www.westzeit.de

GRANADA

Graziöser Austrozismus

Fallen wir einfach einmal mit der Tür ins Haus: Die Stuttgarter Zeitung schrieb kürzlich, Granada aus Graz „sind wie Wanda – nur viel besser gelaunt“. Ein Vergleich wie aus dem Bilderbuch? Tatsächlich verbreitet Petritsch beim Gespräch eine ansteckende Fröhlichkeit, wie sie auch die beiden Granada-Alben vermitteln. Während das selbstbetitelte Debut noch Songs aus dem Film ´Planet Ottakrieg´ enthält, wendet sich ´Ge Bitte´ eher der ´BoyMeetsGirl´-Thematik zu.

Petritsch: „Sowohl das erste als auch das zweite Album sind einfach ´so´ entstanden. Es war zu keiner Zeit ein Veröffentlichungsdruck vorhanden. Motto – wir gehen mal ins Studio, und nehmen Songs auf.“

Genau diesen unbeschwerten Spaß merkt man den Alben der Grazer an. Entstanden war die Truppe seinerzeit nach einem Auftrag an Petritsch (der bis dahin lediglich englische Texte geschrieben hatte), die deutschsprachige Titelmusik zum o.g. Film im Dialekt zu produzieren. Darüber hinaus entstand Material, das Petritsch nicht verwerfen wollte. So versammelte er befreundete Musiker um sich. Granada war geboren. Der Titel des neuen Albums, ´Ge Bitte´, bedeutet auf hochdeutsch soviel wie „Ich bin nicht mit ihrem Handeln und Denken einverstanden.“

Petritsch: „Man kann die Aussprache auf verschiedene Weisen deuten. ´Ge Bitte´ passt, wie du es gesagt hast, jedoch auch, wenn man jemanden neckt oder Blumen schenkt. Im Sinne von ´… wäre doch nicht nötig gewesen´. Das sind die Vorzüge der Dialektik.“

Mundart von österreichischen Formationen wie z.B. Wanda oder Bilderbuch ist derzeit nicht nur in den deutschen Medien sehr angesagt.

„Ich glaube, es hätte jederzeit passieren können, Musik mit Dialekt zu komponieren. Weil ja auch die Musik viel transportiert, nicht nur die Sprache.“

Charakteristisch für die Sounds von Granada ist das Akkordeon. Einerseits ein urwienerisches Instrument, andererseits ebenfalls in der steirischen Musik sehr wichtig.

„Das Akkordeon ist ein Teil unserer Grundidee, die Multi-Kulti-Gesellschaft mit einem Instrument darzustellen. Ein Akkordeon steht nicht nur für Wien oder steirische Musik, sondern es hat zudem einen starken Balkan-Einfluss.“

Also unabhängige (independent) PopPunkMusik mit Akkordeon?

„Ja, das klingt wirklich gut!“

Der Track „Berlin“ enthält im Text mehrmals ein „…scheiß Berlin.“ Warum?

„Weil es das erfordert, finde ich! Man kann es der Stadt zumuten. Wer den Text nicht gleich versteht, kann es natürlich falsch interpretieren. Es ist sogar eine Liebeserklärung an Berlin. Das Thema ist, ein Junge und ein Mädchen aus Graz trennen sich. Sie geht nach Berlin, und hat einen neuen Freund. Aus Grazer Sicht ist das dann scheiß Berlin.“

Wie verhält es sich mit dem Wanda-Zitat der o.g. Zeitung? Petritsch lacht. Tatsächlich sind von Wanda derart gutgelaunte Statements schwerlich auffindbar, wie sie Petritsch im Westzeit-Interview verbreitete. Nachdem sein intensives Lachen langsam abebbte, suchte Petritsch nach den richtigen Worten:

„Ich finde die Vergleiche generell übertrieben. Eigentlich, musikalisch betrachtet, ist alles differenzierter.“

Ihm gefällt auch die Schublade ´Austropop´ nicht. Was durchaus verständlich ist, schließlich fanden die ersten Granada-Konzerte in einem ganz anderen Kontext statt. Petritsch hatte den Manager der Sportfreunde Stiller kennen gelernt. Durch ihn lernte die Formation ihren Produzenten Oliver Zülch kennen, und so kam eine Tour mit den „Sportis“ zustande.

„Unsere allerersten Konzerte haben wir aber mit Fiva & Das Phantom Orchester gespielt, lange bevor es überhaupt eine Platte von uns gab.“

Fiva ist der Künstlername der deutschen Rapperin, FM4-Radiomoderatorin und ZDFKultur-Moderatorin Nina Sonnenberg.

„Mittlerweile ist sie eine gute Freundin von uns!“

Und ebenfalls im o.g. Management.

Aktuelles Album: Ge Bitte (Karmarama / Sony Music)

© 01. Juli 2018  WESTZEIT ||| Autor: Ralf G. Poppe ||| Photograf: Carina Antl