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YOLA

Gospel, Soul und Roots

Wir erwischen Yola „on the road“, auf einer Interstate in der Nähe von Nashville, auf dem Weg zu einem langen, stressigen Tag voller Interviews und Promotion. Aber jetzt, so früh am Morgen, merkt man ihr nichts als Leichtigkeit, Energie und gute Laune an. Es ist noch eine Woche bis ihr Album erscheint, und obwohl sie schon so lange im Geschäft ist, wird dieses ´Walk Through Fire´ nicht anderes als ihr Debüt sein.

„Es ist so aufregend, doch irgendwie schaffe ich es zu schlafen – ich bin selbst ganz beeindruckt von mir!“, lacht sie. Dass mit dem neuen musikalischen Anfang wirkt sich dabei auf mehr als nur auf die Musik aus, es scheint als wäre Yola an einem Punkt, an dem sie ein ganz neues Leben anfängt.

„Ja, das ist so. Ich empfinde es auch so.“

Denn obwohl sie jetzt als Queen des Country-Soul gehandelt wird und in den Vereinigten Staaten mit ihrer Mischung aus Roots, Americana, Folk, Gospel und Soul die Szene neu ordnet, ist Yola eigentlich ein einfaches Mädchen aus Südengland. Um genau zu sein: aus Bristol. Dort begann auch ihre Karriere.

„Als ich 16 war, nahm ich einen Song mit einem DJ auf, für den ich die Melodie und den Text gemacht habe, auf einem Indie-Label – da hat es sich das erste Mal echt angefühlt.“

Sie machte Jazz, hatte eine Schulband, doch „als ich begriff, dass ich davon leben könnte, war ich schon so 23 und auf einer Tour in Australien. Ich war in drei Bands damals … - und zwei davon machten sich ganz ordentlich. Ich war echt überrascht.“

Irgendwann landete sie auch für kurze Zeit bei Massive Attack, um später Teil von Phantom Limb zu sein. Dann entschied sie sich für eine Solokarriere – und das hatte durchaus etwa beängstigendes. Doch sie hatte so lange im Hintergrund geschrieben und gearbeitet „und dieser Job ist ein so abhängiger. Du hast zum Beispiel nie den Zugang zum Mixen, du lieferst einfach nur ab und bekommst später dann ein Produkt, ohne dass du darauf noch viel Einfluss hattest.“

Sie brauchte drei Jahre bis sie wirklich mit neuen Sachen begann.

„Erst 2015 habe ich angefangen, lokal wieder in Bristol aufzutreten. Mit Rock bis Classic Rock – das war einfach ich zu der Zeit. Doch von da drückte ich es weiter in die Vergangenheit und über Grenzen, ich wollte mehr Roots werden …“

Yola hat einen eklektischen Geschmack, und genau den begann sie auszuleben. Dass dann ausgerechnet Dan Auerbach von den The Black Keys ein Video von einem ihrer Auftritte sah, war allerdings reiner Zufall. Dass er daraufhin ihr Album produzieren wollte nicht.

So haben sie zusammen in seinen Easy Eye Sound Studio in Nashville aufgenommen und sich dabei viele Legenden mit ins Boot geholt, die schon Songs für Künstler von Glen Campbell bis hin zu Aretha Franklin geschrieben haben.

„Das Album ist erst der Anfang“, erklärt Yola. „ich beginne gerade erst all die Genres, die ich erforschen will, zusammen zu bringen. Ich selbst bin jetzt erst am Anfang!“

Und obwohl sie so uramerikanische Mittel benutzt, hat niemand dort drüben ein Problem damit, dass sie eigentlich aus einer anderen Welt stammt.

„Mich hat schon immer die afrikanische Diaspora interessiert. Wir sind überall, aber da ist immer diese Verbindung, ein Gefühl von Gemeinschaft, die nicht von Grenzen beschränkt ist – nicht von denen, die die Kolonialisten gezogen haben und auch nicht von denen, die uns im Westen trennen. Darum ist auch so viel Gospel und Soul und Roots im Album, denn alle Permutationen davon sind Pop. Hier drüben wird das sofort verstanden …“

So führt sie also gerade ein Leben auf zwei Kontinenten.

„Ich liebe es, in Europa zu sein, ich mag es, so viele Länder beieinander zu haben – und all das Essen!“, lacht sie, „Ich bin gerne zuhause.“

Denn auch hier wird ihre Musik, trotz Nischendasein, mittlerweile verstanden – dank ´O Brother, Where Art Thou?´:

„Die Coens haben uns einen großen Dienst damit erwiesen, Roots und Gospel zu erklären, es auch in Europa verständlich zu machen. Ab da wuchs die Szene.“

Und für genau diese Szene will sie irgendwann auch bei uns „on the road“ sein. Wir dürften uns dankbar schätzen, wenn sie käme.

Aktuelles Album: Walk Through Fire (Nonesuch / Easy Eye Sound / Warner)

© 01. März 2019  WESTZEIT ||| Autor: Christian K L Fischer ||| Photograf: Alysse Gafkjen