www.westzeit.de

BIG JOHN BATES

Für immer Schüler, für immer Streber

Seit Jahrzehnten spielt sich John Bates durch die Nuancen der Rockmusik und war in Bands wie Annihilator, Big John Bates & the Voodoo Dollz oder Big John Bates: Noirchestra aktiv. Mit letzteren veröffentlicht er dieser Tage nun das dritte Album ´Skinners Cage´. Im Gespräch erzählt er von seiner jugendlichen Wissbegier als lernender Musiker – und dass sich die bis heute eigentlich nicht gelegt hat.

Big John Bates gilt als eine fantastische Live-Band – kannst du dich auch noch an das erste Konzert erinnern, das du besucht hast?

„Das waren Van Halen auf ihrer ´Fair Warning´-Tour. Diese sehr dunklere Platte war ein großer Einfluss auf mich. Ich dachte „if Dave could sing I sure as hell could”!”

Wie kam es, dass du dir mit 14 Jahren selbst das Gitarrespielen beigebracht hast?

„Angefangen habe ich, indem ich zu AC/DC, Judas Priest, Jimi Hendrix und BTO mitgespielte. Ich tauschte einige Sachen gegen eine Gibson Marauder und fand die Barré-Akkorde heraus, indem ich Gitarristen im Fernsehen zuschaute. Für etwa sechs Monate schickten mich meine Eltern schließlich auch zum Unterricht, aber für mich war das nichts. Stattdessen beobachtete ich einfach so viele Gitarristen wie möglich, um mir ihr Wissen anzueignen. Ich war wie ein Schwamm, was das anging, wusste immer, was mir gefiel und konzentrierte mich darauf. Tatsächlich ging ich oft ein paar Meilen zu Fuß, um in einem Musikladen zu sitzen, der von John Ricci von Exciter geleitet wurde, um ihn mit Fragen zu löchern.“

In den Dekaden, die deine Musikkarriere inzwischen andauert, spieltest du in vielen verschiedenen Bands – mochtest du manche davon mehr als andere?

„Ich habe viele verschiedene Rockstile gespielt, aber die größte Ähnlichkeit ist, dass ich in jedem nach Atmosphäre und Unterhaltungswert gesucht habe. Ich denke, alle meine Bands waren darauf angewiesen, dass mindestens eine weitere spezifische Person beteiligt war, und als sich diese Partnerschaften auflösten, ging ich weiter. Wenn ich mir meine musikalische Entwicklung im Laufe der Zeit ansehe, kann ich definitiv sehen, was ich von jeder Gruppe behalten habe- Für mich muss alles eine Lernerfahrung sein!“

„Wie schreibst du deine Songs? Brauchst du dafür ein bestimmtes Umfeld?“

„Ich neige dazu, Textideen wie Fragmente aufzuschreiben und werde dafür meistens von Büchern, die ich zu dem Zeitpunkt lese, inspiriert. Danach bringe ich die Bilder zusammen und entwickle dabei ein Konzept. Gitarrenparts schreibe ich häufig, während ich Hockey oder Cartoons schaue und dabei schon fast meditiere. Beim Schreiben des neuen Albums ´Skinners Cage´ dachte sich unser Schlagzeuger Tyler die Frage „was will der Song?“ als unser Mantra aus – während der Arbeit an den Arrangements haben wir uns das immer wieder gefragt.“

Ich las, dass ´Skinners Cage´ davon handelt, wie man Verlust und Einsamkeit überwindet. Habt ihr das Geheimnis gelüftet?

„Als ich das sagte, habe ich wahrscheinlich an die Lyrics gedacht, doch das ganze windgepeitschte Gefühl, das wir einzufangen versuchten, ist auch ein großer Teil. Im Westen gibt es eine inhärente Einsamkeit, das ist aber nicht unbedingt schlecht. Anstatt jeden Moment zu füllen, versuchte ich die Zeit zu nutzen und nachzudenken. Ich lebte ein Jahrzehnt lang in meinem Boot auf dem Meer und gewöhnte mich an die Ruhe, und bevor Brandy nach Montana zog, lebte er in Alaska und erlebte dort die Einsamkeit. Leute zu beobachten, die versuchen, jeden Moment online zu verbringen anstatt das Leben zu genießen – nun, darum geht es beim Album-Cover.“

Mit ´Broken English´, ´Dead Moon Night´ und ´Moon Of Alabama´ gibt es auf dem Album auch drei Songs, die ihr nicht selbst schriebt. Warum habt ihr Marianne Faithfull, Dead Moon und Kurt Weill gecovert?

„Die Cover machen wir, weil es eine große Herausforderung ist, die Songs anderer Leute neu zu interpretieren. Es macht so viel Spaß, den Spirit zu finden, während wir das Gefühl verändern. Ich versuche immer, mindestens ein oder zwei pro Tour oder Aufnahme zu machen und haben auch immer noch zwei, die es nicht auf diese Platte schafften: ´March of the Pink Elephants´ von Dumbo und ´Fire Spirit´ von Gun Club. Vielleicht veröffentlichen wir ja eines Tages unsere Cover als Album – wer weiß.“

Aktuelles Album: Skinners Cage (Rookie)

© 01. Mai 2019  WESTZEIT ||| Autor: Leonie Wiethaup