www.westzeit.de

BOOZE & GLORY

Stand together!

Street Punk heißt der Sound der Straße und Booze & Glory heißen seine Helden. Und obwohl die Combo immer als britische Oi Band bezeichnet wird, gibt es wohl kaum einen Act, der internationaler aufgestellt ist als Sänger Mark und seine Jungs. Der verweilt zum Zeitpunkt des Interviews übrigens in seiner Heimat Polen, in die es ihn nach 14 Jahren in London wieder zurückgezogen hat, die anderen Bandmitgliede - aus allen europäischen Himmelsrichtungen stammend - haben sich London zur Wirkungsstätte auserkoren.

Ihr Sound ist authentisch, laut und ihre Songs erzählen Geschichten über Freundschaft, Einigkeit und nicht zuletzt Westham. In einer Welt von Fake und artificial Loops sind sie ein Gral echter Musik, an der man sich laben kann, wenn der Rest der Welt zunehmend noch nie eine Schallplatte in der Hand gehabt hat.

Euch gibt es seit 10 Jahren, was hat Euch damals dazu gebracht eine Band zu gründen und wie denkst Du hat sich die Street Punk Szene in dieser Zeit entwickelt?

“Wir haben Booze & Glory anfangs als Zeitvertreib gegründet, wir spielten alle vorher schon woanders und dachten wir könnten ein paar Songs zusammen schreiben. Das wurde sehr schnell zu einem wichtigen Teil unseres Lebens und ich würde sagen, spätestens seit unserem dritten Album ‚As Bold As Brass‘ fingen wir an, die Band sehr ernst zu nehmen.

Der Street Punk Szene geht es super im Moment, es gibt Unmengen an großartigen aktiven Bands, viele Show und genauso viele gute Alben, die man sich anhören kann. Wir können uns nicht beschweren!”

Das freut mich sehr zu hören, wie würdet Ihr denn Eure Entwicklung von Eurer ersten Scheibe ´Always On The Wrong Side´ bis zu ´Hurricane´ beschreiben? Gibt es eigentlich eine Geschichte hinter dem Titel?

“Ich mag unser erstes Album nicht und es war von Anfang an auch gar nicht als Album gedacht, es sollte eigentlich nur ein Demo sein und als wir es ein paar Labels zuschickten, sagte Tony von Step 1 Musik, wir sollten es veröffentlichen, also taten wir das. Ich wollte ein richtiges Album aufnehmen, mit mehr Songs, aber unser Label versicherte uns es sei gut wie es ist. Darum veröffentlichten wir auch so schnell nach dem ersten Release ´Trouble Free´ unsere zweite Scheibe mit 16 Songs, von denen einige schon auf die Erste gesollt hätten. Anyway, ich hoffe die Leute kriegen mit, dass wir mittlerweile eine komplett andere Band sind. Unsere Einstellung zum Musik machen hat sich grundlegend verändert, wir sind als Musiker gewachsen und als Menschen erwachsener geworden. Wir haben ‚Hurricane‘ nach unserem gleichnamigen Lieblingssong darauf benannt.”

Kannst Du uns was über ´Hurricane´ erzählen, wovon handeln die Songs?

"Hurricane besteht aus elf Songs und einem Cover und wir haben das Album in Schweden mit dem Produzenten Mathias Farm (Millencolin Gitarrist) in seinem Studio in Orebo aufgenommen. Das war eine großartige Zusammensetzung und ich denke, das Ergebnis ist dementsprechend toll geworden. Wir hatten uns eine Mischung aus ´Bold As Brass´ und ´Chapter IV´ vorgestellt, aber wollten auch neue Elemente ausprobieren, die unser neuer Lead Gitarrist Kahan mit in die Band gebracht hat. Also haben wir Piano und Orgel dazu genommen, musikalisch eine sehr interessante Kombination wie ich finde, aber auch bei unseren Songtexten wollten wir was anderes machen. Es ist das erste Mal, dass wir einige wirklich politische Songs geschrieben haben, wie zum Beispiel ´Never Again´, der vom weltweiten Anstieg der extremen Rechten handelt. Das ist traurig mit anzusehen, aber wir haben uns auf unsere Fahnen geschrieben, diese Leute wissen zu lassen, dass wir sie nicht in unseren Straßen wollen. Wir haben einige soziale Songs wie ´My heart is burning´ or ´Live it up´, dann gibt es noch ´Darkest Nights´ über sinnlose Kriege mit imaginären Feinden, aber keine Angst, auch typische Singalongs sind dabei wie ´Ticking Bombs´ oder ´Good Bye´. Und wir haben eine Geschichte über einen britischen Fighter namens Lenny McLean und endlich einen neuen Westham Song!”

Die Punkrock Fee schenkt Euch die Show Eurer Träume. Mit wem würdet Ihr gerne spielen und wo?

“Es sieht aus, als hätten wir unsere Dream Shows schon gehabt und zwar als Support von Dropkick Murphys auf deren US Tour! Aber mal ehrlich, ich habe keine Ahnung was wir uns wünschen würden – wir spielen schon an den schönsten Plätzen der Welt, wie Bali, Japan und Australien, um nur ein paar aufzuzählen, ich finde wir könnten noch mehr Shows in Südamerika haben, da sollte sich noch was tun und vielleicht ein Gig mit Social Distortion, einer meiner Lieblingsbands.”

Ihr seid von Anfang an eine internationale Band gewesen, erst mit polnischen Mitgliedern, und dann Schweden, Iren, Griechen – wie denkst Du, hat Euch das als Band beeinflusst?

“Wir haben vielleicht unterschiedliche Pässe und sprechen verschiedene Sprachen, aber eigentlich sind wir alle ziemlich gleich, wir wollen Spaß haben, Musik machen, in der Weltgeschichte rumreisen und neue Leute kennenlernen. Innerhalb unserer Band machen wir uns die ganze Zeit gegenseitig übereinander lustig und es ist großartig. Versuch mal einen Monat mit einem Spanier und einem Italiener in einem Tourbus zu verbringen, dann weißt Du wovon ich spreche: Da ist so ein unglaubliches Chaos überall um sie herum, sie schreien nur, wollen die ganze Zeit feiern und sind nie gestresst. Ich liebe es einfach, Zeit mit Leuten aus unterschiedlichen Ländern zu verbringen, alle bringen ihre Eigenheiten mit und das bereichert.”

Wer sich Booze & Glory live erleben möchte, der hat Glück, die Jungs begeben sich gerade auf große Tour.

Aktuelles Album: Hurricane (Scarlet Teddy Records)

© 02. Oktober 2019  WESTZEIT ||| Autor: Micky Repkow ||| Photograf: Jaca Curlic