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SWAIN

Keine Kategorisierung

Swain haben schon so manchen Wandel vollzogen. Angefangen haben sie als Trio, das mit einer introvertierten Melange aus Punk, HC & beklemmenden Melodien ihre Karriere startete. Nach den ersten Erfolgen mit dem Debüt ´The Verve Crusade´ von 2010 und Touren durch Europa im Zuge des 2013 veröffentlichten HC-Bretts ´Howl´ folgte eine Umbruchphase für das Trio. 2014 vollzogen die Niederländer eine Transformation, indem man sich von This Routine Is Hell in Swain umbenannte & zeitgleich stilistisch zu neuen Ufern aufbrach, was ihr erstes Album ´The Long Dark Blue´ unter neuem Namen eindeutig belegt.

Swain spielen fortan rotzigen 90s-Grunge mit rockiger HC-Kante. Die melancholischen Gesangslinien und aufgebrochenen Gitarrenakkorde erinnern an ruhigere Nirvana oder an die Neo-Shoegazer Title Fight. Unter der Oberfläche brodelte weiterhin ein Mix aus Aufbruchstimmung, Fuck-Off-Attitüde und die Lust nach dem nächsten Kick. 2015 sind Swain gemeinsam nach Berlin gezogen und haben dort das vierte Bandmitglied kennengelernt, einen Bassisten, mit dem sie die Weiterentwicklung ihrer innovativen Denkmuster kohärent umgesetzt haben. Schließlich gelingt Swain mit ´Negative Space´ ein geschmeidiges Album, auf dem eindringliche Gitarrenmelodien und variantenreiche Songstrukturen mit melodramatischen Anstrichen zu einem eigenständigen, niveauvollen Gesamtkunstwerk avanciert. Dadurch haben Swain mit „Negative Space“ quasi ein musikalisches Abbild ihrer eigenen widersprüchlichen Vielstimmigkeit erschaffen, das sich komplett jeglicher Kategorisierung entzieht. Was liegt näher, als sich die ganze Chose aus erster Hand – hier von Bandleader Noam Cohen himself - erörtern zu lassen.

Welchen Grund gab es die Band zu Beginn ´This Routine Is Hell´ zu nennen?

“Es war genau das, was wir damals empfanden. Die Musik war sehr intensiv und der Name musste passen. Ich denke immer noch, dass der Name wirklich das widerspiegelt, worum es damals ging, aber die Bedeutung ist für uns an dieser Stelle obsolet und verwaschen.”

Warum habt Ihr Euch 2014 in Swain umbenannt?

“Mit unserem Leben und unserer Musik, die sich im Laufe der Jahre verändert hat, ergab der alte Name keinen Sinn mehr. Wir wollten sozusagen mit einer weißen Weste beginnen. Swain, was übrigens ´junge Geliebte´ bedeutet, fühlte sich an, als würde er gut zu unserer damalig neuen Richtung passen. Es geht mehr um die Atmosphäre des Wortes als um alles andere.”

Der aktuelle dritte Longplayer nennt sich ´Negative Space´. Vor welchem Hintergrund ist der Albumtitel entstanden?

“Negativer Raum´ bezieht sich auf den Ort, an dem man sich befinden kann, wenn die einfachste Antwort auf seine Probleme Selbsthass vs. Negativität gegenüber allem ist. Für einige kann es eine bequeme & vertraute Denkweise sein, in der sie sich befinden. Auf dem Album geht es vor allem darum, aus diesem Raum herauszukommen, erwachsen zu werden und Verantwortung für sein Leben und die geistige Gesundheit zu übernehmen.”

Wer oder was hat maßgeblichen Einfluss auf Eure Musik genommen?

“Das hat sich im Laufe der Jahre geändert. Natürlich gibt es einige Bands und Stile, die man in unserer Musik erkennen kann, wie bei jeder Band. In unserem Fall denke ich, dass es die Art von DIY-Mentalität ist, die man auch von Bands wie Fugazi kennt. Wir machen unser eigenes Artwork, wir machen unsere eigenen Videos, wir schreiben die Musik so, wie wir sie schreiben wollen, ohne Rücksicht darauf was das Label oder die Fans von uns erwarten. Wir wollen die volle künstlerische Kontrolle. Ich denke, was wir hier versuchen, ist, eine Art eigene Tasche in diesem Universum zu schaffen, in der wir ein sinnvolles Leben innerhalb der Regeln führen können, die wir für uns selbst festgelegt haben.”

Was wünscht Ihr Euch, mit ´Negative Space´ realisieren zu können?

“Wir wollen einfach nur unsere Musik da draußen haben, uns mit Leuten verbinden, die wirklich verstehen, worum es bei uns geht, und dann so viele coole Shows wie möglich spielen. Ich glaube nicht, dass es für jede Band gesund ist, wirklich irgendeine Erwartung an sich selbst zu stellen. Bleib einfach lustig, Mann.”

Aktuelles Album: Negative Space (End Hits / Cargo) VO: 26.07.

© 01. Juli 2019  WESTZEIT ||| Autor: Georg Lommen ||| Photograf: Simon Veith