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ARC IRIS - Zwischen den Welten

Als Jocie Adams 2011 ihr Solo-Debüt ´Bed Of Notions´ herausbrachte, wurde schon deutlich, dass sich die Multiinstrumentalistin und Sängerin in dem Indie-Folkpop-Projekt The Low Anthem, bei dem sie seit 2007 mitwirkte, nicht mehr so recht ausgelastet fühlte. Und so kam es, wie es zu erwarten war: 2013 verkündete Jocie ihren Austritt und überraschte dann 2014 zusammen mit Zach Tenorio Miller und Ray Belli mit ihrem neuen Projekt ´Arc Iris´ (Regenbogen) und einem musikalischen Programm, wie es die Welt noch nicht gehört hatte.

Denn hier war Schluss mit Folk & Co. Es wunderte nicht, dass die Band Musiker beschäftigte, die zuvor mit Acts wie Jethro Tull oder Yes gearbeitet hatten, denn plötzlich war so ziemlich alles möglich – und auf dem nun vorliegenden, zweiten Album ´Moon Saloon´ ist – Dank der Beiträge des Elektronik-Spezialisten David Wrench am Mischpult – sogar noch mehr möglich.

Wo ist denn eigentlich der besungene ´Moon-Saloon´?

„'Moon-Saloon' ist eher eine Metapher für einen Ort, von dem Du vielleicht träumst“, erläutert Jocie, „Deine perfekte Welt.“

Abgesehen davon, dass ´Moon-Saloon´ eine natürliche Progression vom letzten Werk darstellt (insbesondere in musikalischer Hinsicht) soll es laut Jocie darüber hinaus auch eine Katharsis darstellen – also eine heilende Reinigung im weitesten Sinne.

„Ja, genau“, bestätigt sie, „damit meine ich, dass wenn man sich durch dieses Album hört, es den Hörer auf eine Reise mitnimmt. Am Ende wird es dann auch ziemlich intensiv. Der letzte Song – eben 'Moon Saloon' – erlöst dich dann aus der Spannung, die vorher aufgebaut wurde und entführt dich in die Sphären des 'Moon Saloon'. Das Wichtige ist, dass, wenn man das ganze Album angehört hat, man an einem anderen Ort angekommen ist, als jenem, an dem man diese Reise begann. Man beginnt sozusagen auf der Erde und kommt dann auf einer Wolke an.“

Stellt das Album dabei eine Chronologie dar? „Ich würde es nicht direkt Chronologie nennen“, schränkt Jocie ein, „weil es gewissermaßen mehr ist. Ich stelle es mir so vor dass man die Emotionen durch die Musik erfühlt, wenn man sich das Album anhört. So wie auf einem Spaziergang.“

Und Jocie führt den Zuhörer dabei als Erzählerin durch die Geschichte?

„Na ja – vor allen Dingen sind die Texte ein Teil des Ganzen“, führt Jocie aus, „Texte zu schreiben kommt für mich aus der Folk-Tradition – es geht also um das Erzählen von Geschichten. Das ist die Art und Weise auf die ich gelernt habe, Songs zu lieben. Und das ist dann auch die Funktion von Texten für mich – wenn Du so willst.“

Die Songs entstanden dabei in der Abgeschiedenheit eine einsamen Landhauses – ohne Telefon und Fernsehen, wie Jocie sagt. Hatte das einen Einfluss auf die Songs selbst?

„Zumindest auf diesem Album ging es mir darum, den harschen Kontrast zwischen der Einsamkeit dort draußen und der ständigen Bombardierung mit 'Zeugs' im Alltagsleben herauszuarbeiten und zu thematisieren“, erklärt Jocie, „nun ist das so, dass keine dieser beiden Situationen den Idealzustand darstellt und ich denke auch nicht, dass jemals jemand von uns einen solchen perfekten Idealzustand erreichen wird.“

Ging es also darum, dieses in den Songs auszudrücken? „Mir ging es eher darum, darauf hinzuweisen. Das ist ja nichts, worüber man ständig nachdenkt. Man nimmt es ja so hin, dass man lebt, wie man lebt. Ich dachte aber, dass es doch zumindest mal wert wäre, ein Gedankenexperiment in der Richtung anzustellen, wie man einen Idealzustand erreichen könnte, bzw. wie dieser aussehen könnte.“

Womit wir dann wieder beim ´Moon Saloon´ angelangt wären. Letztlich demonstrieren Jocie Adams und ihre Musiker mit diesem Album eindrucksvoll, dass sich Komplexität, Vielseitigkeit, Verspieltheit und ein schlüssiges philosophisches Grundgerüst keineswegs ausschließen.

Aktuelles Album: Moon Saloon (Bella Union / pias / Cooperative) Vö: 19.08.
© 01. August 2016  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
August 2016

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