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SUBSHINE

Ein Blick auf ein besseres Leben

Wenn Ole Gunnar Gunderson eines nicht ist, dann ein Anfänger auf seinem Gebiet. Anfang der 2000er war der Norweger Sänger und Frontmann von Lorraine und konnte damit international auftrumpfen. Nun fängt er wieder von vorne an – speist von seiner Erfahrung, macht aber auch vieles anders und holt sich Hilfe von seinen Freunden. Ein Interview über die emotionale Entstehung des Subshine-Debüts ´Easy Window´.

Wie bist du mit der Musik in Berührung gekommen, die du nun selbst machst?

„Die Straße erschien als ich anfing, sie zu gehen, könnte man sagen. Ich habe zehn Jahre lang in einer Band gespielt und als das vorbei war, wusste ich nicht, was ich tun sollte. Ich hatte für einige Zeit eine unfreiwillige Pause von der Musik, aber ich schrieb die ganze Zeit – und einige Lieder davon trug ich schon lange in mir. William Hut, ein Freund von mir, half mir dann, zehn Songs auszuwählen, die sich gegenseitig zu einem Album komplettierten.“

Wie lange hast du am Album ´Easy Window´ denn insgesamt gearbeitet?

„Schlussendlich dauerte es etwa drei Jahre – das Album schrieb und nahm ich in der dunkelsten Zeit meines Lebens auf. Ich hatte meine Band verloren, machte eine schreckliche Trennung durch, trank viel und nichts sah für mich gut aus. Ich hatte aber das Glück, einen guten Freund wie William zu haben, der wusste, dass ich wieder an die Arbeit gehen musste. Er brachte Struktur in die Songs, holte mich ab und brachte mich zu Studio, arbeitete stundenlang am Gitarrensound. Tauschte Pedals aus, Verstärker, Mikrofone, Gitarre – sogar Plektren. Einfach, damit es genau richtig werden würde. Ich glaube, ich spielte in Florenz insgesamt sechs verschiedene Gitarren.“

Was hat dich dabei am meisten beeinflusst?

„Eine Menge Mainstream-Indie: Lykke Li, War On Drugs, M83 und Jonathan Wilson. Da ich schon immer ein großer Fan von Vangelis war, wird man das auch heraushören – ebenso wie Depeche Mode. Thematisch brachte ich das ein, was zu der Zeit in meinem Leben passiert ist.

Es geht ums Loslassen. Darum, sich an das zu erinnern, was man hatte, nun aber zu beginnen, von etwas anderem zu träumen. Wie gesagt das Album schrieb ich in der Dunkelheit – doch irgendwie folgte ich dabei immer dem Licht. Das führte mich zu diesem einfachen Fenster – zum easy window.“

Was entsteht dabei zuerst: die Musik oder die Texte?

„Das ist immer unterschiedlich. Ich folge dabei keinem bestimmten Ablauf. Manchmal kommen beides zur selben Zeit, manchmal habe ich eine Melodie, die jahrelang quasi herumliegt und auf die passenden Worte wartet. Das habe ich alles nicht unter Kontrolle.“

Aber du hast dabei alles allein gemacht?

„Ja, genau. Ich schrieb sowohl die gesamte Musik als auch die Texte selbst, bekam aber im Studio und bei der Produktion etwas Hilfe. Und ein wirklich brillanter Mixer kümmerte sich später um das Mixing von einer Albumhälfte.“

„Gibt es etwas, das du mit Subshine unbedingt anders machen wolltest als mit Lorraine?“

„Bei Lorraine hatten wir genau eine Art, alles zu tun, was auch cool war. Bei Subshine mache ich aber nun einfach das, was ich gerade möchte. Ich habe gerade eine ganze Tour alleine gemacht – nur ich und meine Gitarre – und es funktionierte. Nun toure ich noch mit Full Band durch Großbritannien, was ebenfalls funktionieren wird. Mit Subshine kann ich viel mehr Freiheiten an- und wahrnehmen.“

Gibt es ein Album, welches du gerne selbst geschrieben hättest?

„Früher ja, aber inzwischen nicht mehr. Ich bin sehr glück-lich mit dem, was ich mache, habe aber natürlich auch meine Lieblingsalben – zum Beispiel ´The Golden Age´ von Beck. Sicher hätte ich es gerne geschrieben, aber Beck hat es gemacht – das ist das einzige, was zählt. Jedes Mal, wenn ich ein gutes Lied höre, bin ich sehr dankbar dafür. Man weiß nie wann es passieren wird und es ist eines der Dinge, an die ich denke, wenn ich morgens aufstehe.“

Aktuelles Album: Easy Window (Apollon / Soulfood) VÖ: 19.07.

© 01. Juni 2019  WESTZEIT ||| Autor: Leonie Wiethaup