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WANDA - Schwerenöter mit Wiener Schmäh

Vor einem Jahr veröffentlichte die 2012 gegründete Wiener Formation Wanda mit „Amore“ ihr Album-Debut. In Nullkommanix war sie der Liebling der Kritiker und des Feuilletons! Nun gibt es einen „Bussi“ zum Nachschlag. Und dieser „Bussi“ schlägt in die gleiche Kerbe wie der Vorgänger. Denn das neue Album war bereits in Teilen fertig, bevor der große Erfolg von „Amore“ überraschte.

Das bestätigt auch Wanda-Keyboarder Christian Hummer. „Zweidrittel von `Bussi´ haben wir zur gleichen Zeit aufgenommen, wie die Lieder von `Amore´. Zumindest die Grundgerüste davon. Ein Drittel der Songs ist im Laufe des letzten Jahres entstanden. Die endgültigen Aufnahmearbeiten sind in den letzten Monaten passiert, als wir noch etwas verändert haben, und so.“

Wanda ist derzeit total ausgebucht. Unser Interview muss sogar unterbrochen werden, weil ein TV-Sender das Quintett durch den Wiener Prater begleiten möchte. Wünscht sich die Band immer noch eine ´70er-Jahre-Glam-und-Koks-Karriere´? Hummer lacht:

„Das war wahrscheinlich ziemlich am Anfang. Vor unserer einjährigen Tour. Es ist gut möglich, dass wir das damals von uns gegeben haben. Ich glaube, jetzt wünschen wir uns alle einfach ein bisschen Ruhe! “

Auf besagter Tour gab es Auftritte mit dem Kraftklub, in deren Verlauf beide Bands miteinander den Ramones-Klassiker ´Blitzkrieg Bop´ performten.

Hummer: „Ja, genau. Als wir Kraftklub supporteten, war das eine Einlage während ihrer Shows. Richtig cool. Wir haben das mit zwei Schlagzeugern gespielt, eigentlich mit zweieinhalb. Unser Gitarrist (Manuel Christoph Poppe) hat noch zusätzlich auf die eine Tom (Trommel) geschlagen. Da es nach unserer Show war, wir eigentlich Feierabend hatten, waren wir dementsprechend betrunken.Aber unsere Shows spielen wir größtenteils nüchtern!“

Ist für Wanda nun der Status des Neo-Popstartums erreicht?

„Schwierige Frage. Wir haben sicher etwas erreicht. Ob es genau das ist, weiß ich nicht. Doch wir freuen uns sehr, dass wir mit dem, was wir machen, Erfolg und soviel Arbeit haben, dass wir uns nicht unnütz fühlen. Es ist sehr schön, in guter Regelmäßigkeit Leute sehr glücklich machen zu können.“

Euren Sänger Marco Michael Wanda hat früher die Musik von Rio Reiser glücklich gemacht. Jedenfalls soll das eine Inspiration gewesen sein...

Hummer: „Das war auf jeden Fall so. Marco hat das immer wieder erwähnt. Wir haben das auch gemeinsam gehört, als wir noch Zeit hatten, uns der Tourstress noch nicht überwältigt hatte. Als wir uns noch regelmäßig beieinander in den Wohnungen eingefunden haben, um Musik zu hören, da war Rio Reisers Musik auf jeden Fall dabei. Auch Ton Steine Scherben.“

Wie sah es aus mit österreichischer Musik?

„Ich muss ganz ehrlich gestehen, ich hab mich ganz wenig mit der österreichischen Musikszene beschäftigt, bevor ich nicht selber darin aktiv geworden bin. Ich habe klassische Musik und Jazz studiert, mich immer mit Rockpop beschäftigt, in Pop- und Rockbands gespielt. Es war aber nicht üblich, dass man sich mit österreichischer Musik beschäftigt. Es fängt jetzt erst an.“

Den eigenen neuen Song ´Kein Herz im Hirn´ hält Hummer dennoch für Austro-Pop. Er sagt, der Titel sei jener, den man am ehesten als Dialekt-Musik bezeichnen könne. Unserer Beschreibung ´Schwerenötiger Rock mit Wiener Schmäh´ kann er ebenfalls etwas abgewinnen. Das Video zur Single ´Bussi Baby´ sorgte bereits im August für eine mediale Kontroverse, weil darin die 23jährige Die Welt-Redakteurin Ronja von Rönne mitspielt, die sich als antifeministisch bekennt („Warum mich der Feminismus anekelt“ Zitat: „Feminismus klingt für mich ähnlich antiquiert wie das Wort Bandsalat. Ich habe einfach noch nie erlebt, dass Frausein ein Nachteil ist. In einem Land, in dem der mächtigste Mensch eine Vagina hat,...“).

„Das war eine zufällige Geschichte. Ronja ist bekennender Wanda-Fan. Sie hat unseren Manager getroffen, ihm gesagt, sie würde gerne mal etwas mit uns machen, uns kennen lernen. Zwei Wochen später hatten wir eine Video-Deadline, es hat uns noch eine Darstellerin gefehlt. Wir waren ziemlich ratlos, wen wir nehmen sollten. Dann kam von irgendwo her, dass sie sich gemeldet hatte. So haben wir sie angerufen. Es hat irrsinnig spontan funktioniert. Sie ist nach Wien gekommen, wir haben das Video gemacht.“

Wanda-lismus pur!

Aktuelles Album: Bussi (Vertigo / Capitol)
Weitere Infos: wandamusik.com
© 01. Oktober 2015  WESTZEIT ||| Text: Ralf G. Poppe ||| Foto: Florian Senekowitsch
Oktober 2015

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