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AWOLNATION - It starts with loving it alone

Wenn ihr mal Awolnation-Sänger Aaron Bruno in einem Taxi befördert und er hält sich auf der Rückbank die Ohren zu: Macht das Radio aus! Oder genauer gesagt „den furchtbaren, giftigen Plastik-Pop-Song“, der auf keinen Fall in Aarons „Seele vordringen soll“. Aber! So streng? Nun ja, wer ehrlich ist, wird zugeben, dass er selbst in Herzensangelegenheiten wenig Kompromisse macht. Und Musik, das ist Aarons große Liebe (neben dem Surfen wohlgemerkt). Mit ´Here Come the Runts´ bringen der Kalifornier und seine Band jetzt das dritte Album heraus. Die Platte ist eine bewusste Abkehr von digital durchsetzter Musik und eine Hinwendung zum Rock´n´Roll früherer Zeiten – sagt Aaron.

Kameraleute, wichtig durch die Gegend schwirrende Menschen, denen die nächste Anweisung gerade durch das Headset ins Ohr gebrüllt wird. Andere wichtig dreinschauende Menschen, ohne entscheidende Funktion. Und ganz normale Gäste, die sich schwatzend die Zeit vertreiben bis zum großen Event. Im Wiener Supersense lädt das Label Red Bull Records an diesem Dezemberabend Fans und Journalisten ein, Awolnation live zu sehen. Das Mini-Konzert dient dazu, vor dem Publikum eine Vinyl-EP einzuspielen. ´Going Analog´ heißt die Reihe, die zuvor auch einmal die Fantastischen Vier absolvierten. Für Awolnation hat das Label heute extra ein paar glückliche Gewinner einfliegen lassen. Und die danken es ihnen. Begeistert feiern sie die Band auf der kleinen Bühne. Texte werden mitgesungen und Hände geklatscht. „Noch eine Zugabe!“ Äh, nein. Nach sechs Songs ist Schluss. Aaron Bruno und seine Jungs ziehen sich zurück.

Es waren lange acht Tage, die der Künstler in Europa verbracht hat. In einem Interview wenige Stunden vor dem Konzert sagte er selbstbewusst über die abendliche Herausforderung.

„Ich bin nicht nervös deswegen! Es geht nur darum, live für die Fans zu spielen. Sie haben sich auf neue Musik von uns gefreut und wir spielen die ersten beiden neuen Singles der Platte ´Passion´ und ´Seven Sticks of Dynamite´.”

Den letztgenannten Track hat Aaron kürzlich mit einem lustigen Barschlägerei-Video illustriert. Ein Dreh unter seiner Regie und mit all seinen Freunden in Malibu. Diesen Humor traut man Aaron auf den ersten Blick gar nicht zu. Er wirkt ernst, ein wenig erschöpft, starrt in leicht nach vorn gebeugter Sitzhaltung viel nach unten auf seine Hände. Das bunte Hawaiihemd bildet einen optischen Kontrast zu seiner zurück-genommenen Art.

„Ich lebe viel in meinem Kopf. Zu viel, wie es scheint. Die Leute sagen mir dauernd, ich soll aufhören, zu grübeln.“

Mit Gedanken-Akrobatik beschreibt er auch seine neue Platte, „die wie ein Baum ist, der am Tage surfen geht und am Abend in die Berge zurückkehrt, mit den Tieren des Waldes am Lagerfeuer sitzt und Musik macht.“

Im Original war die Geschichte noch wesentlich detailreicher. Aber jetzt ist es wichtiger, zu klären, was die Band nach den vergangenen Erfolgen, allen voran der Supersingle ´Sail´ (2010), für die neue Platte geplant hatte:

„Das Album versprüht den Spirit eines älteren rock´n´roll-lastigen Pop“, sagt Aaron. „Alternative Elektro-Pop-Musik geht mir nur noch auf die Nerven. Daher wollte ich auf meine Art eine Rock´n´ Roll-Platte machen. Es war wie ein Schritt zurück zu dem Zeitpunkt, als ich mich darin verliebt hatte, meine Gitarre zu spielen, Texte zu schreiben, die mir etwas bedeuten, Melodien zu komponieren, die mich etwas fühlen lassen. Ich finde, alles beginnt mit der Liebe für die Sache allein. Erst dann geht es darum, es anderen zu präsentieren. Ob Freude oder Hoffnung in dunklen Zeiten, die Platte fühlt sich gut an in einer ziemlich chaotischen Welt“, sagt er und lobt die Virtuosität seiner Bandmitglieder.

„Durch ihre Klasse wirken die Songs so plastisch und nahbar. Ich möchte damit dazu beitragen, Musik ein bisschen besser zu machen. Bei vielen fürchterlichen Plastik-Pop-Songs im Radio habe ich nämlich das Gefühl, es ist Musik gezielt für Leute, die keine Musik mögen. Ich aber liebe Musik.“

Aktuelles Album: Here Come The Runts (Red Bull Records / Sony)
© 01. Februar 2018  WESTZEIT ||| Text: Christine Stiller ||| Datenschutz
Februar 2018


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