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WILLE AND THE BANDITS

Groove und Seele

Der Daily Telegraph bezeichnet sie als eine der besten Live Acts Englands, BBC Radio 1 deklarierte sie zu eine der Top10 Bands des Glastonbury Festivals und Rock Society vergleicht sie mit Lynyrd Skynyrd und Bad Company. Wille and the Bandits werden gefeiert und das zurecht. Die Bluesrock-Band ist hochversiert und abwechslungsreich; lässt sich von Tom Waits inspirieren, ist Fan von Frank Zappa genauso wie von Powerballaden aus den 80ern. Auf Groove und Seele käme es an, so Frontmann Wille Edwards.

Was war das erste Bluesrock-Album, das du gehört hast?

„´Are You Experienced´ von Jimi Hendrix im Auto meines Vaters. Wir waren im Urlaub in Cornwall und ich etwa acht Jahre alt.“

Seit wann wolltest du Vollzeitmusiker werden?

„Als Kind träumte ich davon, Fußballer zu werden und für Tottenham zu spielen. Ich wollte wie Paul Gascoigne sein. Ich war sogar ziemlich gut und spielte auf hohem Niveau, wollte aber auch durch Australien reisen und mir anschauen, wo ich geboren wurde. Ich verließ also meinen Club und machte mich auf den Weg zur anderen Seite der Welt – wo auch meine musikalische Reise begann. Ich fuhr die Ostküste hinauf und hinunter, reiste mit verschiedenen Musikern, lernte von ihnen und entwickelte einen neuen Traum. Ein Typ namens Smokey brachte mir Slide-Gitarre bei und als ich zurückkam, war es als Musiker.“

Wie haben deine Eltern reagiert?

„Meine Eltern reisten viel als Hippies und haben mich immer in allem unterstützt. Aber so wie Mütter eben sind, war auch meine Mutter eher vorsichtig und wollte, dass ich einen Plan B habe. Ich ging also zur Uni und studierte Ingenieurwesen. Gerade dort knüpfte ich allerdings viele musikalische Kontakte und fand neben meinem Studium Zeit, meinen eigenen Stil zu entwickeln.“

Musst du in einem bestimmten Gefühlszustand sein, um Musik zu schreiben, mit der du tatsächlich zufrieden bist?

„Ich finde den Prozess des Aufnehmens und Schreibens immer fantastisch. Als Songwriter liebe ich es, Songs zu schreiben und sie dann im Studio zu etwas Besonderem zu machen. Es ist ein Prozess, den ich jedes Mal liebe.

Ich habe das Songwriting immer als ganz natürlich empfunden. Es ist nichts, was ich verfolgen muss. Je mehr man es versucht und sich zwingt, desto mehr entfernt man sich von der Essenz einer Idee. Man sollte für neue Ideen empfänglich sein, Sachen ausprobieren und das Lied die Kontrolle übernehmen lassen. Inspiration kann jederzeit kommen – man muss dafür nicht mit einer Gitarre auf den Gipfel eines Berges wandern und dort eine Stunde meditieren.“

Auch auf eurem neuen Album ´Paths´ ist die Musik wieder außergewöhnlich gut. Denkst du beim Schreiben daran, dass du dich besonders live auch noch auf das Singen konzentrieren musst?

„Ich habe beim Live-Spiel nie das Gefühl, dass ich mich zu sehr konzentrieren muss. Dafür verliere ich mich zu gerne in der Musik, transportiere mich an diesen besonderen Ort, wo ich den Groove und die Seele am meisten spüre. Einige meiner Gitarrenmuster und Gesangsphrasen sind zwar kompliziert, aber im Laufe der Zeit habe ich es geschafft, sie zu trennen und unabhängig voneinander zu kontrollieren.“

Du beschreibst ´Paths´ unter anderem damit, dass es euch endlich gelungen sei, die verschiedenen Klanglandschaften und ungewöhnlichen Instrumentierungen eures Sounds auf einem Album festzuhalten. „Endlich“. Würdest du sagen, dass ihr bei euren vorherigen Alben daran gescheitert seid?

„Nein, nicht unbedingt. Wir waren schon immer sehr eklektisch, haben das aber auf diesem Album in ein zugrundeliegendes Thema integriert. Indem wir zum Beispiel viele moderne Elemente mit einem Retro-Sound mischten.“

Was ist denn das Thema bei ´Paths´?

„Wir sind alle auf einer Reise, wir alle gehen unsere eigenen Wege. Einige bringen uns zur Freude und andere zum Leiden. Einige folgen wir mit unseren Lieben und manchmal teilen sich die Wege und wir gehen unsere getrennten Wege. Die Menschheit ist auf einem Weg, der zu unserer eigenen Zerstörung führen könnte. Wir alle hoffen, den Weg zu finden, der uns zum Glück führt.“

Aktuelles Album: Paths (Farm Hand Records / RTD)

© 01. Februar 2019  WESTZEIT ||| Autor: Leonie Wiethaup ||| Photograf: Marielle Newton