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THE BLUE VAN - Das Gegenteil von Gegenteil

Es spricht für das außergewöhnliche kreative Gefüge einer Band, wenn die Besetzung seit fast 20 Jahren unverändert fortbesteht. Besonders dann, wenn Höhen (beispielsweise die Verwendung ihres Stückes ´Independence´ als Titellied der US-amerikanischen Fernsehserie ´Royal Pains´) und Tiefen (etwa die gescheiterte Auswanderung in die USA), die das Musikbusiness bereithalten kann, durchlebt werden müssen. The Blue Van aus dem dänischen Kopenhagen sind eine solche zusammengeschweißte Band. „Wir kennen uns eben mehr als gut,“, verkündet Gitarrist und Tastenmann Søren V. Christensen, „wir sind keine Band, wir sind eine Bruderschaft oder führen fast schon eine Ehe.“

Charme der kleinen falscher Schrammler

Auch auf „Would You Change Your Life“ -ihrem fünften Studioalbum- ruhen sich The Blue Van nicht auf Erreichtem aus. Stets probieren sie etwas Neues und riskieren so auch viel. Das aktuelle Album lebt nach zwei sehr durchproduzierten Platten wieder von der puren Kraft der Lieder, die live im Studio eingespielt wurden.

„Die so entstehenden bezaubernden Augenblicke sind nicht nur rein akustisch geprägt“, fährt der Frontmann fort, „gleichzeitig haben wir mit elektronischen Instrumenten experimentiert. So bringen wir das jeweils Beste der akustischen und der elektronischen Welt zusammen.“

Äußerst charmant schimmert dabei auch mal ein kleiner Fehler durch.

„Aber geht es nicht vielmehr darum, den magischen Moment auf Platte zu bannen“, fragt Søren V. Christensen eher rhetorisch, „ist es da nicht komplett egal, wenn sich da mal ein charmanter kleiner falscher Schrammler einschleicht?“

Das ist nicht nur egal, die Souveränität im Umgang damit macht das Album noch sympathischer, als es eh’ schon ist. The Blue Van waren auch in der Vergangenheit schon großartige Stückeschreiber (nicht umsonst haben ihre Lieder die Scoremacher von Serien wie „Navy CIS“, „90210“, „Countdown – Die Jagd beginnt“ und zuletzt erst die Werbeleute vom iPad nachhaltig becirct), so hat sich dieses Talent um ein Vielfaches weiterentwickelt.



Betörende Refrains in Mitsingqualität

„Das ist ja wohl das Mindeste, was von einem Musiker zu erwarten ist“, darauf weist Søren V. Christensen mit Nachdruck hin, „kreativer Stillstand wäre doch wohl nichts anderes, als der Tod.“

So haben The Blue Van ihren Klangkosmos der letzten Platte „Love Shot“ deutlich erweitert.

„Auf der einen Seite schon erweitert“, stellt Søren V. Christensen fest, „aber auf der anderen haben wir auch eine Rück-besinnung vorgenommen. Wenn ich Rückbesinnung sage, dann spreche ich gar nicht mal über eine Retroausrichtung. Ich spreche davon, dass man bei den neuen Liedern, das hört, was man kriegt. Da werden keine zwölf Gitarren übereinander gelegt, wenn es auf der Bühne im Zweifelsfall nur die von Steffen Westmark und mir gibt.“

The Blue Van haben den Liedern ihre pure Kraft zurückgegeben. So kann man der Band auch für die Zukunft nur wünschen, dass sie nach jeder Platte immer das Gegenteil vom Gegenteil der vorherigen in Angriff nehmen und damit auch in Zukunft überraschen und nicht vorhersehbar werden. Und doch weisen die Refrains eine Mitsingqualität auf, dass man gleichen im ersten Stück ´Zeroes´ mit einstimmt, sich von den traumhaften Melodiebögen fort tragen und mitreißen lässt und nach dem Verklingen des letzten Tons von ´Would You Change Your Life´ sich verdutzt die Ohren reibt und sich wünscht, es möge doch einfach noch lange so weitergehen. Aber es gibt da ja die Wiederholtaste!

Aktuelles Album: Would You Change Your Life? (Iceberg Records/Intergroove)
© 01. September 2013  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer
September 2013

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