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HOTEL BOOKS

Ein Funken Hoffnung

Mit ´Equivalency´ veröffentlichen Hotel Books ihr inzwischen drittes Studioalbum. Das Projekt des kalifornischen Musikers Cameron Smith bewegt sich dabei im Spannungsfeld von intensiver Spoken Word-Performance, atmosphärischem Indie-Rock und energischem Post-Hardcore. Zu Beginn noch ein Soloprojekt, hat Smith inzwischen weitere Musiker um sich gescharrt und Hotel Books ist eine vollständige Band. Im Interview berichtet Mastermind Smith nun vom Aufnahmeprozess des neuen Albums, der Message in seinen Texten und einer seiner (überraschenden) Inspirationsquellen: Comedy-Podcasts!

Kannst du mir ein paar Hintergrundinformationen zu eurem neuen Album ´Equivalency´ geben? Insbesondere, welche Themen du in den Texten behandelst?

“Für mich ist ´Equivalency“ kein wirkliches Konzeptalbum, auch wenn es vielen Leuten vielleicht so erscheinen mag. Wie dem auch sei, es erzählt eine Geschichte. Ich wollte ein Album darüber schreiben, wie wir Entscheidungen im Leben fällen und dass diese Entscheidungen unser Leben komplett aus der Bahn werfen können. Dazu habe ich unter anderem die Stimme von Siri verwendet oder Aufnahmen von Sprachchats anderer Leute, in der Hoffnung, dass das Album das Leben des modernen Menschen repräsentiert.”

Texte sind offensichtlich das wichtigste Element eurer Musik. Was für einen Ansatz verfolgst du beim Schreiben von Texten? Woher nimmst du deine Inspiration und welche Message möchtest du den Hörern mit auf den Weg geben?

“Normalerweise habe ich eine Zeile im Kopf, die ich dann aufschreibe und beginne um diese Zeile herum Worte zu formen. Ich höre ziemlich viele Comedy-Podcasts und manchmal löst diese schonungslose Ehrlichkeit von Comedians etwas in mir aus, das mich dazu inspiriert weiterzuschreiben. Ich bin ein großer Fan von absurder Comedy, denn ich habe das Gefühl, sie reißt die Fassaden nieder, hinter denen wir uns im Leben oftmals verstecken. Ich möchte das in allen meinen Texten ein Funken Hoffnung durchscheint, egal wie düster sie manchmal auch sein mögen.”

´Equivalency´ ist bereits euer drittes Album. Was waren die Hauptunterschiede im Aufnahmeprozess im Gegensatz zu euren vorherigen LPs?

“Das Album wurde im Laufe eines Jahres aufgenommen. Wir sind immer wieder mit unserem Produzenten Nick Ingram ins Studio gegangen und haben Sachen an Songs verändert und solange herumexperimentiert, bis wir mit dem Ergebnis vollständig zufrieden waren. Bei den vorherigen Alben haben wir uns einfach einen Monat lang im Studio eingeschlossen und unter Druck die Songs aus uns herausgepresst. ´Equivalency´ dagegen bestand sozusagen aus verschiedenen Sessions, bei denen wir immer wieder Neues ausprobiert haben.”

Wie schwer ist es für dich deinen Alltag mit deiner Karriere als Musiker unter einen Hut zu bringen?

“Das ist schon ziemlich schwer. Wenn ich zuhause bin, sehe ich meine Bandkollegen nicht, denn sie leben alle in anderen Bun-desstaaten. Das ist schon ein bisschen seltsam. Wenn ich nicht toure, habe ich ein normales, alltägliches Leben. Ich wache auf, gehe arbeiten, esse etwas und gehe ins Bett. Der einzige Unterschied: Momentan arbeite ich als Comedy-Schreiber. Ich habe einen Film geschrieben, was ca. 99% meiner Zeit in Anspruch genommen hat. Die Band wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben, aber wenn ich zuhause bin, spielt sie keine große Rolle in meinem Leben.”

Aktuelles Album: Equivalency (Hassle Records / RTD)

© 01. März 2018  WESTZEIT ||| Autor: Jannik Holdt