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SON LUX - Malen mit der Klangpalette

Schiebt man ´Lanterns´, die neue Platte von Ryan Lott aka Son Lux, in den Schacht des CD-Players, sollte man sich ganz in Ruhe zurücklehnen und auf höchsten Genuss eingestellt sein. Die Musik von Ryan Lott schreit geradezu nach einem Glas bestem Rotwein (und wer raucht, sollte jetzt nicht an Zigaretten denken, da muss schon eine gute Zigarre her). Zart und spröde ist die Basis gesponnen, doch nie zerbrechlich, sondern wie aus nicht zerreißbaren Fäden. Darauf federt dann jede weitere einzelne Note hoch und diese vereinigen sich dann zu einer komplex sinfonischen, massiv energetischen Klangwand. Opulent und satt. Und die Noten vereinigen sich zu Popstücken und gleichzeitig sind sie es auch wieder nicht, weil sie ständig changieren, wie ein Kaleidoskop.

Der rohe, nackte Klang

Wenn Ryan Lott sich an die Stückarbeit macht, unterscheidet sie sich grundlegend von den gängigen Herangehensweisen.

„Ich beginne eher wie ein Klangforscher, ich suche nach dem nackten, rohen Klang – einfach so, wie er ist“, erklärt Ryan Lott, „dazu löse ich die Harmonien, die Akkorde oder die Melodien aus dem ursprünglichen Klangkontext, in dem sie entstanden sind.“

So bestellt er Musiker in sein Studio - etwa einen Flötisten - und lässt ihn spielen. Einfach so. Was ihm gerade einfällt. Die einzige Begleitmusik ist das Metronom. Alles wird aufgenommen. Dann ist der nächste dran - vielleicht ein Gitarrist. Und so weiter und so fort. Die Musiker wissen nicht, was Ryan Lott mit den eingespielten Ergebnissen anstellt. So entsteht eine üppige Klangpalette mit Klangfarben, mit der Ryan Lott malen kann.

„Der nächste Schritt, um mit den Bergen von Material, die irgendwann angehäuft sind, umzugehen, ist ein Regelwerk der Selbstbegrenzung, das ich mir auferlege“, fährt er fort, „eins, das im weiteren Verlauf der Arbeit am Stück keinesfalls gebrochen werden darf.“

Die Begrenzungen können so vielfältig sein, wie die Möglichkeiten, die das Denken dazu ausspuckt. Innerhalb der Logik der Regeln bewegt sich Ryan Lott intuitiv und kommt so zu kreativen Punkten, zu denen er nie gelangt wäre, hätte er sich des klassischen Schemas des Komponierens bedient.

 

Der Weg durch den Rechner

 All’ dieses Klangmaterial jagt Ryan Lott dann durch seinen Rechner. Schichtet die Klangflächen übereinander. Auch zu diesem Zeitpunkt gibt es noch kein klares Stückkonzept.

„Es ist noch nicht da, aber es ist im Werden“, klärt Ryan Lott auf, „mit jedem weiteren kreativen Schritt entsteht die Idee eines Stückes, die ich dann oft Monate, manchmal Jahre mit mir herumtrage, bevor sie so klarer wird. Schließlich will ich sie mit dem aufgenommenem Material deckungsgleich machen. Dabei verändert dieser Prozess möglicherweise die grundlegende Idee auch wieder Und damit das intendierte Stück. Wobei ich nach Prinzip arbeite, dass das Stück schon weiß, was es braucht und was nicht.“

Ryan Lott ist stets voller Neugier auf der Suche nach dem Punkt, an dem die musikalische Magie entsteht. Ist er dort angekommen, dann erst wird der Text. Und zwar so, wie ihn die Klänge provozieren. Nach und nach lösen die selbst gewählten Regeln in Wohlgefallen auf; denn das Lied übernimmt die Führung, ganz im Sinne Michelangelos, der damals schon wusste, die Skulptur steckt bereits im. Stein, man muss sie nur aus ihm befreien.

Mit jedem neuen Stück zeigt sich Ryan Lott, wie man wie man aus einer theoretischen Möglichkeit ein Werk schaffen kann, wie man es aus dem eng begrenzten Raum der selbst gewählten Limitation in die große Weite der musikalischen Unendlichkeit führen kann. Diese Unendlichkeit kennt keine Genres mehr – seine formale Spannweite reicht von Hip Hop bis zu Kammermusik. Und  genau darin liegt für den Hörer das grandiose Entdeckungspotential des musikalischen Schaffens von Ryan Lott aka Son Lux.

Aktuelles Album: Lanterns (Joyful Noise / Cargo Records)
© 01. Dezember 2013  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer
Dezember 2013

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