zu werden.”

Aktuelle Alben: Great Collapse: Neither Washington Nor Moscow…

Again (End Hits Records)

Radio Havanna: Utopia (Dynamit Records)
© 01. März 2018  WESTZEIT ||| Text: Oliver Arnold / Thomas Barnett
März 2018

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