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SAMSARA BLUES EXPERIMENT - Struktur mit Freiraum

Immer häufiger beschäftigen sich auch junge Bands mit Perioden der Rockgeschichte und entdecken sie für sich neu. Die Berliner Band Samsara Blues Experiment kümmert sich gleich um drei historische Erscheinungen, den Blues, Doom und den progressiven Rock. Sänger und Gitarrist Christian Peters, Gitarrist Hans Eiselt, Bassist Richard Behrens und Schlagzeuger Thomas Vedder tauchen auch auf dem aktuellen Album wieder in die Welt des üppigen Klangs ein, der auch üppige Stücklängen erfordert. Unter zwölf Minuten tun es Samsara Blues Experiment definitiv nicht.

Erforschung epischer Weiten

Interessant ist natürlich zu sehen, wie solche Großwerke entstehen.

„Wir haben mit ‚Waiting For The Flood’ -unserem nunmehr dritten Album - den Pfad des reinen Jammens im Proberaum verlassen“, erklärt Richard Behrens den veränderten Arbeitsansatz der Truppe, „bevor wir jetzt an den Stücken arbeiten, haben sie zumindest einen Rahmen und damit eine Richtung. Wir proben dann innerhalb dieser Struktur und entwickeln mithilfe moderner Improvisation das Stück.“

Wer Samsara Blues Experiment zuhört, merkt schnell, hier sind Bewahrer einer wie auch immer gearteten historischen Wahrheit am Werke. Hier geht eine Band ganz eigene Wege. Schließlich kommt es immer darauf an, welche kreativen Entscheidungen getroffen werden.

„Wenn du ernsthaft kreative Spuren hinterlassen willst und genau das wollen wir, dann wird es dir nicht helfen, immer nur zurück zu blicken“, stellt Richard Behrens klar, “dann muss dein Blick sich immer auch in die Zukunft richten.“

Und das tun bei Samsara Blues Experiment alle Beteiligten. Daher werden die angesprochenen Rahmen auch von allen Musikern entwickelt. Damit ist eine Vielfalt gewährleistet, die sofort hörbar ist und den Klangwänden der Berliner ihre Spannung verleiht.



International ausgerichtet

Meist richtet der, der seinen Blick kreativ in die Zukunft richtet ihn auch weit über den heimischen Tellerrand hinaus. In dieser Hinsicht können Samsara Blues Experiment geradezu als Vorzeigeobjekt gelten. Sie sind nicht in flächendeckend in Europa unterwegs, sondern haben bereits die USA beglückt und werden im kommenden Jahr Lateinamerika erobern.

„Diese Einladungen haben wir ausschließlich unserer Musik zu verdanken“, sagt Richard Behrens, „wir vermarkten sie ganz bewusst offensiv im Internet. So werden die Leute auf uns aufmerksam und laden uns ein. Da wir alle noch Brotjobs haben, müssen wir unsere Tourneeperioden sehr genau planen und organisieren. Zur Not muss auch mal unbezahlter Urlaub her.“

Diese Erfolge liegen einfach in der unbändigen Leidenschaft begründet, mit der die Band jede einzelne Note anreichert.

„Das selbst gewählte Gegenspiel von Struktur und Freiraum garantiert einfach organische Intensität und Originalität“, fügt Richard Behrens an. Die Musiker fordern sich gegenseitig, durch schwebende Gitarrensoli, durch Parforceritte durch epische Riffs oder ein Feuerwerk derb treibender Basslinien und ein äußerst komplex, drängendes Schlagzeug. Über allem schwingt sich ein Gesangspart auf, dessen Refrains eindringlicher nicht sein könnten.



Es kann abschließend gar nicht genug betont werden, mit welcher Sicherheit es Samsara Blues Experiment verstehen, Klangkosmen zusammen zu bringen, bei denen es theoretisch schwerfällt zu glauben, sie gingen jemals zusammen. Der Berliner Band gelingt dies mit einer Leichtigkeit und einer Souveränität, die ihresgleichen sucht. Dabei sind Blues und progressiver Rock das tragfähige Fundament, auf das Stoner Rock, Psychedelic Rock und auch folkloristische Einflüsse oder indische Raga-Strukturen, stets dem Gesamtstück dienend, geschichtet werden. Samsara Blues Experiment lassen so Musik erklingen, die wie ein Trip daher kommt, ohne dass dafür bewusstseinserweiternde Drogen notwendig wären.

Aktuelles Album: Waiting For The Flood (Electric Magic / World In Sound / RTD)
© 01. Dezember 2013  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer
Dezember 2013

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