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B-TIGHT PLAYAZ - Aggro ade!

B-Tight? B-Tight? - Da war doch was? War das nicht einer dieser Hip Hop-Typen, die den Harten gaben und gemeinsam mit Bushido, Sido und Fler unter dem Dach des Labels Aggro Berlin flächendeckend mit extrem prolligen, aggressiven und frauenverachtenden Stücken auffiel? Stücke, die zum Teil auf dem Index landeten. Aggro Berlin ist längst Geschichte. Nun legt B-Tight mit ´Drinne´ eine Platte vor, die musikalisch zwischen Hardrock und Nu-Metal, zwischen AC/DC und Limp Bizkit changiert.

Die Verwandlung

B-Tight, der mit bürgerlichem Namen Robert Edward Davis heißt, scheint eine Verwandlung hinter sich zu haben. Eine, die sich andeutete. Sachte zwar, aber schon der letzten Aggro-Veröffentlichung lag eine CD für Journalisten bei. In einem dieser Lieder kündigt er seiner neu geborenen Tochter wegen eine radikale Änderung seines (Lebens-)Stils an. Inzwischen gibt es weitere Kinder.

„Danach habe ich mir schon Gedanken gemacht“, reflektiert B-Tight sein Leben, „das Wort Vorbildfunktion war bis dahin für mich einfach nichts wert. Ich habe nach dem Motto gelebt, Passt ihr doch auf eure Kinder auf. der Rest war mir egal.“

Als er jedoch darüber nachdenkt, was wohl zu tun ist, wenn seine Tochter seine alten Texte hört und ihn fragt: „Papa erklär mal?“ Die Konsequenz kann nur sein, textlich einen Schlussstrich zu ziehen. „Musikalisch wollte ich dann auch mehr“, stellt B-Tight klar, „denn, wenn ich musikalisch nicht bewege und immer das Gleiche mache, dann könnte ich ja gleich in der Fabrik arbeiten und tagaus tagein irgendwelche sinnlosen Handgriffe aneinander reihen. Ich wollte Musik machen, so, wie ich mich fühle. Und das war eben nicht mehr Hip Hop.“

Gesagt, getan. B-Tight sucht Kumpane im Geiste, um eine echte Band zusammenzustellen.



Neue Horizonte

An dem Punkt kommt Christoph von Freydorf ins Spiel, seines Zeichens Sänger und Gitarrist bei der Münchner Alternative Metal Band Emil Bulls. Eine enge Freundin von ihm ist gleichzeitig die Managerin von B-Tight. Sie bringt beide zusammen.

„Anfangs war ich mehr als skeptisch“, gesteht Christoph von Freydorf ein, „Aggro-Vergangenheit, Hip Hop - alles nicht so meins.“

Doch es funktioniert. Sehr gut sogar. Und am Ende des gemeinsamen Probierens liegt genügend Material für ein Album vor. Eins, das weder ein Rockalbum ist, noch eine Hip Hop-Platte.

„Nach anfänglichem Abtasten haben wir uns einfach die Freiheit genommen, es kreativ fließen zu lassen und waren selbst überrascht, was wir gemeinsam für einen Klangkosmos erschaffen können“, blickt B-Tight auf die Arbeitsphase zurück. Das klingt schwer nach bestem Crossover, einem, der perfekt als Puzzlestück zwischen die genannten AC/DC und Limp Bizkit passt. Und wo funktionieren harter Rock und punktgenaue Raps am besten? Live auf Tour! Damit alle die, die nicht dabei sein konnten auch in diesen Genuss kommen können, ist ein Tour-Editions-Album erschienen, mit Bonus-DVD erschienen.

„In über 60 Minuten haben wir ordentlich was zusammengepackt“, freut sich B-Tight, „Tourtagebücher, Interviews, Making Of von unseren Videos. Outtakes und die Videos geben einen Einblick, was seit der Gründung der Playaz 2012 für eine wilde Zeit verstrichen ist und wie es sich bei den ersten Gigs angefühlt hat zusammen unsere Musik zu präsentieren.“

Anzumerken bleibt da nur noch, dass sie von den Einen als Verräter des Hip Hop geschmäht werden und von den Anderen als neue deutsche Crossover-Hoffnung gefeiert.

B-Tight scheint nicht nur eine Verwandlung hinter sich zu haben, er hat! Und er lebt sie, als Mensch und folgerichtig auch als Künstler. Ob man sich deshalb gleich bei Stefan Raab im Promiboxen schlagen muss oder sich im Wok in den Eiskanal stürzen, das sei ja mal dahin gestellt.

Aktuelles Album: Drinne (Tour Edition mit Bonus-DVD) (RAID Records / Groove Attack)
© 01. Juli 2013  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer ||| Foto: Sascha Heks Haubold
Juli 2013

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