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ASP

Der Zyklus lebt...zutiefst

Die Bandgeschichte „ASP“ ist seit den frühen 2000ern geprägt von der Erschaffung des Zyklus „Der schwarze Schmetterling“, der die Band bis ins Jahr 2007 begleitet, gefolgt vom in der Szene äußerst erfolgreichen „Krabat-Liederzyklus“ Zaubererbrüder. Bereits seit 2011 arbeitet Alexander Spreng bereits an dem neuen Liederzyklus „Fremder“, in diesem Jahr erscheint nach Arbeiten an anderen Projekten der zweite Teil „Zutiefst“.

Mit dem zweiteiligen Konzeptalbum ´Verfallen´, hattest du den zuvor begonnenen ´Fremder´-Zyklus - um die beiden Werke ´Fremd´ und ´Maskenhaft´- unterbrochen und führst jenen nun mit dem neuen Album ´zutiefst´ fort. War dieser Zwischenstopp wichtig, um mit Abstand, neuer Energie und neuen Impulsen an jenes dritte Kapitel heranzutreten.

„Ohne das richtig geplant zu haben: Ja. Die beiden ´Verfallen´-Alben waren eine ungeplante Geschichte, die sich durch den Kontakt zu Kai Meyer ergab und für die der damalige Zeitpunkt reif und richtig war. Er schrieb diese Kurzgeschichte und ich hatte direkt die entsprechenden Ideen dazu, wie ich jene gerne umsetzen mochte. Daher war klar: Wenn nicht jetzt, wann dann? Da ich das unbedingt machen wollte, blieb der ´Fremder´-Zyklus vorerst liegen. Dorthin jetzt zurückzukehren, war die logische Konsequenz des nächsten Albums, zumal mir auch bewusst war, wie viele Ideen sich bereits angesammelt hatten. Die Geschichte um ´Verfallen´ lief arbeitstechnisch ganz anders, als alle meine zuvor veröffentlichten Werke, da es eine chronologisch erzählte Story darstellt und mit dem Schreiben eines Theaterstücks oder eines Romans vergleichbar ist. Das war eine grandiose, aber auch unheimlich anstrengende Erfahrung, da ich mich beim Schreiben und Komponieren völlig neuen Herausforderungen stellen musste.“

Steht damit die Geschichte bei einem solchen Zyklus oder die musikalische Entwicklung im Vordergrund?

„Da passt sich die Story an die musikalische Erfüllung an - und umgekehrt. Dann geschah noch eine zweite Sache, die ich so nicht erwartet hätte; nämlich jenes selbsttherapeutische Schreiben. Die Musik ist für einen selbst ein ganz wichtiges Ventil und ich hatte vollkommen unterschätzt, wie sehr es mir gefehlt hat, über mich und meine Gefühle zu schreiben. In der Nachbetrachtung ist ´Verfallen´ eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte - aber die Arbeit an ´zutiefst´ hat direkt ein Ventil in mir gelöst, aus dem die Ideen geradezu herausgesprudelt sind.“

Dennoch besitzt ´zutiefst´ einen übergeordneten roten Faden, Wie würdest du diese Inhaltsthematik in deinen Worten beschreiben?

“´zutiefst´ setzt genau dort an, wo ´Maskenhaft´ vor rund vier Jahren aufgehört hat. An dessen Ende befanden wir uns an einer Klippe und stürzen von dort ganz tief ins Meer. Dieses Tiefseethema war etwas, das ich mir schon lange ausgedacht hatte. Meeresthemen sind in der Musik grundsätzlich sehr beliebt. Ich weiß nicht. woran das liegt, aber wenn ich Kollegen zuhöre, so hat es oftmals mit der großen Freiheit oder Seefahrer- und Piratengeschichten zu tun. Genau das wollte ich nicht tun, da sich bereits so viele Leute daran ausgetobt haben. Für mich ist die Tiefsee eine tolle Metapher für den modernen Menschen an sich. Wir schaffen es ins All zu fliegen, sind in allen Belangen vernetzt und fortschrittlich, wissen aber nicht, was tief unter uns sowie im Innersten unserer Seele vorgeht.“

´zutiefst´ ist gleichfalls ein Synonym für das tiefe Innere im Menschen. Wie stark sind dabei gewisse autobiographische Züge?

„Das ist schwer zu beantworten. Manchmal denke ich: Gar nicht. Aber dann wieder: Überaus stark. Es sind nie direkte Auslöser, sondern die Summe an Erfahrungen, die mich dazu drängt, das Ganze auf einer metaphorischen Ebene zu verarbeiten und auf eine rätselhafte Art damit umzugehen.“

Es gibt bereits genügend Musik, die alle Fragen beantwortet und dem Hörer keinerlei Interpretationsmöglichkeiten bietet. Im Schlagermetier ist das sehr beliebt, wo es nur Stichworte und Antworten gibt. Aber man erfährt nichts über sich selbst. Auf mich besitzt es eine therapeutische Wirkung, Musik und Texte zu schreiben; weshalb ich dieses Gefühl an den Hörer weitervermitteln möchte.

´Zutiefst´ erscheint in diesen Tagen als CD in diversen Variationen, darüber hinaus ist ASP auf der im Oktober startenden Tournee überall in der Republik unterwegs.

Aktuelles Album: zutiefst (Trisol / Soulfood) VÖ: 03.11.

© 01. November 2017  WESTZEIT ||| Autor: Frank Hübner