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GWLT - Harte Worte

Nicht erst seit gestern sind GWLT unterwegs, um eine gewisse Renaissance der guten alten Crossover-Traditionen zu wagen. Doch nicht nur die Mischung aus Sprechgesang und Hardcore ist es, die ein gehöriges Maß an Härte zu Tage trägt – vor allem fallen die sehr kompromisslosen und direkten Texte auf und rütteln wach – im positiven Sinne! In Zeiten von viel zu viel sinnloser Gewalt aller Ortens ist die kritische Auseinandersetzung mit der Materie angebrachter denn je – und eine aufrüttelnde Band wie GWLT auch ein gelungener Gegenpol. Oder sogar mehr als nur das?

Nach drei EPs und zahlreichen Touren setzt die Band nun aufs Langformat für den ersten großen Aufschlag. Und das war ein durchaus bewusster Schritt, wie Gitarrist Chris berichtet:

„Wir haben uns sehr früh dazu entschieden, eine große Anzahl an Demos anzufertigen, um allen Einflüssen den Raum zu schenken, den sie brauchten. Am Ende waren es ca. 40 Songs und wir haben uns erst danach überlegt, welche auf das Album kommen und welche nicht. Das Thema des Albums hat sich ganz von alleine ergeben. Die Dinge über die wir singen sind die Dinge, die uns auch tatsächlich beschäftigen.“

Womit wir bei Themen und Schlagwörtern wie Angst, Leid und Gewalt sind – ist da noch Platz für positive Aspekte?

„Sich gegenüber solch negativen Emotionen zu behaupten, ist der positive Aspekt. Wer unsere Texte genau liest, der merkt, dass wir zwar über negative Emotionen singen, die Texte an sich aber immer von einer Kampf-Situation handeln. Insbesondere die Leit-Motive ´Wut´, ´Furcht´ und ´Gewalt´ ziehen sich wie ein roter Faden durch das Album. Wir alle sind gefangen in diesem emotionalen Spannungsfeld und müssen uns jeden Tag aufs neue dagegen behaupten.“

Wer sich mit solchen Themen gehaltvoll auseinandersetzt, wird womöglich oft auch einfach missverstanden – womöglich gar als „gewaltverherrlichend“ o.ä. Ein Problem für die Band?

„Diese Gefühle gehen ja nicht weg, wenn man sie beschönigt oder ignoriert. Genau hier liegt das Problem – ein offener Umgang mit Themen wie Gewalt, Wut und Furcht ermöglicht es einem erst, diese Dinge zu reflektieren und offen und bewusst damit umzugehen. Das hat nichts mit Verherrlichung zu tun, ganz im Gegenteil: Unsere Texte handeln davon, wie schwierig es ist zu akzeptieren, dass diese Gefühle in uns stecken, dass sie uns immer wieder übermannen... Oftmals dann, wenn wir es am wenigsten gebrauchen können. Und dennoch muss man Wege finden, damit umzugehen.“

Ist Rap/Sprechgesang für GWLT eigentlich eher ein willkommener Kontrapunkt oder perfekter Begleiter zum ohnehin bestehenden musikalischen Kraftausdruck?

„Rap-Gesang kann genau wie Hardcore- oder Metal-Gesang extrem hart rüber kommen, oftmals sogar noch härter. Durch die hohe Wortverständlichkeit und die z.T. sehr schnelle Abfolge von Wörtern und Sätzen wird das ganze eher zu einer Symbiose mit der harten Musik. Wir haben ja auch einen reinen Rap-Song auf ´Stein & Eisen´ und für unser Empfinden ist das definitiv einer dunkelsten und härtesten Songs auf dem Album.“

Passend dazu wählte die Band für ihr aktuelles Video auch extreme Bildwelten. Warum wählte man solche eindeutigen Gesten, um den Song bildhaft zu untermauern?

„Die Aufgabe eines guten Musikvideos ist es, den Inhalt des Songs auf einer visuellen Ebene zu unterstützen. Explizite Lyrics fordern explizite Bilder. Wir machen unsere Musikvideos so, wie es sich für uns richtig anfühlt. Wenn verstanden wird, was wir sagen wollen: gut. Wenn nicht: auch gut.“

Auch die mannigfaltigen Konfliktpotentiale, die momentan weltweit herrschen, haben bei der Band Eindruck hinterlassen.

„Da gibt es ein massives Problem beim Thema Wertschätzung. Die Leute haben leider verlernt, die richtigen Dinge zu schätzen und zu bewahren. Anstatt sich seinen Mitmenschen, der Natur oder Tieren gegenüber angemessen zu verhalten, fokussieren sich zu viele Menschen auf schwachsinnige Werte wie Geld, Status oder den Ort, an dem sie zufällig geboren wurden.“

Aktuelles Album: Stein & Eisen (Arising Empire)
© 01. Februar 2016  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen ||| Foto: Martina Wörz
Februar 2016

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