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LARKIN POE

Gift und Glauben

Als Rebecca und Megan Lovell 2010 beschlossen, als Larkin Poe weiterzumachen, nachdem sich ihre ältere Schwester Jessica – mit der zusammen sie im Teenager-Alter bereits als Lovell-Sisters gewesen unterwegs waren – ins Privatleben zurückgezogen hatte, da war die Welt in vielerlei Hinsicht noch einfacher.

Damals machten sich die Schwestern gerade daran, ihrer neuen Verantwortung als Songwriterinnen, Performerinnen und Frontfrauen insofern gerecht zu werden, als das sie eifrig an einer eigenen Zielrichtung als Musikerinnen suchten, nachdem sie zuvor im Folkpop- und Bluegrass-Business erste Erfahrungen sammeln konnten.

Dabei ließen sich Rebecca und Megan von einer Vielzahl von Inspirationsquellen leiten: Ihrer Erziehung etwa – denn die Schwestern wurden zu Hause von den Eltern unterrichtet; der Literatur – denn beide sind eifrige Leseratten; ihren musikalischen Vorbildern wie z.B. den Allman Brothers und immer wieder ihrer Herkunft - denn die Damen stammen aus Atlanta in Georgia. Obwohl sich dieser Selbstfindungsprozess letztlich jahrelang hinzog, mündete das schließlich bei jener Art von Musik, die den Süden der USA vielleicht am stärksten prägt: Dem Blues. Bereits das letzte Larkin Poe Album, ´Peach´, wies deutlich in diese Richtung; wobei das Album sogar zur Hälfte aus Cover-Versionen bestand. Auf dem neuen Album ´Venom & Faith´ machen sich die Schwestern den Blues nun auf ihre ganz spezifische Art und mit deutlich mehr eigenen Songs, auf eine durchaus zeitgemäße und moderne Art endgültig zu Eigen.

Was ist denn das wichtigste für Rebecca und Megan bei dem neuen Album?

„Also wir hoffen, dass der Hörer einen Eindruck davon bekommt, welche kreativen Möglichkeiten wir als Repräsentantinnen des weiblichen Blues des 21. Jahrhunderts haben“, erklärt Rebecca.

„´Venom & Faith´ beschreitet definitiv den Pfad, den wir auf ´Peach´ eingeschlagen haben“, fügt Megan hinzu, „der Haupt-Unterschied liegt aber im Songwriting begründet. ´Peach´bestand zur Hälfte aus Covern und zur Hälfte aus eigenen Stücken. Wir wollten aber dieses Mal mehr eigene Stücke schreiben und haben deswegen nur zwei Cover auf ´Venom & Faith´. Unser Ziel war, es, unsere eigene Geschichte mit unseren eigenen Texten zu erzählen – und dabei dennoch eine Hommage an die Geschichte im Auge zu haben.“

Könnte man sagen, dass ´Venom & Faith´ die neue Scheibe – auf der besonders oft das Call & Response-Verfahren zum Einsatz kommt – von Coverversionen alter Blues-Klassiker wie z.B. ´Black Betty´ beeinflusst ist? Diesen Song coverten die Schwestern ja bereits auf dem Album ´Peach´.

„Wir fühlen uns definitiv von allen Cover-Versionen inspiriert, die wir über die Jahre gespielt haben – natürlich auch ´Black Betty´. Wir haben vor zwei Jahren angefangen, unsere Lieblingssongs mit unserer ´Tip O' The Hat´-Video-Reihe als Lehrstunde für uns selbst ins Leben zu rufen – indem wir einfach alleine, in unserem Schlafzinmmer die Inspiration der alten Nummern aufgesaugt haben. Das beeinflusst heutzutage definitiv unser eigenes Songwriting.“

Was will uns denn der Titel des Albums - ´Venom & Faith´ - sagen? Ist das vielleicht eine Anspielung auf die politischen Verhältnisse in den USA?

„Unsere Songs sind eigentlich niemals politisch“, erklärt Rebecca, „sie handeln eher von Angelegenheiten des Herzens und der Seele als solcher. Der Titel des Albums entstammt dem Text unseres eigenen Songs ´Honey Honey´ und er soll die Seele und die Vibes des Südens repräsentieren – welcher unsere Scheibe und unsere Musik schwer beeinflusst hat.“

Mit ´Venom & Faith´ zeigen Rebecca und Megan Lovell deutlich, dass sich der Respekt vor der Tradition und das Interesse an der Moderne mit ein wenig Gift und Glauben durchaus versöhnlich und auf lebendige Art miteinander verquicken lassen.

Aktuelles Album: Venom & Faith (Tricky Woo Recs./ L´Hart)

© 01. Dezember 2018  WESTZEIT ||| Autor: Ullrich Maurer