www.westzeit.de

BLACKOUT PROBLEMS

Grenzenlos

Als die Blackout Problems vor zwei Jahren ihr Debüt ´Holy´ herausbrachten, war sicher nicht vorbestimmt, was heute rund um die Band passiert. Aber eben ihre Passion und der unbändige Wille, ihre Musik an den Mann und die Frau zu bringen, erlebt mit dem Erscheinen von ´Kaos´ einen neuen Höhepunkt. Immer größer werdende Touren etc. sind die Folge. Wir sprachen mit Sänger/Gitarrist Mario Radetzky über Songs, Sounds und Visionen.

Eure Ochsentour zahlt sich immer weiter aus – ist „Kaos“ nun der vorläufige Höhepunkt oder nur eine Bestandsaufnahme eines Prozesses, der irgendwie garnicht aufzuhalten ist?

„Wir freuen uns jetzt da zu sein wo wir sind. Ich persönlich bin aber kein Nostalgiker und gucke nicht allzu oft auf den Bestand der Dinge, noch fühle ich mich irgendwo „angekommen“. Daher würde ich mich auf zweiteres berufen und sagen, dass es nicht aufzuhalten ist und so kommt wie es nun mal kommt. Was uns freut ist, dass es immer weiter geht, so lange wir können und wollen und auch, dass es Menschen gibt, die uns sehen wollen. Das ist keine Selbstverständlichkeit für uns.“

Auf jeden Fall scheinen viele Leute gespannt zu sein, was ihr dieses Jahr zu bieten habt – eure aktuellen Dates waren zackig ausverkauft. Freut euch solcher Erwartungsdruck?

„Ach, Druck verspüren wir gar nicht so sehr. Wir gaukeln niemandem was vor. Die Leute, die sich Tickets kaufen, wissen wer wir sind und was wir ihnen geben und was nicht. Ich glaube da kommt keiner mit Erwartungen, die nicht zu erfüllen wären. Unsere Hörer wissen glaube ich mittlerweile, dass wir ihnen geben was wir können. Eine Portion Ehrlichkeit und eine Schippe Crazyness. Die Intimate Tour wird eine große Feier für uns mit vielen bekannten Gesichtern und wir wollen jeden Abend eine andere Setlist spielen. Das wird ein Riesenspaß. Im November geht das dann so weiter auf unserer KAOS Tour.“

Auch der Song ´Kaos´ überrascht mit anfänglich kaum zu erahnender Dynamik. Am Ende muss man dann aber doch zugeben, dass der Ausbruch nur eine Frage der Zeit war. Genauso schnell ist die Nummer dann aber auch vorbei – sind die Blackout Problems anno 2018 unberechenbarer denn je?

„Ja. Wir haben noch weniger Rahmen und Grenzen als zuvor. Für unsere neue Platte sowie für die kommenden Konzerte sollte man keine Scheuklappen mitbringen. Die werden kollektiv in einem großen Scheiterhaufen verbrannt. Wir standen schon immer für offene Arme, offene Grenzen und einen offenen Verstand, das reizen wir 2018 nur noch weiter aus.“

In ´Gutterfriends´ singt ihr „I get bored by limits“ – ist es nicht manchmal gar gut, Grenzen zu haben und eine Richtung gewiesen zu bekommen? Musikalisch lasst ihr uns hier jedenfalls spüren, dass es jede Menge Spaß macht, den Horizont zu erweitern und klanglich-sphärisch auch mal weiter zu laufen. Seid ehrlich: Der Bassdrum-Beat-Teil vor ´Here is your god now? hätte auch 10 mal so lang sein können und die Nummer wäre immer noch bombastisch!

„Tausend Dank! Das wird er live vielleicht auch werden... Am Anfang des Schreibeprozesses haben wir uns komplett frei gemacht von allem. Wir haben jegliche Genre-Grenzen in einem Schrank eingesperrt und drauf los probiert. Diese endlosen Möglichkeiten können hier und da schon verwirren und überfordern. Es ist in etwa so, wie wenn man nach dem Abi nicht weiß, welches Studium man beginnen soll. Oder doch lieber eine Lehre starten? Wenn man dann lang genug probiert und experimentiert findet man irgendwann wiederkehrende Muster. Diese kann man auch als Regulierungen sehen, wenn man will. Somit lenkt man eine Platte dann in eine Richtung. Es ist auch immer ein Ziel von uns, dass man sich ein Album von vorne bis hinten gut durchhören kann.“

Was ist die Geschichte hinterm Artwork? Sehen wir hier den Raum, der sich nach und nach aus allen Richtungen mit Gedanken füllt oder eher, dass hinter der Fassade viel mehr Abstraktes steckt, dass sich kaum gebührend darstellen lassen kann?

„Du triffst den Nagel schon sehr gut auf den Kopf. Wir haben bei KAOS den Blick nach innen gewagt und wenn man das tut eröffnen sich Räume die man vorher gar nicht so erwartet hat. Da kam der brutalistische Baustil ins Spiel. Er spiegelt die Verworrenheit und das Düstere der Psyche wieder.“

Aktuelles Album:

Kaos (Munich Warehouse / Cargo) Vö: 15.06.

© 01. Juni 2018  WESTZEIT ||| Autor: Axel Nothen