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JENS LYSDAL - Der veränderte Blick

Manchmal legt man eine Platte auf und weiß sie sofort zuzuordnen. Im Falle des neuen Albums ´Easy Heart´ des Gitarristen Jens Lysdal ist das so. Der erste Takt erklingt und es klar: Americana-Musik. Dann hört man etwas länger und nichts ist mehr klar. Americana schon, aber nicht nur. Da schwingt noch etwas anderes mit, was diese musikalische Spielart zusätzlich mit Spannung auflädt.

Kopenhagen, Austin und zurück

Um sich diesem ´etwas anderen´ zu nähern, ist es sinnvoll, sich den Lebenslauf von Jens Lysdal mal anzuschauen. Er ist in Schweden als Kind dänischer Eltern geboren, hat als Kind in New Orleans gelebt, bis die Eltern wieder nach Dänemark ziehen. Das beeinflusst. Zumindest unbewusst. Und seitdem er professionell Gitarre spielt, hat er Berge von eigenen Sachen gemacht, aber auch als gefragter Instrumentalist, etwa an der The Pointer Sisters, Sérgio Mendes oder Donna Summer. Auch das prägt. Und wenn man jetzt liest, dass Jens Lysdal seine neue Platte im texanischen Austin aufgenommen hat, gibt es auch dazu vermutlich eine schöne Geschichte.

„Die dänischen Komponistenvereinigung initiierte einen Schreibaustausch mit Künstlern in Austin“, erklärt Jens Lysdal, „während der Laufzeit des Programms reisten alle zwei Wochen dänische Musiker nach Austin, komponierten dort mit Musikern vor Ort, traten gemeinsam auf und waren auch im Radio zu hören. Einer davon war ich.“

Es zieht häufig einen kreativen Schub nach sich, wenn ein Künstler seine gewohnte Umgebung verlässt. Wenn er seinen schöpferischen Blickwinkel verändert. Da macht Jens Lysdal keine Ausnahme.

„Es einfach so, wenn du den Ort wechselt und mit anderen, dir größtenteils unbekannten, aber illustren Musikern arbeitest, wirst du einerseits ganz anders gefordert“, weiß der dänische Gitarrist, „andererseits greifst du andere Themen auf und auch andere musikalische Stimmungen.“

Eine dieser Stimmungen ist nun mal die Americana-Stimmung, die hörbar durchgeschlagen hat.



Große Namen, große Wirkung

Was allerdings nicht verwundert, schaut man sich die Liste von Jens Lysdals Mitstreitern an. Auf der Besetzungsliste tauchen Namen auf, wie der Pedal Steel-Virtuose Greg Leisz, dessen Dienste schon Eric Clapton oder K.D. Lang zu schätzen wussten. Oder Bassist Glenn Fukunaga, der schon mit Bob Dylan und The Dixie Chicks musizierte. Zu nennen wären unbedingt noch Schlagwerker Danny Frankel und Saitenzauberer Tim O’Brien. Ersterer verdiente sich seine Sporen bei Ricky Lee Jones oder Marianne Faithfull , letzterer hat bereits mehr als zehn Soloalben mit dem Schwerpunkt Bluesgrass veröffentlicht.

„Solche großen Namen können eine große Wirkung auf die eingespielten Lieder haben“, blickt Jens Lysdal auf die Zusammenarbeit zurück, „aber nur, wenn du als Komponist sehr genau weißt, was du von ihnen willst. Schließlich geht es um meine Stücke. Die Balance im künstlerischen Austausch muss einfach stimmen.“

Und genau das hat Jens Lysdal auf ganz wunderbare Weise hinbekommen. Seine Stücke atmen in vollen Zügen den musikalischen Geist von Texas, also Country, Blue Grass, Ragtime und eben Americana. Doch der Künstler ist auch Skandinavier, der stets Melancholie im Gepäck hat. Eins der schönsten Beispiele dafür auf der Platte ist das Stück ´The Congress Rag´, das Jens Lysdal gemeinsam mit Tim O’Brien geschrieben hat. Darin begegnen sich die Weiten von Texas und die Weiten Skandinaviens. Beide bringen ihren jeweils völlig unterschiedlichen Charakter ins Lied. Und passen doch so gut zusammen.

Solch unterschiedliche Einflüsse bringt nur der so passend klingend auf den Punkt, der ein grandioses musikalisches Gespür hat. Und genau das zeichnet Jens Lysdal aus. Er weiß genau, wo er ein Solo setzt, wo er den Mitmusikern Raum überlässt und wo er seine Fähigkeiten voll ausspielt. Ein guter Musiker muss eben zunächst auch ein guter Zuhörer sein.

Aktuelles Album: Easy Heart (Continental Record Services/Divine Records / Broken Silence)
© 01. März 2015  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer
März 2015

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