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THE EXPLODING BOY

Alarm! Alarm! Das Ende der Welt ist nah...

Ein einzelner Alarm, da sind sich die schwedischen Exploding Boy sicher, reicht beileibe nicht mehr aus, um uns endlich wach zu rütteln bei all dem Elend und Leid, das um uns herum einschlägt wie ein Bombenhagel. Grund genug, das neue Album mit einer Mehrzahl von Alarmen zu betiteln und mit satten Alternative-Beats und –Gitarren ein lautstarkes Zeichen zu setzen. Stefan Axell und Nicklas Isgren beziehen im Interview eindeutig Stellung:

´Alarms!´ Ist nicht nur ein sehr energiegeladenes Album, es ist auch voller politischer Statements. Wollt ihr die Leute aufrütteln, damit sie nicht wie die Schafe zur Schlachtbank geführt werden?

Stefan: „In erster Linie soll ´Alarms!´das Bewusstsein für die ganzen Ungerechtigkeiten in der Welt stärken und einen kritischen Blick auf alle Dinge, die gesagt und getan werden, schärfen. In unserer Welt passieren wieder so grausame Dinge, Rassismus, Sexismus und Homophobie haben wieder Hochkonjunktur, und wir sollten doch aus unserer Vergangenheit lernen und diesen ganzen Mist nicht schon wieder gedeihen lassen.“

Nick: „Daher sehen wir unser Album auch als Weckruf für alle, wachsam zu sein und den Mund aufzumachen.“

Der finale Track des Albums trägt den Titel ´11:59´. Glaubt ihr, die Welt ist am Ende?

Stefan: „Die Welt vielleicht nicht, irgendwie wird sie überleben. Aber die Menschheit und die Gesellschaft, so wie wir sie vielleicht bisher kennen gelernt haben, mit Sicherheit. Der Song thematisiert eine nukleare Katastrophe, auch wenn uns das hoffentlich erspart bleibt, wir tuen alle genug dafür, die Welt in eine Klimakatastrophe zu führen.“

Nick: „Wir werden nur überleben können, wenn wir jetzt! unsere Art zu Leben und mit der Natur umzugehen, ändern.“

Stefan: „Aber genau das tun wir nicht. Wir machen einfach weiter im Glauben an ein unendliches Wirtschaftswachstum, das so einfach nicht möglich ist.“

Da stellt sich dann die Frage, ob ihr überhaupt noch eure Zukunft plant?

Nick: „Doch, natürlich tun wir das. Wir sind nicht für die Ewigkeit geschaffen, und wir werden sicher das Ende der Welt nicht mehr erleben. Also sind wir auch ein Teil des Hier und Jetzt und leben unser Leben.“

Seit eurem letzten Album ´Four´ sind fast fünf Jahre vergangen, eine lange Zeit, habt ihr die ganze Zeit am neuen Album gebastelt?

Nick: „Sicher nicht die ganze Zeit, wir leben ja auch noch! Zudem haben wir zwei neue Bandmitglieder integriert, einige von uns haben Kinder und Familie, andere trinken Bier. Die ganz normalen Dinge halt, die von der Arbeit abhalten.”

Ihr seid für eure energiegeladenen Live-Shows bekannt. Wird Alarms! und damit The Exploding Boy auch wieder live in Deutschland zu hören sein?

Nick: „Auf jeden Fall. Deutschland ist wie unsere zweite Heimat. Im Sommer spielen wir ein paar einzelne Gigs, im Herbst werden wir dann eine größere Tour machen und auf jeden Fall für acht Shows auch wieder in Deutschland sein.“

Stefan: „Wir haben unsere größte Fan-Base in Deutschland, immerhin haben wir auch schon an die sechzig Shows in Deutschland gespielt, auch in Nordrhein-Westfalen, in Köln zum Beispiel, ich liebe Köln. Ich mag Land und Leute hier, wir haben mal auf dem Black-field-Festival in Gelsenkirchen gespielt und waren da in irgend so einer Metalkneipe in Essen.“

Nick: „Ja genau, und der Eigentümer war Mitglied von Kreator, ich kann mich erinnern, das war mal richtig cool.“

Mit ´Alarms!´ haben The Exploding Boy nicht nur im Albumtitel ein Ausrufezeichen gesetzt, das Album strotzt vor Aggressivität, ist aber gleichzeitig auch ein Weckruf, endlich die Zeichen der Zeit zu erkennen, und die Art und Weise, wie wir leben, zu überdenken. Man darf gespannt sein, wie die Schweden im Herbst ihr Album auf deutschen Bühnen präsentieren und sich bereits jetzt auf intensive Live-Erlebnisse freuen. Und in der Zwischenzeit bleibt sicher auch noch etwas Zeit, sich um die Familie und andere wichtige Dinge, Bier zu trinken, zum Beispiel, zu kümmern.

Aktuelles Album: Alarms! (AFM / Drakkar / Soulfood)

© 01. Juli 2018  WESTZEIT ||| Autor: Frank Hübner