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FAELDER

Unheilbar laute Rockmusik!

Wenn Künstler von extrem erfolgreichen Formationen einen neuen Weg einschlagen, um musikalisch neue Felder zu beackern, spricht man gern von einer Supergruppe. Wenn diese sich dann jedoch im Sound nicht 100% von der bekanntesten Truppe unterscheidet, in der ein Mitglied spielte, tauchen oft Gerüchte auf. Das muss nicht sein- die Westzeit fragte direkt nach, um sich an Fakten zu orientieren!

Die Tageszeit, in der die Grenze zwischen Tag und Nacht zu verschwimmen scheint, in der die Sonne untergeht, sich dunkle Schatten über das Land legen, ist subjektiv die Zeit von Sebastian „Van Lange“ Lange, Florian „Specki T.D.“ Speckhardt, Henning Verlage, Kai Niemann und Adrian Kehlbacher. Diese scheinbar ruhelosen Seelen haben sich zusammengeschlossen, um mit ´Unheilbar´ ein Album zu realisieren, dass kraftvollen Rock mit hymnischen Pop verbindet, zudem Kraft aus alten Quellen schöpft. Bassist Kehlbacher bringt einen neuen Rhythmus ein, während Keyboarder / Producer Verlage als Musiker von Unheilig bereits über vier Millionen Einheiten mit seinen Songs (in der heutigen Zeit spricht man nicht wirklich mehr von Tonträgern) verkaufen konnte. Die letzten vier Unheilig-Alben enterten jeweils den ersten Platz der Longplay-Charts. Der Graf, Stimme und Gesicht der erfolgreichen Formation, verließ mit Unheilig das große Rampenlicht, in dem sich Verlage nun neu orientieren möchte. Dazu holte er sich die Hilfe bzw. das solide Rock-Fundament von Lange und Speckhardt, die beide mit In Extremo seit Mitte der Neunziger Jahre den Mittelalter-Rock kultivier(t)en. Niemann, der neben fünf Solo-Alben im Jahre 2001 zudem mit der Top4-Single ´Im Osten´ ebenfalls eine mit einer Goldenen Schallplatte prämierte Veröffentlichung verantwortete, verleiht dem neuen Projekt die Stimme. Er erklärt, warum das Debut ´Unheilbar´ betitelt wurde:

„Es gibt ein Lied auf dem Album, dass so heißt. Wir finden, es ist ein schönes Statement. Mehrdeutig, und gleichzeitig eindeutig!“

Einige Hörer meinen, eine latente Nähe zu „Unheilig“ sei vorhanden… Lange und Speckhardt empfinden das anders. Sie bemerken, dass die Lyrik des Liedes tatsächlich bereits ungleich älter ist.

Niemann: „Der Text ist bereits 13 oder 14 Jahre alt. Ich weiß gar nicht, ob es Unheilig damals schon gab. Zumindest kannte ich die Formation noch nicht. Eine Nähe ist also eigentlich eher zufällig.“

„Da wird vermutet, dass man die Überlegung macht, wir nennen es so ähnlich. Doch das hilft einem nicht. Auf eine solche Art und Weise kann die Leute nicht veralbern“, bestätigt auch die In Extremo-Fraktion von Faelder. Verlage kann sich nicht dazu äußern, er befindet sich zum Zeitpunkt des Gespräches im Urlaub.

Der Song ´Mondenschein´ scheint stark von den 80er Jahren beeinflusst. Die Elektronik, bzw. der Song erinnern latent an Bands wie DAF (Deutsch Amerikanische Freundschaft).

Niemann: „Da sind mit Sicherheit Anleihen drin. Ich weiß auch, dass der Henning DAF hört(e). Es gibt einige Retros auf dem Album. Sounds, die auch aus der NDW-Zeit kommen könnten.“

Ein Bonustrack ist eine Neuinterpretation des Rio Reiser-Klassikers von 1986, ´Menschenfresser´.

Niemann: „Wir haben den Track gecovert, weil er ein starker, wichtiger, immer noch aktueller Song ist. Überhaupt war Rio Reiser unbestritten authentisch einer der Könige der Songwriter in Deutschland. In dieser Zeit von AfD & Co. ist das Lied immer noch sehr aktuell!“

´Menschenfresser´, ´Geh aus meinem Leben´, ´Ich bin schon tot´, ´Alles vergeht´… der Tod ist auf ´Unheilbar´ allgegenwärtig …

Niemann: „Ich glaube, lustige Themen können andere besser (umsetzen). Die Ärzte machen das z.B. sehr gut. Wir sehen den Tod in unseren Liedern eher als Metapher.“

Die düstere Themenwahl verbindet sich hervorragend mit dem atmosphärischen Breitwand-Mix des teilweise bombastisch arrangierten Pop Noir von ´Unheilbar´. Hier werden scheinbar doch noch neue Felder bestellt. Oder besser, Faelder? Warum überhaupt ´Faelder´?

Die Musiker lachen.

„Das ist ein streng gehütetes Geheimnis…“

Aktuelles Album: Unheilbar (Vertigo / Universal) VÖ: 05.11.

© 01. November 2018  WESTZEIT ||| Autor: Ralf G. Poppe ||| Photograf: Robert Eikelpoth