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MAYDAY PARADE

Mosaik

Die 90er und frühen 00er Jahre waren das reinste Mekka für Pop-Punk-Anhänger. Unzählige Bands haben sich einen Namen gemacht und manche sind bis heute noch ganz oben mit dabei: Blink-182, Sum 41, Simple Plan, Fall Out Boy oder auch Mayday Parade. Anders als einige ihrer Genre-Kollegen haben sich Jeremy Lenzo und Konsorten mit den Jahren allerdings nicht von ihren Anfängen abgewendet, sondern ihren Stil eher weiterentwickelt. Ebenso wie sie als Menschen erwachsen geworden sind, hat sich auch ihr Sound verändert.

„Als ich anfing, bewusst Musik zu hören, habe ich Will Smith und Britney Spears gehört“, so der Sänger. „Und später, mit 16 Jahren, hat mir ein Freund viel Musik gezeigt und mir CDs gegeben. Er war es, der mich mit Pop-Punk und Pop-Rock bekannt gemacht hat und ist wahrscheinlich auch der Grund, dass mein erstes selbstgekauftes Album ´Through Being Cool´ von Saves The Day war.“

Pop-Punk, Pop-Rock – was Mayday Parade seit Jahren machen, könne er zwar nicht festlegen, da jeder anders darüber empfinde, doch es sei definitiv Musik, die man während der High School-Zeit hört – „bis man seinen Abschluss macht, aufs College geht und sich plötzlich in einem anderen Umfeld wiederfindet.“

Ein neues Umfeld, in dem man so cool wie möglich erscheinen möchte und seine einstige Lieblingsmusik plötzlich verleugnet und sich anderen Bands widmet.

„Heutzutage hört man wegen der Sozialen Netzwerke immer schneller von Bands, durch Facebook und Instagram müssen sie nicht einmal Konzerte spielen, um Fans zu bekommen. Als wir Mayday Parade gegründet haben, gab es dagegen nur MySpace – und das war ausschließlich für Studierende“, erinnert sich Lenzo.

„Weil es uns aber schon eine ganze Weile gibt, betrifft und dieses Konkurrenzdenken nicht so sehr wie junge Bands, denn wir haben ja eine feste Fanbase und da sind mit Sicherheit auch einige Leute bei, die uns auch schon früher gehört und gemocht haben, denen es nun aber zu peinlich ist, es zuzugeben.“

2005 schreibt das Gründungsjahr von Mayday Parade, 2007 das des Debütalbums ´A Lesson In Romantics´ – und das des Mitgliederwechsels von Jason Lancaster und Jeremy Lenzo. Seit über einer Dekade besteht die Band aus denselben fünf Personen. Eine Familie, die von den Stärken der anderen ebenso gut weiß wie von den Schwächen.

„Mayday Parade ist eine Kollektion aus unseren individuellen Stilen“, beschreibt Lenzo und bezieht sich dabei auch auf den frustrierenden Teil der Band: „Wir haben nie viel Zeit zusammen, weil wir alle in den letzten Jahren in unterschiedliche Gegenden gezogen sind – Michigan, Florida, Tennessee. Wir schreiben dadurch nicht nur gemeinsam Songs, sondern vor allem auch unabhängig voneinander jeder für sich zuhause. Wenn wir zum Beispiel feststecken und nicht weiterwissen, dann schicken wir uns das bisherige Material zu und schauen gemeinsam, wie sich das Problem am besten lösen lässt. Doch wenn wir nicht feststecken, zeigen wir uns die Songs oftmals auch erst kurz bevor wir uns treffen, um an einem neuen Album zu arbeiten.“

Einen genauen Überblick hat somit niemand.

Als die Zeit für ihr inzwischen sechstes Album ´Sunnyland´ immer näher rückte, bemerkten sie plötzlich, dass sie aus über 80 Ideen wählen konnten, die sie innerhalb kurzer Zeit von Songs der Einzelpersonen zu Songs von Mayday Parade umformten; denn genau darin läge ihre größte Stärke, so Lenzo: Die Projekte einzelner zu etwas von allen zu machen.

Mayday Parade ist eine Collage, ein Mosaik. Es gibt keinen Chef, der den Ton angibt und alles allein entscheidet, wie es gerne mal der Fall ist, nein. Hier herrschen merklich und ganz old-school die Demokratie und Gleichberechtigung. Ist immer jeder mit jeder Entscheidung glücklich? – Gewiss nicht. Doch so wird es nun mal seit Jahren gemacht.

„Wir stimmen immer ab, wir machen nichts, ohne nicht vorher darüber gesprochen zu haben. Und egal, wie sehr jemand gegen etwas ist – wird er überstimmt, wird es so gemacht. Gerade bei dem Sound sind wir uns aber zum Glück meistens einig – auch in welche Richtung wir uns entwickeln wollten.“

Aktuelles Album: Sunnyland (Rise / ADA / Warner)

© 01. Juli 2018  WESTZEIT ||| Autor: Leonie Wiethaup ||| Photograf: Anna Lee