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STAX RECORDS - Teil II: Vom tiefen Fall zur Stax Academy

Unter den Fittichen der STAX-Geschwister Estelle Axton und ihrem Bruder Jim Stewart wird STAX ab Anfang der 1960er-Jahre kreativer Mittelpunkt schwarzer Soulmusik, die das deutlich rauere Gegenstück zum polierten Klangkosmos aus der Hitfabrik von Motown werden sollte.

Die Ära Al Bell

Nach den ersten Achtungserfolgen steht STAX dennoch 1965 kurz vor dem Ruin. Da hilft es auch nichts, dass bereits seit 1962 Komponist und Produzent Isaac Hayes sowie der Sänger Otis Redding mit an Bord sind. Auch der später immer wieder als STAX-Klangarchitekt titutlierte William Bell ist bereits dabei. Als Retter in der Not holt Jim Stewart den damals landesweit erfolgreichen schwarzen Washingtoner-Radio-DJ Al Bell nach Memphis. „Als ich dazu kam, war ich zunächst Promotion-Chef“, erinnert sich Al Bell, „ich sollte STAX helfen, mehr Radioeinsätze zu bekommen und so die Verkäufe zu steigern. da ich bei anderen Radio-DJs hoch angesehen konnte ich STAX da weiterhelfen. STAX konnte letztlich gerettet werden. Innerhalb von 12 Monaten wurde so aus einer kleinen Produktionsfirma eine Institution die 1,5 Millionen Dollar umsetzte. Doch eine echte Plattenfirma waren immer noch nicht. Wir waren durch einen exklusiven Vertriebsvertrag in den Klauen von Atlantic-Records.“

1968 wagt Al Bell - inzwischen Chef der Firma- den nächsten Schritt. Er kündigt den Vertrag mit Atlantic.

„Ich musste feststellen, dass großen STAX-Stars Sam&Dave gar keinen Vertag mit STAX hatten, wohl aber mit Atlantic Records “, fährt er fort, „auch würde der gesamte bis dahin eingespielte STAX-Backkatalog bei Atlantic verbleiben.“

Dann kommt auch noch Otis Redding bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Durch einen Deal mit Gulf&Western Industries schafft Al Bell frisches Geld heran und finanziert seine Expansionspolitik. Neue Künstler, viele Veröffentlichungen. Auch große Erfolge. Etwa 1972 mit dem Watt-STAX-Festival in Los Angeles, dass STAX-Künstlern 120.000 jubelnden Fans bescherte, oder mit dem Erfolg von Isaac Hayes’ ´Shaft´. AL Bell will mehr und mehr. Doch dann verhandelt er einen Vertriebsvertrag mit Columbia nicht hieb- und stichfest. Und wieder geht STAX dadurch das Geld aus. So führen letztendlich Größenwahnsinn und zwei schlecht ausgehandelterVerträge zum Niedergang von STAX. An 12. Januar 1976 lässt ein Konkursverwalter die Plattenfirma schließen. STAX ist nach wie vor eines der einflussreichsten Labels in der Geschichte der schwarzen amerikanischen Musik. Zwischen 1959 und 1975 veröffentlicht die Plattenfirma 800 Singles und 300 Alben. STAX-Künstler sacken acht Grammys ein, produzieren zwölf Top Ten Hits und 3 Nummer 1 Hits. Isaac Hayes gewinnt mit der ´Shaft´-Filmmusik einen Oscar. Und doch ist STAX Geschichte und wird durch einen famosen Backkatalog, dessen Lieder die Popkultur von Grund auf veränderten, unsterblich.
Auferstanden aus Ruinen
Das ehrwürdige STAX-Studio verfällt mit der Zeit. 1998 gründet eine Gruppe von Geschäftsleuten, Philantropen und ehemaligen STAX-Künstlern aus Memphis die Soulsville-Stiftung und kauft das alte STAX-Areal.
„Wir haben alles getan, um das Gebäude zu bewahren“, erzählt Jim Sampson der Kommunikationsdirektor der Soulsville-Stiftung, „doch ein Jahr später musste das alte STAX-Gebäude abgerissen werden. Es war nur noch die alte Kinoreklame mit den STAX-Lettern darauf zu retten.“
Doch schnell hat die Stiftung Pläne für das Areal. Schnell ist die Idee geboren das STAX-Museum of American Soul Music zu bauen und eine hoch qualifizierte Musikschule für junge Leute aus dem umliegenden, wirtschaftlich sehr benachteiligen Viertel. Aus Soulsville eben.
„Es gelang uns 20 Millionen Dollar aufzutreiben“, fährt Jim Sampson fort, „und begannen die STAX-Music Academy aufzubauen. Das war im Juni 2000. Wir fingen mit der Akademie an; denn in dieser Gegend wurde eine Bildungseinrichtung weitaus mehr gebraucht, als ein Museum.“
2003 -genau vor zehn Jahren- wird schließlich auch das STAX-Museum of American Soul Music mit großem Tam-Tam eröffnet. Mehr als 2000 seltene und einzigartige Exponate sind auf über 2800 Quadratmeter Ausstellungsfläche zu sehen: Filme, Fotografien und Erinnerungsstücke - wie etwa der Cadillac von Isaac Hayes, der seine ins Monumentale überhöhte Künstlerpersönlichkeit auch auf sein Auto übertrug und allses Chrom durch pures Gold ersetzen ließ- zusammen mit vielen historischen Erläuterungen und natürlich Kostproben des legendären STAX-Klangkosmos.
„So wichtig das Museum auch ist, aber wir kümmern uns um weit mehr, als um die museale Aufarbeitung der STAX-Labelgeschichte“, erklärt erweiter, „doch alle diese Programme für die Jugendlichen der Akademie stehen in dieser Musiktradition des Memphis-Soul.“
Beim diesjährigen Saisonabschlusskonzert kann die Akademie erneut zeigen, dass sie die Soul-Rampensäue der nächsten Generation hervorbringt.
© 01. September 2013  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer ||| Foto: Sandra Dörr
September 2013

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