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ROYAL REPUBLIC

Positive Energie

Der Zeitgeist scheint ebenso verwirrt zu sein wie wir alle, und das hört man auch in den Charts, die zwanghaft wegschauen und sich in Oberflächlichkeiten verlieren, und einigen wenigen, die den anschwellenden Irrsinn verzweifelt versuchen aufzuarbeiten. In so einer Situation sind ein paar Jungs aus Schweden, die ein klares Bild von sich und ihrer Musik haben echt wohltuend, denn bei ihnen geht es nicht um die Dramen des Tages und eben so wenig um Liebe, Menschen, Welt, sondern um das gewitzte Feiern des Moments.

Denn noch leben wir alle und Royal Republic wollen mit ihrem energetischen, geradlinigen Pop-rock diese Art von Spaß teilen: Sie platzen vor Energie und Lebensfreude. Man kann sich die vier nicht mal depressiv vorstellen – unmöglich, dass auch sie irgendwo über die Zukunft grübelnd in der Ecke sitzen. Und wirklich wollen sie ganz bewusst möglichst viel von dem Wahnsinn, der die Welt zur Zeit im Griff hat, von sich fern halten.

„Wir waren gerade in London“, erzählt Schlagzeuger Per Andreasson, „und nach massig Burgern und Bier thematisierte ich dann doch irgendwann den Elefanten im Raum: ,Was ist eigentlich mit dem Brexit los?‘“

Sofort begann eine heftige Diskussion und für den Rest des Abends hatten sich ihre einheimischen Begleiter in den Haaren.

„Es war als wäre eine Bombe am Tisch geplatzt, die haben plötzlich wirklich nur noch gestritten!“

Kein Wunder, dass sich genau deswegen ihrem neuen Album ´Club Majesty´ absolut nichts zu solchen Fragen findet:

„Ja, wir machen das sehr bewusst“, sagt Frontmann Adam Grahn. „Wir haben zwar keine Regel dagegen, uns mit solchen Themen zu beschäftigen, aber sie entstehen nicht.“

Was auch gut so ist, denn die Malmöer sehen sich als eine Band, die vor allem für ihr Publikum da ist, sie rocken zwar aus Leidenschaft, aber es ist bei ihnen kein Selbstzweck.

„Ich hasse zum Beispiel unseren Song ,Underwear‘“, erklärt Adam und lacht. „Ich hasse, hasse, hasse ihn! Aber natürlich spielen wir ihn! Denkst du, die Eagles sehen das anders? Die machen das seit Jahrzehnten und jeden Abend spielen sie ,Hotel California‘. Weil die Fans es einfach wollen und dafür bezahlen. Ich war letztens bei Paul McCartney – will er noch ,Yesterday‘ spielen? Wahrscheinlich nicht. Und trotzdem tut er es immer und immer wieder.“

Was jetzt nicht heißt, dass die Jungs Kiss-ähnliche Kommerzeinstellungen haben – sie lieben es auf der Bühne zu sein, was ihr grotesk umfangreicher Tourplan und die unzähligen Festivals, auf denen sie auch letztes Jahr wieder waren, beweist – von den Plänen für 2019 ganz zu schweigen. Selbst wenn es jemand geben sollte, der sie nicht live sehen will, würde der zwangsläufig über sie stolpern.

Interessanterweise stehen die Jungs ausgerechnet mit dem Songschreiben ein bisschen auf Kriegsfuß.

„Die ersten zwei, drei Lieder macht es immer Spaß, aber dann müssen ja noch so zehn weitere kommen“, lacht Bassist Jonas Almén. Doch bevor es soweit kommen kann, entwickeln alle erst einmal unabhängig ihre Ideen „…und dann werfen wir es uns an die Köpfe, und sehen, was kleben bleibt“, sagt Adam. Bei ihnen entsteht nichts aus Jamming-Situationen, die Lieder werden von vornherein ganz präzise als knackige Stücke gedacht.

„Das schwierige ist, sie dann wirklich so kurz und klar zu bekommen.“, beschreibt es Per. Die Reibungen halten sich dabei in Grenzen, was es aber an Diskussionen gibt, befeuert das große Ganze. Vor allem aber stehen sich bei Royal Republic keine Egos im Weg, weder bei den Aufnahmen, noch auf er Bühne. Keiner besteht darauf, irgendwelche Soli spielen oder seine Part sonst wie hervorheben, niemand meint, ihm stehe mehr Aufmerksamkeit zu. Auch hier wieder – alles was sie tun, steht ganz im Dienst des Songs.



Ein bisschen Rock‘n‘Roll Lifestyle muss schon sein, auch wenn ihnen das früher gar nicht mal klar war:

„Am Anfang haben wir echt nur gearbeitet, und es war so gegen 2012, da sagte man uns, wir sollten auch Spaß haben“, erinnert sich Adam. Und diesen Rat haben sie sich seitdem zu Herzen genommen. „Auf der letzten Tour zu ,Weekend Man‘ haben wir so viel gefeiert wie noch nie!“, lacht er, „und diese Energie haben wir für die neuen Lieder mitgenommen!“

Aktuelles Album: Club Majesty (Arising Empire / Warner)

© 01. Juni 2019  WESTZEIT ||| Autor: Christian K L Fischer ||| Photograf: Leo Akesson