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ALEXANDRA SAVIOR

Mystery Girl

Bereits 2012 veröffentlichte Alexandra Savior erste Songs im Web – und schon damals wurde Courtney Love auf sie aufmerksam. Es dauerte dann aber ganze fünf Jahre, bis nun ihr – zusammen mit Alex Turner von den Arctic Monkeys geschriebene - Debüt-Album ´Belladonna Of Sadness´ erscheint. Das hat aber alles seine Gründe, denn die Musik war nur eine der Optionen für sie, sich künstlerisch auszudrücken:

„Ich habe mit 14 angefangen Songs zu schreiben – aber damals war ich mir noch gar nicht sicher, dass ich eine Musikerin werden wollte“, erinnert sich Alexandra, „ich bin aber immer schon auf allen Ebenen kreativ gewesen – als Malerin, als Fotografin, als Schauspielerin und sogar als Videofilmerin – und hatte eigentlich gedacht, dass ich als Theaterschauspielerin in Los Angeles arbeiten könnte, wohin ich 2013 zog. Aber dann hat sich diese Möglichkeit zerschlagen und dann habe ich die Musik als die beste Möglichkeit gesehen, mich darzustellen und meine Geschichten erzählen zu können.“

Wofür steht der Titel des Albums ´Belladonna Of Sadness´ - denn der Arbeitstitel des Werkes war lange Zeit ´Strange Portrait´ gewesen?

„Ich habe das Album so genannt, weil ich diesen wunderschönen japanischen Animationsfilm gleichen Namens gesehen habe“, erklärt Alexandra, „es ist mit Abstand das Schönste, was ich je gesehen habe und ich fühlte, dass ich mich irgendwie mit dem Titelcharakter identifizieren konnte und dass das Ganze das Thema des Albums am besten widerspiegelte. Das war für mich dann die Inspiration für den Namen meines Albums.“

Dazu sollte man wissen, dass es sich bei dem genannten Film um einen künstlerisch anspruchsvollen Animationsfilm von 1973 handelt, in dem – mittels einer psychedelischen Aneinanderreihung kunstvoller Tableaus, die sämtliche neuzeitliche Kunstperioden der westlichen Welt emulieren – eine märchenhaft und erotisch wagemutige Variante der Jeanne D'Arc-Geschichte erzählt wird. Die Titelheldin – Jeanne – wird vom Teufel verführt und besessen, von den Menschen ausgestoßen, als Hexe verfemt und obwohl sie mittels des Saftes der giftigen Belladonna-Pflanze heilende Kräfte entwickelt, schließlich als Ketzerin auf dem Scheiterhaufen verbrannt. In der Bio zu Alexandras Scheibe gibt es etwa ein Zitat von ihr, das besagt, dass das Thema, das der Zuhörer von ´Belladonna´ mitnehmen könne, die ´Rache´ gewesen sei. Und damit wären wir wieder bei dem Anime-Thema – denn auch Jeanne will sich immer wieder für irgend etwas rächen. Was meint denn das mit Bezug auf Alexandra Savior? Wofür will sich Alexandra denn rächen?

„Also das ist vielleicht nicht mein bestes Zitat“, überlegt sie, „ich hätte da einen anderen Begriff wählen sollen – wie zum Beispiel 'Trotz` oder 'Verachtung'. Das hängt aber mit der Geschichte hinter den Songs zusammen. Als ich anfing, selber Songs zu schreiben, habe ich mich stets in der Opferrolle gesehen, mich falsch behandelt gefühlt, mich unterdrückt gesehen. Ich dachte immer, dass sich alle gegen mich verschworen hätten. Als ich die Songs schrieb, war das mein stärkster Antrieb – es allen anderen also mal so richtig zu zeigen und eine gewisse Verachtung zum Ausdruck zu bringen. Inzwischen ist mir allerdings klar geworden, dass ich da ein wenig über das Ziel hinausgeschossen bin – auch weil und indem ich diese Songs schrieb.“

Das heißt also, dass die düsteren Schattenlicht-Lyrics Alexandras ein wenig übertreiben?

„Alles, was ich lese oder anschaue sind Romane oder Spielfilme – und deswegen spielt die Fiktion eine große Rolle in meiner Kunst“, erklärt sie, „es muss aber auch immer ein wenig mystisch oder magisch zugehen in meinen Stories – ich brauche immer ein wenig Fantasy.“

Nicht umsonst heißt also einer von Alexandras Songs ´Mystery Girl´ - denn das ist vielleicht noch die konkreteste Bezeichnung, die man Alexandra Savior angedeihen lassen könnte.

Aktuelles Album: Belladonna of Sadness (Columbia Records / Sony)

© 01. Mai 2017  WESTZEIT ||| Autor: Ullrich Maurer