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MINOR ALPS - Wege zum Glück?

Platten, die aus reiner Freude an der Musik entstehen, werden in Zeiten der stagnierenden Albumverkäufe immer seltener. Natürlich, es gibt Kellerbands und Feierabendmusiker, aber zwei gestandene Profis, die seit rund 20 Jahren aus dem US-Indierock-Kosmos nicht mehr wegzudenken sind, die einfach mal so eine gemeinsame Platte aufnehmen, weil sie sich gegenseitig schätzen? Eigentlich undenkbar! Juliana Hatfield (einst Frontfrau der Blake Babies, Teilzeit-Bassistin der Lemonheads und viel geliebte Solistin) und Matthew Caws (Sänger und Gitarrist der großartigen Nada Surf) haben es trotzdem getan. ´Get There´ heißt ihr Debüt als Minor Alps.

"Es war nicht besonders teuer, die Platte aufzunehmen, sie hat mein Leben also nicht auf wackelige Füße gestellt", lacht Matthew im Westzeit-Interview.

“Ich muss allerdings auch gestehen, dass ich in solchen Dingen nicht besonders praktisch veranlagt bin. Wenn ich das wäre, hätte ich sicherlich im Laufe meines Lebens so einiges anders gemacht.”

Zum Glück für uns folgt Matthew allerdings auch weiterhin lieber seinen musikalischen Instinkten - und die führten ihn geradewegs zu Juliana.

“Ich war ein großer Fan der Blake Babies und ganz besonders ihres Albums ´Sunburn´", verrät er. "Seitdem habe ich Julianas Tun verfolgt.”

Zu einer ersten Kollaboration der beiden Indierock-Helden kam es bereits 2008, als Matthew gemeinsam mit Juliana den Song ´Such A Beautiful Girl´ auf ihrem Album ´How To Walk Away´ sang.

“Ich dachte bereits damals: 'Wow, sie ist wirklich eine Selenverwandte'”, sagt der inzwischen im englischen Cambridge heimische Nada-Surf-Frontmann mit Blick auf die besondere Stimmung, die damals im Tonstudio herrschte. Weitere gegenseitige Gastauftritte folgten, doch erst dieses Jahr öffnete sich ein Zeitfenster, das es den beiden erlaubte, endlich ein gemeinsames Album in Angriff zu nehmen.

“Das Tolle an diesem Projekt war, dass wir vollkommen identische Aufgaben hatten”, sagt Matthew über den Entstehungsprozess. “So konnten wir gewissermaßen zum Lektor des jeweils anderen werden, was viel leichter ist, als diese Aufgabe bei den eigenen Sachen selbst zu übernehmen. Ohne fremde Hilfe haust du, wenn du einen schlechten Tag hast, womöglich viele gute Ideen in die Tonne, während du, wenn es dir blendend geht, vielleicht ein paar Schnitzer durchwinkst. Wenn du dich mit dem Zeug von jemand anders auseinandersetzt, ist deine persönliche Stimmung weniger entscheidend. Nach einer Weile haben wir uns gegenseitig vollkommen vertraut!”

Zeilen wie ´The couch is an island/A desert oasis/The room is a spaceship/And you´re an undiscovered planet´ unterstreichen zwar, dass sie textlich von ihren anderen Werken bekannte Themen aufgreifen, dennoch ist ´Get There´ keinesfalls ein bloßer Abklatsch der sonstigen Ergüsse von Juliana und Matthew. Musikalisch entpuppt sich das mit intimer Atmosphäre glänzende Album über weite Strecken als betont relaxtes DIY-Projekt zweier Musiker, die nicht nur gesanglich perfekt harmonieren, sondern auch abseits der Musik viele Gemeinsamkeiten haben.

“Die Vermutung, dass wir uns auch menschlich ähnlich sind, wurde schnell bestätigt”, nickt Matthew. “Das konnte man ja gewissermaßen schon aus unserer Musik ableiten. Die Texte, die wir in der Vergangenheit geschrieben haben, aber auch die Melodien, die wir verwendet haben, deuten auf Menschen hin, die nicht besonders glücklich sind, es aber gerne sein möchten, sprich, die nicht in Selbstmitleid baden.”

Obwohl in den kommenden Monaten zunächst ein weiteres Nada-Surf-Album und Julianas nächstes Solowerk Priorität genießen, scheint inzwischen sogar eine Fortsetzung des gemeinsamen Projekts zumindest denkbar, wie Matthew abschließend bestätigt: “Minor Alps haben so etwas wie eine Bandidentität entwickelt und ich bin gespannt, ob Juliana und ich irgendwann im kommenden Jahr einen Song schreiben werden und denken: ´Moment mal, der wäre ideal für Minor Alps!´”

Aktuelles Album: Get There (Ye Olde Records/ The Orchard / Alive)
© 01. Dezember 2013  WESTZEIT ||| Text: Carsten Wohlfeld ||| Foto: Brad Walsh
Dezember 2013

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