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TEITUR - 25% Inspiration 75% Disziplin

Wenn man Teitur, dem Färinger Sänger so genüsslich zuhört, dann glaubt man kaum, dass das aktuelle Album ´Story Music´ erst das vierte internationale ist. Ist diese unaufgeregt aufregende Stimme nicht schon immer da gewesen? Diese einfachen Lieder von klassischer Schönheit, höchst melancholisch und doch Pathos - haben sie nicht die tiefsten Tiefen unserer Seele berührt und unser Herz auf Temperatur gebracht?

Das Missverständnis vom Musenkuss

Doch was da mit Leichtigkeit und Lockerheit auftrumpft, ist das Ergebnis härtester Arbeit.

„Ich glaube nicht an den Musenkuss oder anders ausdrückt, für mich glaube ich nicht daran“, stellt Teitur klar, „an diesen magischen Moment, der in der Folge dazu führt, dass ratzfatz ein fertiges Lied erklingt. Ich schreibe immer an Stücken. Arbeite an Liedern. Drehe sie und wende sie. Kämpfe mit ihnen. Liebkose sie. Verwerfe sie. Am Anfang war vielleicht ein Wort, ein Melodiefetzen oder auch eine Inspiration. Aber nur du als Künstler kannst darin das finden, was du letztendlich sagen willst. Und wenn du nichts zu sagen hast, dann bringt dich auch die Inspiration nicht voran. Wenn hier schon von Inspiration die Rede ist, muss aber klar sein, maximal 25 Prozent eines kreativen Prozesses ist Inspiration, aber mindestens 75 Prozent sind Disziplin.“

Teitur ist von einer Grundneugier angetrieben, stellt hohe Ansprüche an sich selbst. Fragt nach. Reflektiert das eigene künstlerische Schaffen.

„Ich will immer gut vorbereitet sein, wenn ich ins Studio gehe, alles soll klar und deutlich sein“, erklärt er, „denn wenn der Aufnahme-knopf erst mal gedrückt ist, dann will ich es laufen können, will nichts mehr korrigieren. Und ich will mit einem perfekten Lied auf den Lippen das Studio wieder verlassen.“

Dieses angesprochene Studio liegt diesmal in seiner Heimat, den Faröer. Dort kann er ganz ohne Druck arbeiten. Stück für Stück. Lied für Lied.



Lebendige Kultur des Musizierens

Und es ist nicht nur das Studio, das auf den Inseln im Nordatlantik, irgendwo zwischen den britischen Inseln, Norwegen und Island, zu finden ist. Was die Platte ´Story Music´ nachhaltig beeinflusst, ist die dortige, überaus lebendige Kultur des Musizierens.

„Deshalb kommen auch alle beteiligten Musiker von den Inseln“, fügt Teitur an, „mehr als 70 Musiker und Sänger zwischen acht und 80 Jahren sind auf der Produktion zu hören und tragen diese spezielle Folkloretradition in meine Stücke.“

Am ohrenfälligsten geschieht dies in den Liedern ´Hard Work´ und ´Walking Up A Hill´. Wenn schon Lieder hervorgehoben werden, dann kommt an ´It’s Not Funny Anymore´ niemand vorbei. Diese Komposition ist in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlich. Zum einen hat Teitur sie gemeinsam mit seiner langjährigen Gefährtin im Geiste, Pam Sheyne geschrieben. Zum anderen stammt das episch-ausladende Klangfarbenspiel des Orchester-Arrangements aus der Feder von Van Dyke Parks, dessen aufwändige Orchestrierungen bereits The Beach Boys-Stücke veredelt haben.

Wie so häufig bei Teitur sind es auch auf ´Story Music´ erneut die leisen, die Zwischentöne, die Kraft spenden und die die Stücke so groß wie einen Rettungsschirm für das gesamte Universum machen. Ist es seine entrückte Stimme, die über allem schwebt. Eine Stimme, der nichts und niemand etwas anhaben kann. Ganz egal, wie üppig instrumentiert wird, wie viel Chorgesang ihm zur Seite steht, Teiturs Lieder verlieren nie die Anmutung des Spartanischen. Sie klingen einfach nur atemberaubend schön und sehnsuchtsvoll!

Aktuelles Album: Story Music (Ario and Betty Recordings/Indigo)
© 01. November 2013  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer ||| Foto: Tora Hviid
November 2013

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