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BATTLES - Sag kein Wort

In Zeiten grenzenloser Kommunikation ziehen Battles alle Register und schweigen vom ersten bis zum letzten Track. Das neue, dritte Album ´La Di Da Di´ verzichtet durchweg auf Lyrics oder Texte und darf aus Sicht der Band als Anti-Statement verstanden werden: „Wir haben das nicht von jetzt auf gleich entschieden. Vielmehr entstand im Studio eine Dynamik, die diese Vorgehensweise erforderte und uns allen die Überzeugung gab, dass es der richtige Weg ist“, erklärt Drummer John Stanier und kann freilich kaum abschätzen, wie das Ergebnis bei den Leuten ankommt. Trotzdem gibt es eine Kleinigkeit, die ihn positiv stimmt – getreu dem Motto: Die Hoffnung aufs Happy End stirbt zuletzt.

Hast du die Kritiker erst einmal hinter dir, kommt der Rest von ganz alleine. Fast eine Bauernregel im Musikbusiness, denn wer hört Musik meist als erstes und informiert die Welt darüber? Richtig, es sind und bleiben die Journalisten und denen tun Battles anno 2015 keinen Gefallen.

Zwar unterstreichen sie mit ihrem neuen Album ´La Di Da Di´ den grundsätzlichen Charakter ihres Songwritings und präsentieren sich acht Jahre nach dem hochgelobten Debüt ´Mirrored´ als eigenwillige und unberechenbare Formation abseits des Mainstreams – damit ist der sprichwörtliche Drops aber längst nicht gelutscht.

„Wir sind uns der Gefahr bewusst, dass die neuen Songs kaum die nächsten Hits im Radio werden und obwohl dir alle empfehlen es genau darauf abzuzielen, war uns das völlig egal. Dafür gibt es schließlich genug andere Acts, also gingen wir das Risiko ein und sind sehr zufrieden damit.“

Resümiert John Stanier als hauptverantwortlicher Drummer ein Album der Band, dass nicht nur auf die Eingangs erwähnten Lyrics verzichtet, sondern abseits dessen jedes denkbare Experiment wagt: Mehr Raum für Ideen und vertrackte Songstrukturen wurde gelassen – mit Erfolg und Fortüne.

So wundert es kaum, dass sie den Titel ´La Di Da Di´ wählten, denn schnell gesprochen wirkt er weniger wie ein Satz als vielmehr wie eine Melodiefolge, was Stanier auch möchte:

„Das haben viele schon sehr gut kapiert und deswegen stimmen mich die ersten Reaktionen positiv.“

Der berühmte Ausspruch: ‚Don't judge a Book by its Cover’ bekommt im Sinne von Battles eine neue Bedeutung und wird mit anspruchsvollem Math-Rock, zickigen Keyboards und allerhand Loops und Samples vervollständigt. Darum geht es ihnen schlussendlich, meint der Gefragte selbstbewusst:

„In den Charts fanden wir eh nie statt und galten immer als Band, die beim Publikum aufgrund ihres recht eigen wirkenden Sounds auf Interesse stieß. Dieses Prinzip haben wir nun mit ‚La Di Da Di’ genommen und auf die Spitze getrieben. Das war es eigentlich an wichtigen Informationen, der Rest erklärt sich von selbst.“

Freut sich Stanier und erzählt, wie irritierend es für einige Journalisten an diesem Interviewtag war, Gespräche mit einer Band zu führen und eben nicht über die Inhalte der neuen Songs sinnieren zu können. Ein ‚Learning’ der etwas anderen Art und zugleich eine ungewöhnliche Begebenheit:

„Es gibt heutzutage Millionen-fach Statements – du kannst sie jederzeit loswerden. Deine Meinung ist überall gefragt und da muss ich doch sehr schmunzeln, dass wir fast antizyklisch die Klappe halten und gar nichts von uns geben. Was vielleicht ein wenig Verständnis mehr als sonst bedarf, aus unserer Sicht aber passt.“

Sich die Zeit dafür zu nehmen, lohnt in der Tat: Mit ´La Di Da Di´ präsentieren Battles eine konsequent andere Platte, mit der sie es sich hätten einfacher machen können. Für solch ein Wagnis gebührt ihnen zuallererst Respekt und wenn das Ergebnis dann noch so stimmig formuliert wird, auch jede Menge Applaus.

Der erste Schritt ist also gemacht. Den Rest können sie nicht beeinflussen – da müssen die Drei abwarten und wohl oder übel ihren Mund halten.

Kommunikation auch für Battles mal ganz anders.

Aktuelles Album: La Di Da Di (Warp / Rough Trade)
© 01. Oktober 2015  WESTZEIT ||| Text: Marcus Willfroth ||| Foto: Grant Cornett
Oktober 2015

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