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PAULA & KAROL - Irgendetwas mit Musik

Manchmal sind schon Geschichten spannend, wie Menschen sich überhaupt begegnen. Da muss dann noch gar keine Platte oder so im Spiel sein. Zu diesen besonderen Geschichten gehört zweifelsohne die, wie Paula und Karol sich begegnet sind.

Einmal Kanada und retour

Paula hat polnische Eltern, wird aber in Kanada geboren. Lebt später aber fünf Jahre in Polen, um wieder nach Kanada zurückzugehen und dann nach dem Studium in England erneut nach Polen zu kommen. Dort arbeitet sie für eine Nichtregierungsorganisation in Sachen nachhaltigen Konsums. Karol tut dies auch. Und dann gibt es da noch die gemeinsame Freundin Kasha, der Paula, erzählt, sie wolle jetzt etwas mit Musik machen. Kasha schlägt Karol vor, der zu dieser Zeit schon Bandkarrieren durch hat.

„Der Karol“, fragt Paula und genau der ist gemeint. So begegnen sich die beiden erneut, diesmal unter musikalischen Vorzeichen.

„Und es hat sofort Klick gemacht“, erinnert sich Paula, „und wir haben praktisch aus dem Stand heraus Lieder geschrieben.“

Dann geht es Schlag auf Schlag und aus dem wenig zielgerichteten Rumprobieren ist eine Band entstanden. Dazu gehören Christoph Thun an den Keyboards, Staschek Wróbel am Schlagzeug, Krzysieck Pozarowski am Bass und Szymon Najder an der Gitarre.

„Es war schon nach wenigen Takten, die wir zusammen spielten klar, dass bei Paula nicht darum ging, irgendwie im Backchor die Chorstimme zu geben“, nimmt Karol den Gesprächsfaden auf, „sie musste mit ihrer Stimme und ihrer einnehmenden Persönlichkeit an die Bühnenfront. Und vor allen Dingen, sie konnte fantastische Stücke schreiben.“

Erfreulicherweise gibt es auch von Beginn an keinerlei Ego-Kämpfe. Alles vollzieht absolut organisch.



Von der Folklore geküsst

Oft stellt bei Bandneugründungen die große Frage, wie die Formation denn überhaupt klingen will?

„Diese Frage stellte sich bei uns überhaupt nicht“, lacht Paula, „wir waren sofort auf diesem von Folklore geküssten Klangweg. Und zwar gemeinsam!“

Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit musste auch sofort der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

„Das war zunächst der engere Freundeskreis, der als Öffentlichkeit herhalten musste“, sagt Karol, „aber ganz schnell setzte sich unsere Musik auch in den Clubs durch.“

Der Hintergrund für die schnelle Verbreitung der Klänge von Paula & Karol mag auch daran liegen, dass es bis dahin in Polen nichts Vergleichbares gibt. Indie-Folk, der ja in anderen Ländern eine große Renaissance erlebt, ist in Polen komplett unbekannt.

„So standen wir mit etwas absolut Frischem in den Startlöchern, hatten allerdings keine Lust darauf, nur Polen damit zu beglücken. Das wäre uns zu wenig gewesen“, erklärt Karol. Zu diesem Zeitpunkt macht das sehr aktive polnische Musikexportbüro von sich reden. Von ihm unterstützt finden sich Paula & Karol auf Tournee durch Deutschland, England und Kanada wieder. Auch ein Auftritt beim wohl wichtigsten Branchenfestival South by Southwest (SXSW) im texanischen Austin wird eingetütet. Und bleibt für die aktuelle Platte „Heartwash“ kreativ nicht folgenlos; denn sie treffen dort auf den Produzenten Ryan Hadlock. Er hat bisher ein großartiges Händchen für Indie-Folk bewiesen und zählt beispielsweise The Lumineers zu seinen Kunden.



Mit Crowdfunding zum Superproduzenten

„Doch einen Ryan Hadlock kriegst du nicht für kleines Geld“, weiß Paula, „auch dann nicht, wenn wir den Trumpf ausspielen konnten, dass er eine polnische Frau hat, der unsere Musik total gefile. Also griffen wir zum aktuellen Zaubermittel, wenn Geld fehlt, zum Crowdfunding.“

Da funktioniert letztendlich und so kann der Scheck ausgestellt werden, der dafür sorgt, dass Ryan Hadlock in den Flieger nach Warschau steigt, um das Album „Heartwash“ zu produzieren. Und das eingesetzte Geld hat sich unbedingt gelohnt. Ryan Hadlock hat es geschafft, die Live-Energie von Paula & Karol genau so auf Platte zu bannen, wie ihre Melodieversessenheit. Dabei spielt es keine Rolle, ob er sich um die opulenten Stücke kümmert oder um die reduzierten Balladen. Allem gibt er -neben der Energie- ein sympathische Wärme mit auf dem Weg. Eine, die nicht nur auf eine eng umgrenzte Zielgruppe gerichtet ist, sondern eine, die die Großmutter genau so anspricht, wie ihren Enkel. Wer kann das schon von sich und seiner Musik behaupten?

Aktuelles Album: Heartwash (Delikatess Tonträger / Broken Silence)
© 01. Oktober 2014  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer
Oktober 2014

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