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HAUDEGEN - Eine große Kleinigkeit

Aller guten Dinge sind Drei, sagt der Volksmund. Was der Volksmund sonst noch so sagt, und warum das dritte Haudegen-Album ein ´Lichtblick´ ist, diskutierte Hagen Stoll mit der Westzeit. Haudegen sehen sich als Überbringer der guten Nachricht in finsterer Zeit. So wird diesbezüglich nicht nur ´Haudegen´ Sven Gillert von seiner Plattenfirma zitiert, auch unser Gesprächspartner Hagen Stoll sieht das ähnlich. Stoll und Gillert lernten sich in der ehemaligen DDR kennen, als beide in der Grundschule die dritte bzw. die erste Klasse besuchten. Zwischenzeitlich verlor man sich aus den Augen. Stoll wurde einer der letzten Tischtennis-Meister in der DDR.

„Ich war der letzte Meister der AK 14, wurde sogar angefragt, ob ich Tischtennis-Profi werden wollte. Dortmund und Oberliga-Vereine aus Berlin meldeten sich. Ich habe das Werben um mich gar nicht so richtig wahrgenommen, war das erste Mal in ein Mädchen verliebt. Mit dem Kopf also nicht mehr auf der Platte.“

Dafür machte er auf Schall-Platte: Stoll sang im Chor zu Reinhard Meys ´Narrenschiff´ mit, tourte mit der Formation Family Affair, in der Joy Denalane mitspielte.

„Family Affair war eine Neo-Funk-Soul-Rap-Kombo. Mein Part war das rappen. Joy hatte den Soul – sie hat gesungen. Wir hatten circa zweieinhalb Jahre eine tolle Zeit. Spielten in Berliner Underground-Clubs, machten eine Schweden-Tour, spielten auf Jazz-Festivals.“

Später veröffentlichte er als `Joe Rilla´ Solo-Alben. 2014 kam (zwischen den Haudegen-CDs ´Schlicht & Ergreifend´, ´En Garde´ sowie dem neuen ´Lichtblick´) das ´richtige´ Solo-Debut ´Talismann´.

„Joe Rilla bediente ein komplett anderes Genre. Rap. Das war meine Kinderstube, der Sandkasten im Kindergarten. `Talismann´ war meine Meisterprüfung ganz allein. Ich habe dem Sprechgesang abgesagt.“

Stoll rechnet seinen ´Talismann´ stilistisch dem Blues, dem Folk zu. Während Haudegen sich eher im deutschen Hardrock ansiedeln lässt. Ein erster ´Lichtblick´ der harten Sorte war für Stoll jedoch erst einmal die Wiederherstellung seiner Gesundheit:

„Ich musste (im August 2015) stationär behandelt werden, hatte mich selbst eingewiesen, nachdem ich beim `Summer Breeze-Festival´ in Dinkelsbühl vermeintlich einen Wespen-Stich bekommen hatte. Doch es war kein Wespenstich, auch keine Hornisse – es war eine tennisballgroße Entzündung in der Nackenmuskulatur. Wieder gesund zu werden, war ein erster Lichtblick! Das neue Album ist ein Lichtblick nicht nur für uns, sondern für die Menschen da draußen. Ein Lichtblick über die Musik.“

Stoll erzählt davon, Stellung zu beziehen. Und wir nehmen ihn beim Wort – in Sachen Flüchtlingsstrom nach Deutschland:

„Die `Refugees Welcome´- Shirts finde ich gut, wenn sie nicht aus Kalkül getragen werden. Wenn es aus einer menschlichen Einstellung her passiert, und nicht, um einen Vorteil zu erhaschen. Wenn Menschen für Menschen sind, finde ich das immer gut. Jeder Mensch sollte hier Willkommen sein!“

Stört es den Künstler Hagen Stoll, dass, wenn man sich das neue Video ´Gib mir mein Problem zurück´ auf YouTube ansieht, andere Felder aufploppen, auf denen die subjektiv recht unkorrekte Band Frei.Wild gezeigt wird?

„Ich sehe das differenzierter. Sehe nicht nur die Spitze des Eisberges. Mir ist bewusst, dass Musik Geschmacksache bleibt. Das sich manche Leute z.B. auch Frei.Wild, Böhse Onkelz oder Silly anhören. Dass sie nicht nur Haudegen hören. Dass sie einen Narren gefressen haben an deutscher Musik. Auch ich habe genug Geschmäcker, mag englische und amerikanische Liedermacher und Rapsongs. Ich bekomme jedoch ein Problem damit, wenn genau diese Sachen mit einer politischen Einstellung vermischt werden. Wenn aus einem Musikgeschmack eine politische Einstellung werden soll, die mir nicht gefällt!“

Mann darf an etwas glauben, aber nicht allen. Wer sich eine eigene Meinung bilden möchte, sollte sich die ´Lichtblick´-Lieder ´Igor & Nassim´ und ´Freunde in der Not´ anhören.

„Die beiden Songs hängen definitiv zusammen!“

Danke für das sehr offene, ehrliche Interview.

Aktuelles Album: Lichtblick (Warner Music)
Weitere Infos: www.haudegen.com
© 01. Oktober 2015  WESTZEIT ||| Text: Ralf G. Poppe
Oktober 2015

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