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BLAQK AUDIO - Nicht nur etwas. Alles!

Entweder, oder. Oder? Davey Havok und Jade Puget haben sich für dafür entschieden, sich nicht entscheiden zu müssen. Sie ziehen beides durch: Alternative-Rock und Synth-Pop. AFI und Blaqk Audio. Einfach ist das jedoch keineswegs, denn früher oder später muss eben doch etwas zurück-stecken – meistens Blaqk Audio.

Bereits 2001 schrieben die beiden langjährigen Bandkollegen Musik für ihr neues Projekt, doch aus Zeitgründen sahen sie sich gezwungen, fünf Jahre lang zu pausieren. Das Blaqk Audio-Debütalbum ´CexCells´ konnte dadurch auch erst 2007 erscheinen. Weitere fünf Jahre zogen bis zum Zweitling ´Bright Black Heaven´ ins Land, danach nochmal vier bis ´Material´. Immerhin, es geht immer schneller voran, doch bis zum vierten Longplayer dauerte es trotzdem wieder drei Jahre.

„Niemand – und auch ich nicht – will so lange auf neue Musik eines Künstlers warten – und schon gar nicht heutzutage“, erklärt Jade Puget. „Wir hatten so oft schon neue Songs für Blaqk Audio bereit und ready to go, doch dann kam immer AFI ins Spiel und wir hingen in der Warteschleife.“

So auch dieses Mal, denn die meisten Tracks von ´Only Things We Love´ entstanden bereits 2017.

Es klingt beinahe wie ein klassisches „First World Problem“: Man hat zu viel Neues parat und kann nicht alles auf einmal veröffentlichen und gleichzeitig regeln. Viele Musiker wünschen sich das wahrscheinlich; stecken in Schreibblockaden fest, können keine Ideen weiterentwickeln oder Gedanken festhalten. Puget und Havok schreiben dagegen einfach satte 69 Songs für ihr nicht mehr ganz so nebensächliches Nebenprojekt und müssen sich schließlich für ihre zwölf Favoriten entscheiden. Ein demokratisches Abstimmen mit nur zwei Bandmitgliedern ist allerdings schwierig, irgendwann müssen zwangsläufig Kompromisse geschlossen werden.

„Es ist echt schade, dass wir nicht einfach ein 69-Track-Album veröffentlichen können“, lacht der Songwriter. „Es gibt eine ganze Reihe von Songs, die ich gerne auf dem Album gehabt hätte, doch so läuft es bei uns nun einmal ab: Wir beschließen alles zusammen.“

Eine starke Auswahl ist es in jedem Fall geworden: ´Only Things We Love´ ist absolut facettenreich. Elektronischer Pop und Wave, etwas Industrial, viel Synth. Exotisch und hymnisch – und sogar mit den Klängen echter Gitarren.

„Es gab in der Vergangenheit bereits BA-Songs mit Gitarrenlagen, doch als wir die Band gründeten, waren wir uns einig, dass es keine „echten“ Instrumente geben, sondern sie vollständig elektronisch sein würde. Mit der Zeit haben wir diese Einstellung allerdings entspannt, denn manchmal ist eine Gitarre oder ein echter Bass genau der richtige Sound für einen bestimmten Part – und kein Synth kann ihn nachahmen.“

Blaqk Audio klingen wie eine schizophrene Zeitreise – eine die den Hörer sowohl in die Vergangenheit, als auch in die Zukunft katapultiert. Sie seien eine Art Zusammenschluss ihrer Lieblingsbands von vor 30 Jahren und dem, was sie sich für ihre zukünftigen Selbst vorstellen, beschreibt Puget. Man merkt: Auch hier wollen die beiden Künstler sich nicht nur für eine Seite entscheiden. Sie wollen beides – alles. Da kommt ihnen ihre jahrzehntelange Zusammenarbeit und Freundschaft nur zugute.

„Die kreativen Prozesse von AFI und Blaqk Audio sind sich im Laufe der Jahre ähnlich geworden. Ich schreibe die Musik und Davey die Texte. Der Hauptunterschied besteht eigentlich nur darin, dass wir bei AFI gemeinsam an den Gesangsmelodien arbeiten, während er bei Blaqk Audio die meisten Melodien allein macht.“

Da bleibt doch nur noch eine Frage zu klären: Welche Dinge liebst du denn eigentlich, Jade?

„Meine Frau. Im Studio zu sein und über Tage, Wochen und Monate am Stück nur Musik zu schreiben. Mikrowellen-Popcorn. Einen tollen Roman zu lesen. Einen tollen Roman während eines 14-stündigen Fluges zu lesen. Honeycrisp Äpfel. Horrorfilme. Musikdokumentationen. Chihuahuas. Vor allem meinen Chihuahua. Kaffee. Converse-Slipper. Gear. Den Morgen. Den Herbst. Den Winter. Regen. Nebel. Stille.“

Aktuelles Album:Only Things We Love (Rise Records)
© 01. April 2019  WESTZEIT ||| Text: Leonie Wiethaup ||| Datenschutz
April 2019


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