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ANNA VON HAUSSWOLFF - Die wunderliche Suche nach der Quelle der Natur

Wer Musik macht wie Anna von Hausswolff, der braucht vermutlich einen ganz anderen Ansatz als konventionelle Songwriter, die einfach ihre eigenen Erlebnisse und Beobachtungen in Versform niederschreiben können. Denn schon auf ihrem ersten Album sang Anna „aus dem Grabe heraus“, legte dann mit der zweiten Scheibe eine um den Klang einer Kirchenorgel konstruierte, liturgische ´Zeremonie´ nach (die sich durchaus auch als musikalische Trauermusik gebrauchen ließ) und entschwebt nun, mit dem Album ´The Miraculous´ endgültig in mystische Welten, die so gar nicht mehr erdgebunden scheinen.

Was allen drei Werken gemeinsam ist, ist eine Art stimmungsmäßiger Morbidität, eine gewisse Atmosphäre der Gefahr aber auch eine faszinierend unterschwelliger Sinn für Schönheit. Wie entstand diese eigentümliche Klangwelt?

„Nun, nachdem ich das letzte Album 'Ceremony' veröffentlicht hatte, bin ich viel mit meiner Band getourt – was ich vorher noch nie gemacht hatte“, erinnert sich Anna, „dabei sind meine Musiker und ich natürlich immer besser geworden, haben voneinander gelernt und dieses ziemlich interessante Soundkonzept erarbeitet. Das wollte ich dieses Mal auch auf der Scheibe einfangen.“

Das erklärt das Ganze vielleicht technisch. Inhaltlich freilich braucht es da schon mehr Inspirations-Input. Das neue Werk ist dabei von drei Quellen beeinflusst: Zunächst ein Mal von dem mystischen Ort ´The Miraculous´ in den Wäldern Schwedens, den Anna seit ihrer Kindheit immer wieder besuchte.

„Ja, denn für mich steht dieser Ort für die Verschmelzung von Phantasie und Realität und dafür, beides nicht eindeutig auseinander halten zu können“, führt Anna aus, „denn dieser Ort beinhaltet sozusagen viele Geschichten – einige davon wahr und einige erfunden. Ich wuchs mit diesen Geschichten auf und konnte nie die wahren und erfundenen unterscheiden. Es ist im Rück blick eine Art von Historie, die unsicher zu sein scheint, die aber auch deine Vorstellungskraft anregt das Erfahrene in Bilder umzusetzen.“

Zwei weitere Inspirationen für das neue Material sind das Buch ´Källan´ (die ´Quelle´) von Walter Ljungquist und der Film ´Komm Und Sieh´ von Elem Klimov. In ´Källan´ geht es um Kinder, die auf der Suche nach einer mystischen Quelle des Lebens sind.

„Das Buch ist ein Roman, der sehr treffend die Aufregungen beschreibt, die diese Suche mit sich bringt“, schwärmt Anna, „all die Enttäuschungen, die Schwierigkeiten neugierig zu bleiben, sich in unerforschtes Territorium zu begeben, vielleicht nicht das zu finden, was man sucht, aber dennoch eine gewisse Erkenntnis und Wissen von dieser Suche mitzunehmen.“

Das heißt dann wohl, dass es bei Annas neuen Songs um die Suche als solche geht, oder?

„Absolut“, bestätigt Anna, „es geht um das Erforschen eines Ortes aus verschiedenen Blickwinkeln – immer mit der Unsicherheit, dass man sich nie sicher sein kann, ob das was man sieht real oder surreal ist. Wichtig ist, dass mir das Finden dabei nicht wichtig ist. Der Prozess des Suchens selbst ist für mich von Interesse.“

Und in ´Komm Und Sieh´ geht es - unter anderem - um das Eindringen des Menschen in die Natur; ein Thema das Anna auch am Herzen liegt.

„Ja, denn diese Natur – wie sie auch in 'Källan' beschrieben wird und wie sie im 'Miraculous' existiert, ist ja an sich schon mysteriös“, meint Anna hierzu, „man braucht dann gar keine Geschichten mehr, denn diese werden durch die Natur vorgegeben.“

Hier schließt sich dann der Kreis – für Anna. Am Ende bleibt dem Zuhörer wohl nur, Anna von Hausswolff am besten mit anderen Augen (und Ohren) zu betrachten, als man das bei konventionellen Songwritern tut.

Aktuelles Album: The Miraculous (City Slang)
© 01. November 2015  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer ||| Foto: Anders Nydam
November 2015

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