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ANTI-FLAG

Präsident Trump, Nordkorea und Ich

Anti-Flag standen unter Schock. Vor knapp einem Jahr gewann Donald Trump die US-Präsidentschaftswahlen und überraschte mit seinem Sieg an den Wahlurnen vor allem die, die bis zum Schluss auf Hilary Clinton als Gewinnerin des Abends hofften: „Anfänglich sah es überhaupt nicht danach aus“, erinnert sich Sänger Justin Sane, „die Demokraten führten und urplötzlich gewannen die Republikaner einen Bundesstaat nach dem anderen. Es war surreal mitanzusehen.“

Der sprichwörtliche Morgen danach ist nun gekommen und so will das neue Album der Band all jenen Mut machen, die den Kampf für ein weltoffenes Amerika nicht aufgegeben haben. ´American Fall´ ist Weckruf und Provokation in einem – gespickt mit Songs, die Verantwortung übernehmen und sich bewusst einem Risiko aussetzen, das nur schwer einzuschätzen ist.

Schlechte Laune lassen Anti-Flag nicht aufkommen, sitzen gesprächsbereit im Office ihres Labels und schlürfen den ersten Kaffee des Tages: „Es ist immer wieder toll nach Deutschland zu kommen. Zuallererst wegen unseren Fans, aber auch aufgrund der Art und Weise, wie Donald Trump hier verhandelt wird.“

Erklärt Bassist Chris Barker und betont, dass ihr neues Studioalbum ´American Fall´ ähnlich mit der US-Wahl ins Gericht gehe wie die Medien hierzulande. Mit dem Unterschied jedoch, dass Anti-Flag in Trump eine Chance sehen, denn politisch konservative Verhältnisse beflügelten schon immer die Kunst:

„Es gab nicht eine Sekunde im Studio, die nicht energiegeladen war. Wir mussten uns während der Aufnahmen teils bremsen, so motiviert war jeder innerhalb der Band“, freut sich Justin Sane und lobt seine Kollegen im Interview gleich mehrfach für ihre Ausdauer und Hingabe.

Seit fast 20 Jahren zeigen Anti-Flag allen Gegnern den ausgestreckten Mittelfinger und lassen sich von den neuerlichen Kriegsgebärden ihres Präsidenten nicht irritieren.

„Die Formel dahinter ist einfach: Wenn Amerika im Krieg ist, wurde der amtierende Regierungschef im Amt bislang immer bestätigt. Trump sieht in Nordkorea eine Möglichkeit Stärke zu zeigen.“

Was albern wäre und trotzdem sind solche Drohkulissen inzwischen Teil der amerikanischen Tagespolitik. Was kaum jemandem weiterhilft und so lehnt sich ´American Fall´ mit beinhartem Punk-Rock und kraftvollen Hooks dagegen auf – ohne Rücksicht auf Verluste wohlgemerkt:

„Wir wissen das dieses Album ein ganz besonderes ist“, bekräftigt Chris Barker. „Dieses Mal werden wir mehr Gegenwind bekommen und es wird Leute geben, die uns für diese Platte verurteilen – denen stellen wir uns aber entgegen und setzen auf das, was Anti-Flag schon immer ausmachte: Selbstbewusstsein und Durchhaltevermögen.“

Weiter, immer weiter lautet das Motto von Anti-Flag im Jahre 2017 und die Koffer für die anstehenden Tour-Termine sind bereits verstaut. Ihr wichtigstes Gepäckstück ist selbstredend ´American Fall´, dass die Punk-Rocker in Bestform präsentiert und in den ersten Rezensionen als großer Wurf gefeiert wird.

Erfolge, die natürlich niemanden den Kopf verdrehen: „Wir können Songs gegen die Stagnation schreiben, die Politik ändern aber nicht.“

Die Hoffnung auf bessere Zeiten kann Anti-Flag niemand nehmen. Der anfängliche Schockzustand ist ein Jahr nach den US-Wahlen einer Kampfansage gewichen – allen Risiken zum Trotz.

Aktuelles Album: American Fall (Spinefarm)

© 01. Dezember 2017  WESTZEIT ||| Autor: Marcus Willfroth