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BENJROSE

Muisk im Blut

„I’m gonna do this forever!” Wo sich bei den meisten Leuten die Interessen im Laufe der Jahre verändern und sie die Berufswünsche – besonders als Kind – täglich ändern, ist Benjamin Rose die Ausnahme. Nachdem er zum Abschluss der vierten Klasse vor allen Schülern, Eltern und Lehrern sang, war für ihn klar, was er für den Rest seines Lebens machen wollen würde: Songs schreiben, performen, auf der Bühne stehen. Ein großer Einfluss war da sicherlich aber auch die Familie: Seine Großmutter zeigte ihm Queen und durch seinen Vater – ein puerto-ricanischer Soulsänger – war Musik ohnehin immer Thema im Haus.

Benjamin Rose ist als Rampensau aufgewachsen, nahm bei der Kinder-Ausgabe von „Wetten, dass..?“ teil und wurde ein kleiner Star. Jahre später veröffentlicht er nun mit seiner nach ihm benannten Band das Debütalbum ´Where Do We Go´.

Wie kann man es sich vorstellen, als Sohn eines puerto-ricanisch-indischen Sängers aufzuwachsen? Was hat deine Mutter zu deiner musikalischen Erziehung beigetragen?

„Meine Mama ist my hero. Ich habe meinen Eltern einfach alles zu verdanken. Ich wusste schon seit ich denken kann, was ich in diesem Leben mache werde – und das ist Singen, Performen, Musik machen, schreiben und alles, was dazu gehört! Ich habe immer nur die vollste Unterstützung bekommen, mich nie allein gefühlt oder Angst gehabt es nicht zu schaffen, mich von der Musik irgendwann ernähren zu können. Ich bin sehr dankbar dafür.“

Ich finde es erstaunlich, wie divers die Songs auf ´Where Do We Go´ geworden sind und dabei trotzdem hervorragend zusammenpassen. Hast du dir im Vorfeld einen Plan gemacht, wie das Album aufgebaut sein soll?

„Also ein Konzeptalbum ist es nicht. Ich schrieb in der Zeit einfach viele Songs zusammen mit Robert Schuller und produzierte diese dann zusammen mit Rami Benno und Alex zu einem Album. Ein wirklicher Plan außer Spaß und eine gute Zeit zusammen zu haben, gab es nicht. Es gab im Studio einfach super Momente, an die ich gerne zurückdenke. Es ist der Wahnsinn, was es zwischenmenschlich bewirken kann, zusammen Musik zu kreieren.“

„Worum geht es auf ´Where Do We Go´ thematisch?“

„Das Album stellt viele Fragen und gibt viele Antworten. Worum es geht, kann man selbst entscheiden. Ich und wir bekommen so vielseitiges Feedback – jeder hat seine Story, man tauscht sich nach Konzerten mit den Gästen aus, die alle verschiedene Geschichten in den Songs sehen. Es macht Spaß, das offen zu lassen.“

Erzähl uns etwas zur Entstehung – wie lange hat das Ganze gedauert?

„Also die erste Skizze von ´Where Do We Go´ ist schon 2009 in einer Writingsession mit Robert und Rami Jaffee von den Foo Fighters entstanden. Rami lernten wir hier bei uns im Studio bei Köln kennen. Er arbeitete dort gerade mit Robert und einem befreundeten Singer/Songwriter aus L.A. zusammen, hörte unsere Songs und fragte, ob er nicht zeitnah wiederkommen solle, um mit uns Songs zu produzieren. In dem Moment fing für uns eine neue Reise an und sie ist bis heute spannend!“

Hat er auch an den Lyrics mitgewirkt?

„An manchen tatsächlich, ja. Rami ist nicht nur auf der Bühne, sondern besonders im Studio als Produzent einfach großartig. Er hat eine positive, naive, aber doch auch so gut durchdachte Art und Weise, mit Musik immer wieder so viel Spaß wie an Tag Eins zu haben – es ist ansteckend!

Bei den Lyrics ist es allerdings immer so eine Sache. Bis der Text seine passende Musik findet oder die Melodie ihren passenden Text – da kann man schon mal ungeduldig werden. Die beiden Parts müssen sich einfach finden und lieben lernen. Manchmal ist das aber auch auf Anhieb der Fall.“

Was sagt Rami denn zu den Songs, an denen er nicht mitgeschrieben hat?

„Er ist in jedem Song zu hören – 90% auf der Platte sind seine Orgeln, Synths und Strings. Obwohl er nicht alle produziert hat, ging es rege hin und her. Ich bin mir sehr sicher, dass er seine Favoriten hat, denke aber nicht, dass er jemals sagen würde, wenn ihm ein Song nicht gefällt. Dann sagt er lieber nichts und hyped dafür einen der anderen Songs in den Himmel.“

Ich habe gesehen, dass es bei Facebook bereits den ´BenjRose Fanclub of America´ gibt. Wie viele Konzerte habt ihr denn dort schon gespielt, um so einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen?

„Wir waren damals beim SXSW dabei und bekamen durch Rami fünf oder sechs Showcases. So konnten wir ein bisschen auf uns aufmerksam machen. Ich finde, als Musiker muss man auch mal in Austin, Texas, gewesen sein, wir hatten dort wirklich eine echt gute Zeit. Das Publikum war auch einfach anders. Genauso wie wir Deutschen auf jedes Wort von beispielsweise Philipp Poisel achten und die Lyrics auseinandernehmen und schnell entscheiden können, ob wir sie mögen oder eben nicht, haben es die Leute in Texas auch bei uns gemacht.“

Es wird immer wieder erwähnt, dass du dir auf deine bereits erreichten Erfolge und Erfahrungen nichts einbildest. Gibt es dennoch etwas, auf das du ganz besonders stolz bist?

„Mit den Jungs und dem Team und den Supportern um mich und uns herum fühlt sich das Ganze wie der Start von etwas Besonderem an – und darauf bin ich besonders stolz, ja.“

Where do you want to go?

„I wanna go on stage now. Forever!”

Aktuelles Album: Where Do We Go (Artfarm Records) VÖ: 14.06.

© 02. Juni 2019  WESTZEIT ||| Autor: Leonie Wiethaup ||| Photograf: Vien Tran Van