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THE HEAD AND THE HEART - Das Quäntchen Anderssein

Sie haben in Seattle an Straßenecken gespielt, auch Kneipenpodien waren lange Zeit ihr Zuhause. „Das ist eine harte Schule“, stellt Sänger und Gitarrist Jonathan Russell klar, „aber definitiv nicht die schlechteste. Wir lernten, uns durchzubeißen und die Stücke so zu schreiben, dass sie die Passanten aus dem Stand fesselten. Zudem ist die Straße ein Fundort für schillernde Geschichten.“

Sich Lieder von der Seele singen

Doch bevor The Head And The Heat auf der Straße Geschichten fanden, mussten sie sich erst mal selber finden. Jonathan Russell und der andere Sänger und Gitarrist, Josiah Johnson, sind Zugezogene. Und vielleicht ist es ja wirklich so, dass sich Fremde in der Stadt gegenseitig erkennen? Jedenfalls begegnen sie sich zuerst und ziehen die Geigerin und Sängerin Charity Rose Thielen, den Bassisten Chris Zasche, den Pianisten Kenny Hensley und den Schlagzeuger Tyler Williams an, wie Motten das Licht. Schnell finden sie heraus, dass ihrer Art und Weise Stücke zu schreiben eine identische Philosophie zugrunde liegt.

„Wenn jemand von uns anfängt ein Stück zu schreiben, baut die dort erzählte Geschichte immer auf einer ganz konkreten Erfahrung oder einem tatsächlichen Gefühl auf“, führt Charity Rose Thielen aus, „dabei handelt es sich nicht um etwas, was du sagen willst, sondern um etwas, was du sagen musst! Ein Lied, das du dir von der Seele singen musst, weil für den Inhalt keinen anderen Weg nach draußen gibt, als das Lied. Das betrifft häufig auch Sachen, die du im richtigen Leben nie einfach so sagen würdest, aber als Geschichte eines Liedes ist es dir möglich.“

Bei The Head And The Heart trägt jeder der Mitwirkenden etwas zum großen Ganzen bei.

„Und zwar genau das Quäntchen Anderssein, das vom Rest der Band bisher nicht in das Stück getragen wurde“, sagt Jonathan Russell, „das hängt natürlich auch damit zusammen, das jeder von uns Musik hört, die dem anderen fremd ist und die unterschiedlichen geografischen Wurzeln tragen ebenfalls zu diesem Quäntchen Anderssein bei.“



Komm mir nicht mit Americana

So haben The Head And The Heart über die Zeit eine kreative Kommunikation aufgebaut, deren Basis eine Art Urvertrauen ist. Die Truppe gehört nicht zu den Bands, die regelmäßig im Proberaum abhängen und jammen.

„Das brauchen wir so nicht, wir spüren, wenn sich da etwas abzeichnet, was unbedingt gesagt werden muss“, nimmt Josiah Johnson den Faden auf, „so zwingen wir die Stücke auch nicht aus uns heraus, sie bestimmen die Geschwindigkeit und im Dialog mit dem Lied, wissen wir auch, wann es fertig ist.“

Die Arrangements von The Head And The Heart sind voller Dynamik und komplex angelegter Harmonien, ohne kompliziert und übervoll zu sein. So können sich die Töne des Piano genau so frei im Raum bewegen, wie der Geige. Und für die restlichen Instrumente und den mehrstimmigen Satzgesang ist immer noch genügend Platz frei. Beim ersten Hinhören stellt man The Head And The Heart in die Indie-Folk/Americana-Klangecke.

„Komm mir jetzt nicht mit Americana“, echauffiert sich Sängerin Charity Rose Thielen, „es geht mir komplett gegen den Strich, dass überall dort, wo sich akustische Instrumente tummeln und schön mehrstimmig gesungen wird der Americana-Stempel drauf gepappt wird. Wir wollen einfach Stücke schreiben, die in die Tiefe gehen und dennoch Popmelodien aufweisen. Sie müssen uns und die Zuhörer berühren. Fertig.“

Auch das zweite Album ´Let’s Be Still´ ist so voller kraftvoller Frische, die nur darauf zurückgeführt werden kann, dass vieles einfach unschuldig gelassen wurde und ohne großes Nachdenken den Weg auf die Platte gefunden hat.

The Head and the Heart bewegen sich mit ´Let’s Be Still´ weit vorwärts und sie sind dabei gar nicht still, sondern greifen auch mal zur elektrischen Gitarre, die ein wenig Dreck in die Harmonien spritzt. Und zeigen mal so ganz nebenbei laut und unschuldig können gemeinsam und ohne sich ins Gehege zu kommen, auf der gleichen Wiese grasen

Aktuelles Album: Let’s Be Still (Kobalt Label Service / Rough Trade)
© 01. November 2013  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer
November 2013

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