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ALBERT HAMMOND JR

Erfüllt von Freude

Sein Vater schrieb einst unvergessene Welthits wie ´It Never Rains In Southern California´ oder ´The Air That I Breathe´, er selbst eilt seit fast 20 Jahren als Gitarrist von The Strokes von Erfolg zu Erfolg. Trotzdem ist Albert Hammond Jr bis heute so etwas wie der Star von nebenan geblieben. Mit uns sprach er über sein neues Solowerk ´Francis Trouble´.

Hammonds viertes Album abseits von The Strokes ist eine große Sache für den 37-jährigen Amerikaner. Während der Arbeit an der Platte, setzte er sich mit der Totgeburt seines Zwillingsbruders Francis und den Auswirkungen auf sein eigenes Leben auseinander und fand dadurch mehr zu sich selbst.

„Ich weiß jetzt viel mehr, was ich tun will“, gesteht der sympathische Lockenkopf, der im persönlichen Gespräch fast unerwartet bodenständig wirkt, als wir ihn Mitte Februar vor seinem Auftritt im englischen Nottingham erwischen.

„Künstlerisch bin ich heute viel entschlossener und zielgerichteter, und das empfinde ich als sehr aufregend. Ich habe das Gefühl, dass ich in allem besser geworden bin. Zu sagen, dass ich jetzt selbstbewusster bin, würde es nicht ganz treffen, aber ich bin erfüllt von der Freude, die ich durch meine Arbeit erfahre.“

Während Hammond auf dem neuen Album musikalisch den mit den Vorgängerwerken vorgezeichneten Weg weiterverfolgt, sind die Texte auf ´Francis Trouble´ eng mit seiner eigenen Person, seiner Identität verknüpft. Doch trotz des bisweilen tiefschürfenden Inhalts vergisst er nie den Rahmen, in dem er sich bewegt.

„Ich arbeite in der Entertainmentbranche, und mein Ziel ist es, mit einer Kunstform, die ich beherrsche, eine Verbindung zu den Menschen aufzubauen“, unterstreicht er. „Ich bin allerdings auch davon überzeugt, dass man sinnhafte, bedeutungsvolle Inhalte transportieren und gleichzeitig dabei Spaß haben kann. Man muss sich auch mal selbst auf die Schippe nehmen können! Das fehlt mir inzwischen oft. Zu viele Platten sind heute reiner Pop-Süßkram oder total indie und ernsthaft. Mit der neuen Platte habe ich versucht, den Mittelweg zu finden.“

Es wäre allerdings falsch zu glauben, die Beschäftigung mit persönlichen Themen hätte das Songwriting für Hammond zu einer größeren Herausforderung gemacht, als wenn er sich den Liedern stärker von einer rein handwerklichen Seite genähert hätte.

„Wenn du irgendetwas richtig gut machen willst, wirst du immer eine Art von Druck, eine gewisse Spannung verspüren“, ist er überzeugt. „Es macht den kreativen Prozess etwas verworrener, weil du ständig alles hinterfragst, weil es so viele verschiedene Wege gibt und immer wieder neue Möglichkeiten auftauchen. Genau das macht aber auch eine Menge Spaß.“

Denn so wichtig ihm seine Musik im Allgemeinen und die Texte des neuen Albums im Speziellen auch sind, inzwischen weiß Hammond auch, dass es bisweilen hilft, sich nicht zu viele Gedanken um die Konsequenzen seines künstlerischen Tuns zu machen.

„Man muss manchmal einfach loslassen“, sagt er. „Wäre ich Gehirnchirurg, würden meine Entscheidungen vielleicht schwerer wiegen, aber so, was soll das mir schon passieren?“

Aktuelles Album: Francis Trouble (Red Bull / Sony)

© 01. März 2018  WESTZEIT ||| Autor: Carsten Wohlfeld