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QUAKER CITY NIGHT HAWKS - Das saugende Mantra

Bereits seit 2010 machen die Quaker City Nighthawks aus Fort Worth (in der nähe von Dallas) mit ihrem erdigen Mix aus klassischem, harten Rock, Boogie und Texas Blues die texanische Musikszene unsicher. Im Laufe der Jahre hat sich die Band mehrfach umbesetzt und dabei auch immer weitere musikalische Stilelemente eingesammelt, so dass sich auf jeder bislang drei LPs eine Ausweitung der Klangpalette darstellte.

Das aktuelle Album ´QCNH´ entstand in Fort Worth im Kerntrio-Format mit den singenden Songwriter/Gitarreros Sam Anderson und David Matsler und Drummer Aaron Haynes und bietet den bislang eklektischsten Stilmix der Jungs, bei dem klassische Soul-Elemente, R'n'B, Funk, Southern Rock und Texas-Psychedelia das Klangbild bereichern. Im Vergleich zu den vorangehenden QCNH-Werken ist das neue Album aber vergleichsweise Mellow geraten, wie Aaron Haynes, der sich als Sprachrohr der Band anbot, einräumt.

„Nun ich weiß nicht, ob das von Anfang an die Idee war“, überlegt Aaron, „aber Du hast natürlich recht, dass das neue Album ruhiger ist. Wir als texanische Band werden oft als Countryband kategorisiert – was wir definitiv nicht sind. Alle unsere Einflüsse zusammen zeichnen uns schließlich aus. Wir mögen Black Sabbath, ELO oder andere klassische Bands. Man kann bis heute ja unsere Boogie- und Blues-Einflüsse raushören. Danach haben wir auch dieses Mal gesucht. Es muss für uns selbst einfach interessant sein.“

Und was ist das Rezept dafür, sich selbst musikalisch zu unterhalten?

„Ich denke, weil wir aus so vielen verschiedenen Richtungen kommen, ist es so, dass selbst dann, wenn wir etwas hören, das wir alle mögen, es uns nicht möglich wäre, das genauso zu spielen, wie wir es hören“, erklärt Aaron, „es wird sich dann immer noch eher nach uns anhören – einfach weil wir schon so lange zusammen spielen. Unsere Einflüsse und Inspirationen geben uns eher Ideen, als dass sie als Vorlage dienten. Es ist für uns einfach eine Möglichkeit, neue Sachen auszuprobieren – und dadurch wird es automatisch zu unserer Musik.“

Denken Musiker wie die Night Hawks überhaupt in Kategorien wie „Stil“ oder „Genre“?

„Überhaupt nicht“, meint Aaron, „wir haben zum Beispiel Sachen ausprobiert, die noch verrückter sind als das, was es auf die Scheibe geschafft hat. Wir denken einfach nicht darüber nach, einen bestimmten Stil zu erschaffen. Stattdessen arbeiten wir so lange an den Songs, bis sie uns wirklich gefallen. Dann probieren wir sie live aus und manchmal gefallen sie auch den Leuten und manchmal eben nicht.“

Was zeichnet den guten Song dann aus?

„Nun wir können uns da manchmal gar nicht einigen“, überlegt Aaron, „jeder hat so seine Vorlieben. Das Rezept ist dann, die Sachen gemeinsam auszuarbeiten. Wenn also jemand mit einem Song oder einer Idee ins Studio kommt, dann soll die ganze Band ihren Senf dazu geben – weil das dann unseren Sound ausmacht. Wir suchen dann nach dem Feeling des Songs und darüber sprechen wir dann alle. Die Hauptsongwriter sind aber Sam und David, die auch die Texte schreiben – aber wir arbeiten alle zusammen an der Musik.“

Woher kommen denn die Soul- und Funk-Elemente auf dem neuen Album?

„Also einen Background in dieser Richtung haben wir nicht direkt“, räumt Aaron ein, „ich habe zum Beispiel eher Jazz studiert. Aber es ist etwas, was wir alle lieben. Das interessante daran ist, dass hier - wie auch bei den alten Blues-Playern – oft nur ein einziger Akkord gespielt wurde – dieser dann aber mit vollem Einsatz. Es mag zwar nicht viel passieren, aber es wird dann fast zum Mantra, dass Dich sozusagen einsaugt. Wir haben darüber viel gesprochen und festgestellt, dass das verbindende Moment ist.“

In diesem Sinne ist der Band mit ´QCNH´ ein vielseitiger Showcase der Möglichkeiten gelungen, der durchaus rechtfertigt, dass das Album ohne Titel in Form einer musikalischen Visitenkarte daher kommt.

Aktuelles Album: QCNH (Lightning Rod / New West / PIAS / Rough-Trade)
© 01. April 2019  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer ||| Datenschutz
April 2019


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