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CATS ON TREES - Der Blick von oben

Katzen auf Bäumen sind ja schon recht spezielle Kreaturen. Man sagt Katzen gemeinhin eine gewisse Eigenwilligkeit und Charakterstärke nach. Wenn sie denn auf Bäumen sitzen, dann kommt noch eine Portion Abenteuerlust und Neugier hinzu. Von einem Baum aus lässt sich die Welt ja auch recht gut im Auge behalten und letztlich setzt man sich so ja auch von anderen ab und Neider und andere Feinde kommen so leicht auch nicht nach. Kurzum: Das ist in etwa auch das Prinzip, nach dem Nina Goern und Yohan Hennequin verfahren.

Nina und Yohan sind Cats On Trees, ein englischsprachig agierendes Piano-Power-Pop-Duo aus Toulouse, das musikalisch so gar nichts von dem verspielten Eklektizismus der französischen Metropole Paris hat, sondern sich vielmehr den Tugenden der intelligent gemachten, organischen Popmusik verschrieben hat. In Frankreich rannten sie mit diesem Konzept offensichtlich offene Türen ein, denn das Debütalbum schoss – angeführt von der ersten Single ´Siren's Call´ gleich in die Charts und seit der Veröffentlichung sind Cats On Trees nahezu pausenlos auf den Bühnen der Grande Nation unterwegs – weswegen die Veröffentlichung bei uns mehrfach verschoben werden musste. Wie sehen denn Cats On Trees selber die Sache mit dem ´Katzen-Namen´?

„Weißt Du: Wir entdecken jeden Tag neue Bedeutungen in dem Namen“, führt Yohan Hennequin aus. „Katzen in Bäumen sind z. B. wie Blätter. Das ist irgendwie auch poetisch. Es drückt auch aus, dass wir nicht nur auf das reale Leben bezogen sind, sondern auch von der Phantasie und Vorstellungskraft zehren. Wie z. B. die Katze in Alice In Wonderland. Und überhaupt sind Katzen ja ziemlich freie Tiere. Katzen können dich immer wieder durch das, was sie tun überraschen. Katzen beobachten ja auch immer alles und scheinen eine Meinung zu haben.“

Musikalisch lassen sich Cats On Trees auf dem Album von einigen Freunden unterstützen und ließen sich von Albin de la Simon auch einige opulente Streicherarrangements dazu komponieren – im Grunde geht es bei Cats On Trees aber um die magische Zusammenarbeit von Nina und Yohan, die sogar live am liebsten einfach als Duo auftreten.

„Wir musizieren beide schon seit wir Kinder sind“, bestätigt Yohan diesen Eindruck, „Nina und ich spielen unsere Instrumente seit Jahren und wir haben beide eine große Leidenschaft für die Musik. Was wir erreicht haben, haben wir aber eben zusammen erreicht und das ist das, was uns antreibt. Wir arbeiten jeden Tag gemeinsam an neuen Songs und haben immer ein Notizbuch mit neuen Ideen bei uns. Und wir arbeiten ständig an neuen Projekten. Zur Zeit überlegen wir zum Beispiel, wie wir unsere Musik mit Bildern in Einklang bringen können. Wir haben noch so viel gemeinsam vor, dass dieses Album für uns nur der Anfang sein kann.“

Das Ganze hat sich Step by Step entwickelt: Nina und Yohan trafen sich bereits 2007, kurz nach der Schulzeit und entwickelten dann – nachdem sie zunächst in anderen Bands zusammen gearbeitet hatten - das Duo-Konzept und den heute typischen, organischen, poppigen Stilmix.

„Ja, aber das war ein natürlicher Prozess für uns“, meint Yohan, „wenn ich z. B. Akkordeon spielen würde, dann wären wir heute ein Akkordeon/Piano-Duo. Wobei allerdings auch der Zufall eine Rolle spielte. Anfangs wollten wir als Elektronik-Band anfangen. Als wir bei einem Event in Toulouse zu viel Equipment anschleppten, knallte der Generator durch und zerstörte mein elektronisches Equipment. Ich musste also mit den Drums improvisieren und das gefiel uns so gut, dass wir beschlossen, dabei zu bleiben.“

Gerade für ein französisches Projekt überrascht dann der intelligente, souveräne und poetische Umgang mit der englischen Sprache. Während Yohan zwar fließend und eloquent englisch spricht, ist durchaus ein schwerer, französischer Akzent zu vernehmen, der indes bei dem von Nina vorgetragenen Gesang kaum noch vorhanden ist. Vielmehr nutzen Cats On Trees die Sprache auf eleganten und poetischen Art – bis hin zu Wortspielereien, Metaphern und Aphorismen.

„Sprache ist sehr wichtig für uns. Wir bemühen uns, auch im Englischen bedeutungsvolle Dinge zu sagen“, erklärt Yohan, „Es ist dabei wichtig, darauf zu achten, dass der Zuhörer dabei nicht den Bezug verliert. Deswegen verwenden wir Bilder und Begriffe, um etwas auszudrücken.“

Das bedeutet dann, dass die Texte einen über den Augenschein hinausgehenden Inhalt haben, oder?

„Ja, der 'Tikiboy' ist z. B. bei uns der Superheld, der in uns allen steckt – einer ohne Superkräfte, der nicht fliegen kann, der aber gut für die Leute um ihn herum ist. 'Wichita' ist nicht einfach nur ein Name, der gut klingt, sondern beinhaltet eine Geschichte: Wir hatten die Möglichkeit, in Russland aufzutreten und war sehr überrascht, als ich gebeten wurde, einen russischen Pass zu signieren. Der Typ, der mich darum bat, meinte nur, dass es egal ist, was in seinem Pass stünde, da er sowieso niemals die Möglichkeit hätte, hinzufahren, wo er wolle. Das kam mir, als jemand aus Europa, der hinreisen kann, wo er will, seltsam vor. Jeder sollte schließlich die Möglichkeit haben, hinzugehen, wo er will. In unserem Song 'Wichita' geht es also darum, dass man niemanden von etwas ausschließen sollte. Jeder hat das Recht zu sein, wer immer er sein möchte.“

Cats On Trees gelingt es somit, ihren hochmelodischen, geradezu unverschämt eingängigen Songs noch eine zusätzliche Dimension zu verleihen, die weit über das hinausgeht, was man gemeinhin von Popmusik erwartet. Somit machen Nina und Yohan ihrem Namen im übertragenen Sinne tatsächlich alle Ehre.

Aktuelles Album: Cats On Trees (Tôt ou tard-VF Musiques/Four Music/Sony)
© 02. September 2014  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer ||| Foto: Ana Bloom
September 2014

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