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RAH RAH - Funkelnde Pop-Perlen

Regina ist die Hauptstadt von Saskatchewan. Die Stadt liegt in einer der Prärieprovinzen Kanadas. Also verdammt weit weg. Doch manchmal kommt auch von verdammt weit weg verdammt aufregende Musik her. Die Band, deren Name sich anhört, als würde ein großer, schwarzer Rabe krächzen, nämlich Rah Rah, die kommt aus Regina. Und verbreitet genau solche aufhorchenswerten Klänge.

Lächelnde Muliinstrumentalisten

Höchst interessant ist es auch zu erfahren, wie es zu Rah Rahs erster Plattenveröffentlichung in Deutschland kommt. In Kanada hingegen sind schon drei Alben zu haben. Und auf dem nordamerikanischen Teil des Kontinents sind Rah Rah pausenlos unterwegs, so auch im Frühjahr 2012, als Rah Rah beim Monstershowcase-Festival SXSW im texanischen Austin aufspielen. Live tobt sich da auf der Bühne ein Sextett aus, das allein durch seine multiinstrumentalen Fähigkeiten die Zuhörer in seinen Bann zieht. Egal ob Schlagzeug, Saiteninstrumente, Viloline, Akkordeon oder Keyboarder, da werden zwischen Erin und Joel Passmore, Marshall Burns, Kristina Hedlund, Leif Thorseth und Jeffrey Romanyk lächelnd die Instrumente getauscht. Die Stimme setzen alle ein. Rah Rah werfen mit funkelnden Pop-Perlen nur so um sich. Mit Leichtigkeit vorgetragen, sind die Stücke immer mit einer klitzekleinen Reibungsfläche versehen.

„Wir mögen es zwar durchaus süß und zuckrig, wenn es um farbige Melodiebögen geht“, bestätigt Joel Passmore, „aber ich habe beispielsweise einen Punkhintergrund und ich kann nicht anders, als immer wieder raue Töne einzuschmuggeln. Und da wirklich jeder von uns einen anderen musikalischen Hintergrund hat wirft auch jeder andere Klänge in die beiden Wagschalen. Da kommt schon was zusammen, Folk, Rock, Punk und auch alles, wo sich dazwischen noch Noten tummeln.“



Fein ausbalancierter Klangkosmos

Die beiden Produzenten Gus Van Go and Werner F haben bei der aktuellen Platte ´The Poet's Dead´ ganze Arbeit geleistet. Sie haben die unterschiedlichen Klangperlen, die jeder Künstler anschleppt zu einer aufs Feinste ausbalancierten Tonkette zusammengefügt.

„Das ist unsere erste Platte, die absolut organisch klingt, jedes Stück ist zwingend und könnte gar nicht anders klingen“, fährt Joel Passmore fort, „und diese wunderbare Ordnung in unserem kreativen Chaos, die verdanken wir den beiden Produzenten.“

So drehen sich auf dem Plattenteller nun hochrhythmische, hoch melodische Lieder, die im Refrain auch noch mit den verführerischen Wechselgesängen von Erin Passmore und Marshall Burns undgrandiosen Chören gesegnet sind. Was Kanada an dieser Truppe hat, haben die Musikjuroren dort schnell erkannt und Rah Rah mit preisen überhäuft. ´Best New Canadian Band´, ´Best New Alternative Band´, ´Single of the Week´ oder ´Pick of the Week´ steht auf Urkunden, die im Proberaum hängen. Doch wie geht denn nun die Geschichte darüber,wie die aktuelle CD ihren Weg nach Deutschland findet? Unten in Amerikas Süden steht inmitten des begeisterten Publikums von Austin auch der deutscher Labelmanager Jörg Tresp, der völlig begeistert ist und kurz davor, komplett aus den Latschen zu kippen. Er nimmt Rah Rah postwendend unter Vertrag.

„Es ist völlig irreal, wenn du vor tausend Leuten spielt, die alle begeistert sind und plötzlich bietet dir jemand aus der Menge einen Vertrag für Deutschland an“, erinnert sich Joel Passmore, „das glaubst du natürlich erst, wenn vertraglich am Ende wirklich alles geregelt ist.“

So steht nicht nur das Album ´The Poet's Dead´ mit seinen melodischen, rockbefeuerten Stücken in den Regalen der Plattenhändler, Rah Rah werden auch die deutschen Clubbühnen bevölkern. Da kann ich nur raten, hingehen. So intim wird die Club-Atmosphäre zukünftig nicht bleiben.

Aktuelles Album: The Poet's Dead (DevilDuck Records/Indigo)
© 01. September 2013  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer ||| Foto: Chris Graham
September 2013

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