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GORE - Eine Legende kehrt zurück

Die Geschichte dieser legendären Venloer Band ist viel zu tief und wechselvoll, als dass wir sie zu 100% ergründen könnten. Deshalb soll sich dieses Interview mit Mitbegründer und Mastermind Rob Frey nur auf ein paar markante Punkte konzentrieren. Wir hoffen damit auch den Gepflogenheiten des digitalen Zeitalters und der sozialen Medien gerecht zu werden. Neugierigen LiebhaberInnen der härteren musikalischen Gangart sei die neue Website von Gore wärmstens empfohlen.

34 Jahre nach der Gründung von Gore veröffentlicht Ihr das Album Revanche mit zehn (von ursprünglich 20) gründlich überarbeiteten Tracks der Doppel CD Lifelong Deadline von 1992. Damals waren Ihre drei Interpreten Van Reede, Koolen und Frey nicht ganz glücklich damit. Warum der Re-Release?

"Wie du schon sagst, waren wir damit nicht zufrieden. Es war ein zu komplexes Projekt, dem schließlich die Musikalität zum Opfer fiel, und wir wollten das nach all den Jahren korrigieren."

Enthält der Tonträger auch neues Material? Wenn ja, inwieweit ist es "neu"?

"Nicht neu, aber neu aufgenommen. Meiner Meinung nach ist es ein Meisterwerk. Ganz klar. Wenn du ein Exemplar haben möchtest, dann schicke ich es dir gerne zu."

Welche Rolle spielte Terry Date (Slayer, Pantera, Limp Bizkit, Slipknot) und wie seid Ihr an ihn gekommen?

"Wir haben einfach eine Liste unserer Lieblingsproduzenten/Mixer gemacht und einstimmig festgestellt, dass Terry unser Favorit ist.Dann habe ich sein Management angerufen und wir sind an die Arbeit gegangen."

Man sagt, dass Gore schon vor drei Dekaden wegweisend waren für eine ganze Reihe jüngerer Bands und musikalischer Entwicklungen in den Genres Stoner Rock, Metal und später sogar Math-Rock. Wart Ihr Euch eures Einflusses eigentlich selber bewusst?

"Nein, und ich glaube das auch nicht. Das haben die Medien daraus gemacht. Gore war und ist ein sehr tightes Outfit mit einer einzigen Mission: Gore."

Mir fällt spontan nur eine total instrumentale Band ein: The Shadows ;8) Warum waren Gore zwar immer laut, aber stumm?

"Sänger sind Ego-Tripper und ich hasse sie."

Konntet ihr Eure Reputation jemals versilbern? Hast du eine Motoryacht und eine Villa in Malibu?

"Es gibt ein paar, die an uns bestens verdient haben, und ich selbst hatte in den 10 Jahren, die es uns gab, keinen Grund zum Klagen, und ich bin mit dem, wofür Gore steht, zufrieden. Und nicht zuletzt ist es ja auch noch eine gute Story."

Kannst Du unseren jüngeren Lesern was zu Venlos Stellenwert für die Musik der 80er Jahre erzählen?

"Die 80er Jahre? Hör mir bloß damit auf. Ich bin mit diesem Nostalgie-Scheiß so was von fertig, dass ich nicht viele positive Dinge hinzuzufügen habe. Zwei Worte sollten reichen: 'glücklicherweise vorbei'. Im Übrigen verweise ich auf den genannten Artikel im Venloer Jahrbuch 'De Buun' von 2010. Das heißt aber nicht, dass ich die 80er Jahre nicht mal gerne ein bisschen ausleuchten würde. Speziell, was daraus dann noch geworden ist. Aber das ist, wie Du schon in einer E-Mail angedeutet hast, ´eine sehr tiefe Geschichte´."

Wie kam es zur Reunion? Irgendwie passt das nicht zu Eurem Selbstverständnis...

"Richtig, das finde ich auch, und damit muss ich zu leben lernen. Ohne Scheiß. Ich habe seit 1997 jedes Jahr eine Bewerbung für ein Wiedersehen erhalten und habe nicht ein einziges Mal auch nur daran gedacht. Mir hatte diese schroffe Ablehnung immer sehr gefallen. Meine beiden Mitstreiter mussten dann auch mit Engelszungen auf mich einreden und am Ende war es eigentlich nur die Chance, mich mit 'Revanche' für 'Lifelong Deadline' zu rächen, die mich umgestimmt hat.

Bohren & der Club of Gore aus Mülheim an der Ruhr ziehen in ihrem Namen den Hut vor euch. Fühlt Ihr euch geschmeichelt?

"Na klar. Anerkennung ist doch immer schön."

Euer erster Drummer Danny Arnold Lommen trommelt für Caspar Brötzmann Massaker. Ist sonst noch wer aus den alten Line-ups berühmt geworden?

"Ich glaube, der ist schon seit Jahren nicht mehr bei CBM. Ich hatte nie wieder Kontakt mit einem der Gründungsmitglieder und glaube auch nicht, dass sie mit meiner Fortsetzung damals oder heute sehr glücklich waren. Ich glaube nicht, dass sie mit meiner Fortsetzung damals wie auch heute besonders glücklich sind."

Warum meinst Du, dass "sie sind nicht sehr glücklich sind"? 

"Danny hatte von 1988 bis 1992 gegen mich prozessiert und verloren. Und Pieter hatte ich 2007, als Southern Lord unsere ersten beiden Alben wiederaufgelegt hatte, zum Kaffee eingeladen. Es stellte sich damals, 20 Jahre später, heraus, dass er sich immer noch nicht von meinem - Zitat - 'kreativen und geschäftlichen Terror' erholt hatte."

Ihr seid im April in Berlin, Hamburg, Brüssel, Leipzig und Tilburg aufgetreten. Ist Euch euer Publikum treu geblieben? Wie waren Eure Shows besucht?

"Es gibt immer noch eine gewisse Resonanz, aber ein Großteil unseres ehemaligen Publikums war inzwischen Mitte fünfzig gewesen, genau wie ich, und viele von ihnen sind, im Gegensatz zu mir, mit ihren Jugendproblemen längst fertig. Und aus Nostalgiegründen brauchen wir es sicherlich auch nicht zu tun. Die Shows werden sehr gut und werden sogar immer noch besser. Und schließlich werden wir weit über die 'alten' Gore hinausgehen um sie schließlich hinter uns zu lassen."

Wer hatte eigentlich die Idee zum ZPF-Auftritt?

"Johan Hauser, der Booker vom Venloer Poptempel 'Grenswerk'."

Ist das vielleicht ein Indiz dafür, dass das Interesse der jüngeren Generation doch größer ist, als Du vielleicht vermuten würdest?

"Ich weiß es nicht. Es gab schon immer eine kleine Gruppe von Leuten, die sich ernsthaft für diese Nische interessiert hatten, aber ich wage zu bezweifeln, ob die am Sonntagnachmittag um 18 Uhr das Zelt füllen werden."

Wir werden es ja sehen. Rob, vielen Dank für das Gespräch!

Inoffizielle Website zum Thema Gore:

http://historyofgore.blogspot.com/p/blog-page_24.html
Weitere Infos: gore-revanche.com
© 16. Juli 2019  WESTZEIT ||| Text: Wolfgang Linneweber (www.dialect.de) ||| Datenschutz
Juli 2019


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